Der jüdische Friedhof wurde 2003 in die Liste der Lüdenscheider Baudenkmäler aufgenommen. Foto: luedenscheid.de

Lüdenscheid. Der Geschichts- und Heimatverein (GHV) Lüdenscheid startet ein neues Projekt. Es soll an die Geschichte der Juden in Lüdenscheid erinnern. Im Zentrum stehen die digitale Erfassung der Grabmale auf dem Friedhof “Am Ramsberg” in der Datenbank „epidat“ und ein Buch des Journalisten Ulrich Dillmann. Es soll im Herbst dieses Jahres erscheinen.

Der Friedhof am Ramsberg zählt zu den wenigen noch sichtbaren Zeugnissen jüdischen Lebens in Lüdenscheid. „Anlässlich des Jubiläums 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland will der Geschichts- und Heimatverein auf lokaler Ebene dazu beitragen, dass ein Teil jüdischer Geschichte in Lüdenscheid nicht verloren geht“, sagte GHV-Vorsitzende Dr. Arnhild Scholten bei der Vorstellung des Projekts.



Aufnahme in die Sammlung “epidat”

Alle Grabmale auf dem jüdischen Friedhof sollen digital in der Sammlung des Salpmon-Steinheim-Instituts erfasst werden. Foto: Christoph Riedel

Ziel sei es, die Grabmale für die Sammlung „epidat“ des Salomon-Steinheim-Instituts an der Uni Duisburg/Essen zu dokumentieren und sie so vor dem Vergessen zu bewahren.

Neben den Lebensdaten der Verstorbenen werden die hebräischen Texte, Symbole und Ornamente aufgeführt und erläutert. Der Lüdenscheider Fotograf Christoph Riedel hat die Grabsteine bereits aufgenommen. Die Informationen zum Leben der Verstorbenen hat Ulrich Dillmann recherchiert.

Wechselvolle Geschichte

Das jüdische Begräbniswesen in Lüdenscheid hat eine wechselvolle Geschichte. Erstmals wurde der Judenfriedhof „Am Knapp II“ Ende des 18. Jahrhunderts lokalisiert. Das älteste Grab weist auf Liefmann Lennhoff (geboren 1777, gestorben 1853) hin. Er wurde auf dem Erbbegräbnisplatz der Familie Lennhoff (heute das AOK-Gelände) beigesetzt. 1887 wurde die Begräbnisstätte zum Ramsberg (damals noch außerhalb der Stadt) verlegt. Der alte Friedhof blieb aber als Erbbegräbnisstätte für die Familie Lennhoff bestehen.

Friedhof wurde 1958 geschlossen

Sie wurde schließlich 1955 mit Einwilligung des Jüdischen Landesverbandes Westfalen-Lippe zum jüdischen Friedhof umgebettet. 1958 wurde der Friedhof auf Wunsch der jüdischen Gemeinde in Hagen geschlossen. Am 2. Juni 2003 wurde das Gelände in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Lüdenscheid aufgenommen.

Christoph Riedel, Ulrich Dillmann, Dr. Arnhild Scholten und Dr. Dietmar Simon stellten die beiden Projekte des Geschichts- und Heimatvereins vor. Foto: Wolfgang Teipel

Der GHV verstehe die beiden Projekte als einen wesentlichen Beitrag zum Jubiläumsjahr, aber auch als praktizierten Denkmalschutz, denn der Friedhof, der seit 2003 unter Denkmalschutz steht, verfalle zusehends. „Zusammen mit dem im Herbst erscheinenden Buch über jüdisches Leben in Lüdenscheid leistet der GHV damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Lüdenscheid“, betonte Dr. Arnhild Scholten.

Weiterführender Link: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat

Die beiden Projekte zur Erinnerung an die Geschichte jüdischen Lebens in Lüdenscheid werden mit Eigenmitteln des Geschichts- und Heimatvereins sowie einer bereits eigegangen zweckgebundenen Spende umgesetzt. Weitere Spenden nimmt der GHV gerne entgegen. IBAN: DE93 458 50005 0000 0292 64

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