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Kuratorin Ursula Delhougne und Klaus Crummenerl vom Verein für die Geschichte Preußens und der Grafschaft Markt in einer Isetta. Schon in der Museumshalle startet die Zeitreise. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Ein Messerschmidt-Kabinenroller wird in die Eingangshalle der Städtischen Museen geschoben. Am Eingang zu den Ausstellungsräumen steht vor einer Lüdenscheider Straßenszene ein blitzblanker schwarzer Ovali-Käfer. Er könnte gleich losfahren. Man ahnt: Hier wird eine Zeitreise der besonderen Art vorbereitet. Es geht weit zurück in die 1960er Jahre, in die Zeit, in der sich in Lüdenscheid und in der Republik die Jugend regte.

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Teil der Doppelausstellung

„Pop und Pille“ lautet der Titel der Ausstellung, zu der die Städtischen Museen ab 23. September einladen. Die Schau ist Teil einer Doppelausstellung („Lüdenscheid damals! – Von Op bis Pop“) anlässlich des 750. Stadtjubiläums. Sie ist bis zum 27. Januar 2019 zu sehen.

Ursula Delhougne und der Kuba Komet, ein beeindruckendes Tonmöbel aus der Zeit Ende der 1950er Jahre. Foto: Wolfgang Teipel

Der Blick zurück – er spannt den Bogen vom Stadtmodell aus dem Jahr 1957 über die Themen Jugend und Musik, den legendären Stadtjugendpfleger Gotti Schumann, bis zur Mode in den 1960 und den heißen Themen wie RAF-Terrorismus und Frauenbewegung.



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Symbiose von lokalen und überregionalen Bezügen

„Wir zeigen eine Ausstellung, die lokale und überregionale Bezüge gut vereint“, sagt Kuratorin Ursula Delhounge. Sie fängt das Lebensgefühl aus der Zeit vor über 50 Jahren ein, ohne lediglich nostalgische Gefühle zu wecken. Vieles ist eben aus der Distanz auch kritisch zu sehen. Das klingt auch in den vielen Interviews an, die Ursula Delhougne geführt hat. Sie werden auch Monitoren in der Ausstellung abgespielt.

Zeitzeugen berichten in Interviews

Dr. Eckhard Trox und Che Guevara im APO-Raum vereint. Ist der Museumsleiter etwa ein Roter? Foto: Wolfgang Teipel

Zeitzeugen aus Lüdenscheid berichten davon, wie die deutsche Nachkriegszeit endgültig ihr Ende fand und wie Beatmusik und Hippiebewegung, Vietnam-Krieg und Jubel-Perser, Minirock und lange Haare, Che Guevara und Mao Zedong die Gemüter erregten. Die politische Jugend Lüdenscheids formierte sich im club aktuell und protestierte gegen den Besuch des Schahs und den amerikanischen Imperialismus. Junge Leute probierten neue Lebensformen aus und schlossen sich zu Wohngemeinschaften zusammen. Bands wurden gegründet, um mit Musik dem neuen Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen. Diese Ausstellung, die sich auf die umfangreiche Recherche durch Dr. Dietmar Simon und Michael Nürenberg stützt, lässt den Besucher der Museen den Geist von ’68 spüren: Möbel und Mode, Autos und Roller, Instrumente und Schallplatten erlauben einen authentischen Rückblick auf das Lebensgefühl einer bewegten Epoche.

Vieles davon haben Dr. Dietmar Simon und Michael Nürenberg  in ihrem Buch “Die besten Jahre unserer Jugend” geschildert. Sie hatten die Idee, diese Zeit in einer Ausstellung wieder aufleben zu lassen. Der Tod von Michael Nürenberg durchkreuzte diese Pläne. “Ich freue mich, dass das Museum anlässlich des Stadtjubiläums diese Fäden aufgenommen hat”, betonte Dr. Dietmar Simon am Mittwoch bei einem Treffen im Museum.

Lange Liste mit Leihgebern

Ein Relikt aus der Zeit der teuren Nylonstrümpfe: die Repassiermaschine. Mit ihr konnte man Laufmaschen aufnehmen. Wer kennt sie noch? Foto: Wolfgang Teipel

Die Ausstellung des Vereins für die Geschichte Preußens und der Grafschaft Mark – die Museumsfreunde e.V. in Kooperation mit der Stadt Lüdenscheid wird von der Sparkasse Lüdenscheid gefördert. „Ohne diese Unterstützung wäre die Ausstellung in dieser Form nicht möglich gewesen“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox. Sein Dank geht auch an Kuratorin Ursula Delhougne. Eine lange Liste von Leihgebern am Eingang zur Ausstellung zeigt, wie viele Kontakte sie geknüpft hat, um die passenden Ausstellungsstücke zu beschaffen.

Die Ausstellung „Pop und Pille – Lüdenscheids Jugendbewegung ‚68“ wird am Sonntag, 23. September, 11.30 Uhr, in den Museen der Stadt Lüdenscheid eröffnet. Die Einführung in die Ausstellung übernimmt der Zeithistoriker Prof. Dr. Detlef Siegfried von der Universität Kopenhagen.

Musikalische Gäste der Veranstaltung sind die Brüder Gerd und Richard Bracht (Die Zwillinge und die Blechgang). Sie hatten vor 50 Jahren mit ihrer Band „Hi You There“ die Lüdenscheider Musikszene aufgemischt.

 

 

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