Einsaat der Wildblumen auf der Streuobstwiese am Handweiser. Mit der Aktion wollen die Meinerzhagener Grünen mit Unterstützung der Waldjugend ein Zeichen setzen gegen das Insekten- und Bienesterben. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen. Großeinsatz für die Meinerzhagener Grünen. Statt Grillen stand am letzten Samstag Grubben auf dem Programm. Auf der Streuobstweise am Handweiser galt es, den Boden für die Einsaat von Wildblumen zu bereiten.

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Zuvor hatten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Grasnarbe aufgebrochen. Samstag mussten noch Grassoden und Steine entfernt werden. Dann konnte die Wildblumen am Streifen oberhalb der Marienheider Straße eingesät werden. Hilfe gab es dabei von Mitgliedern der Waldjugend, die zudem für Kleintiere einen Haufen aus den aufgesammelten Steinen aufschichteten. – Recycling vor Ort. Als eifrige Steinesammler machten sich auch Aylin, Jessica und Ela nützlich. Die Schülerinnen der Gesamtschule Kierspe interessierten sich für Natur und wollten gerne mithelfen. „Ich mag halt Blumen, Tiere und Pflanzen“, begründete Ela ihr Engagement.

Grünen-Sprecher Karl Hardenacke zufrieden

Erwachsene, die ein Herz für die Natur haben, holten sich Wildblumensamen ab, um auf eigenem Grundstück für bunte Vielfalt und damit Insektennahrung zu sorgen. Grünen-Sprecher Karl Hardenacke war zufrieden: „Das ist sehr gut gelaufen am Samstag. Mit der großen Resonanz und so vielen Helferinnen und Helfern hatte ich nicht gerechnet.“ Dank der Vorarbeit des Bauhofes war der Boden innerhalb von zwei Stunden bereitet. Gemischt mit Sand, um eine gleichmäßigere Verteilung der Samen zu erreichen konnten dann die mehrjährigen Blumen ausgesät werden.

Stressfrei bei Kuchen und Getränken

„Es hat Spaß gemacht“, waren sich die Akteure einig. Zumal es bei Kuchen und kalten Getränken auch locker und stressfrei zuging. Vor allem: Es hat auch Sinn gemacht. Hardenacke: „Den Zustand des Insektensterbens, die für unsere Nahrungsmittel-Versorgung zentrale Bedeutung haben, zu beklagen, ist das Eine. Mit der Anlage des Blühstreifens versuchen wir einen kleinen Beitrag zu leisten gegenzusteuern.“ Jetzt hoffen die Grünen, die auch die Saat-Kosten für die Aktion tragen, dass an der Südumgehung eine Insekten-Autobahn entsteht. Hardenacke: „Es wäre schön, wenn auch an anderen Stellen Wildblumenflächen angelegt würden.“ Randsteifen an Straßen oder auch anderen öffentlichen Flüchen gebe es genug. Neben neuem Lebensraum für Insekten, Bienen vor allem, werde die Stadt damit auch bunter, attraktiver und abwechslungsreicher.

Streuobstwiese für Artenvielfalt

INFO: Schon die Anlage der Streuobstwiese vor sechs Jahren hatte zum Ziel die Artenvielfalt zu erhalten, Die Wiese, die auf Initiative der Grünen mit alten heimischen Obstbäumen bepflanzt worden ist, gilt nach Angaben des Naturschutz-Verbandes BUND als größte innerstädtische Streuobstwiese in Südwestfalen.  Sie wird jetzt die den Blühstreifen aufgewertet – eine Insekten-Eldorado, so hoffen die Initiatoren.

Immer weniger Fluginsekten

Aus der Sorge von Naturschützern vor dem Verlust der Artenvielfalt ist ein gesellschaftliches Thema geworden. Das Insektensterben, vielfach verkürzt als Bienensterben dargestellt, wird zunehmend zum Problem. Befeuert wurde das Thema im Herbst 2017 durch eine Studie. Forscher aus Krefeld haben durch Zählungen in verschiedenen Schutzgebieten an über 60 Standorten festgestellt, dass die Zahl der Fluginsekten seit knapp drei Jahrzehnten und 75 Prozent zurückgegangen ist. Grund sind vor allem chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft, aber auch Monokulturen, die weniger Nahrungs- und Lebensraum bieten. Insekten wiederum sind wichtig für die Bestäubung der Pflanzen und damit für Ernteerträge.

Öko-System gerät aus dem Gleichgewicht

Rund ein Drittel der Nahrungsmittel, die Menschen zu sich nehmen, wachsen nur, weil sie von Bienen und anderen Insekten bestäubt werden. Mit den Insekten verschwindet aber auch die Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Ein Teufelskreis, der das Öko-System aus dem Gleichgewicht bringt. Für den Nobelpreisträger Albert Einstein war der Zusammenhang schon vor Jahrzehnten klar: „Erst stirbt die Biene, dann der Mensch“.

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