Wolfgang Jörg: „Mit Familien- und Bildungsoffensive den Neustart wagen – kommunale Bildungslotsen einführen und Grundschulen zu Familienzentren machen“. Foto: NRWSPD

Hagen. Die Corona-Krise hat die Spaltung in der Gesellschaft vergrößert. Das ist vor allem in der Familien- und Bildungspolitik deutlich zu sehen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen durch Corona-bedingte Schulschließungen Lernrückstände aufgebaut haben. Die Jugendämter in Deutschland rechnen außerdem mit einer höheren Zahl an Schulabbrechern: Statt 104.000 jungen Menschen ohne Abschluss befürchten sie für die Jahre 2020 und 2021 jeweils 210.000 Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher.

„Wir müssen Familien und ihre Kinder nicht nur konsequenter in den Vordergrund der Pandemiebekämpfung rücken. Wir brauchen für die Zeit nach Corona auch einen sozialen Neustart in der Familien- und Bildungspolitik“, so Jörg, Landtagsabgeordneter für Hagen.

Chancengleichheit als realistisches Ziel

Aus diesem Grund beantragt die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag nun eine umfassende Familien- und Bildungsoffensive. „Chancengleichheit ist keine Utopie, sondern ein realistisches Ziel. Dafür muss sie aber auch politische Priorität haben“, betont Wolfgang Jörg. Es sei die Aufgabe der Politik, Wünsche und Hoffnungen zu ermöglichen und dadurch jedes Kind entsprechend seiner Talente, Neigungen und Fähigkeiten zu fördern. „Wir brauchen in NRW sowohl ein Sprungbrett als auch ein Sprungtuch aus Bildungs- und Unterstützungsangeboten, um allen Kindern während ihrer ganzen Bildungskarriere die Chance zu geben, die sie verdienen“, so Jörg.

Kommunale Bildungslotsen

Konkret sieht der Antrag unter anderem vor, kommunale Bildungslotsen einzuführen. Sie stehen den jungen Menschen und den Familien kontinuierlich zur Seite. Die Idee ist, die bislang unterschiedlichen Angebote der individuellen Fördermaßnahmen in einer Person zu bündeln. „Bildungslotsen sind Unterstützerinnen und Unterstützer für Familien und begleiten vor allem Kinder und Jugendliche durch ihren Bildungsweg, die sich zu verlaufen drohen“, erklärt Wolfgang Jörg den Vorstoß der SPD-Landtagsfraktion.

Grundschulen als Familienzentren

Außerdem sollen nach Vorstellung der Sozialdemokraten Grundschulen zu Familienzentren ausgebaut werden. Möglichst viele Förder- und Hilfsangebote sollen demnach unter einem Dach vereint und koordiniert werden. Sogenannte multiprofessionelle Teams sollen hier ihre pädagogischen und therapeutischen Leistungen anbieten. Das ist vor allem für Hagener Stadtteile hilfreich, die besonders stark von Bildungs- und Einkommensarmut betroffen sind und wirkt der unstrukturierten Schulentwicklungsplanung der „Hagener Allianz“ entgegen.

Rechtsanspruch auf Ganztag

Die SPD möchte des Weiteren frühzeitig mit den Vorbereitungen des Rechtsanspruchs auf den Ganztag in Hagen beginnen. Bislang sind offenbar dort keine Vorbereitungen unternommen worden, obwohl nach Beschluss des Bundeskabinett der Rechtsanspruch im August 2026 eingefordert werden kann. „Eine echte Ausbauoffensive für Betreuungsplätze und den Ganztag an Schulen ist notwendig, weil es derzeit noch nicht ausreichend OGS-Plätze gibt“, so Wolfgang Jörg.

Der Antrag wird am heutigen Donnerstag, 20. Mai, im Düsseldorfer Landtag eingebracht und an-schließend in den Fachausschüssen diskutiert.

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