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Westfalen Winds begeiserte das Publikum im Kulturhaus. Foto: Kathrin Klein

Lüdenscheid. Eine feierliche Fanfare in den Trompeten, gefolgt von wuchtigen Tutti-Akkorden, ein Ritardando und dann: ein fünfminütiges Feuerwerk aus spitzen Stakkati, ausgedehnten Melodiebögen und explosiven Kontrasten. Die Bläserphilharmonie Westfalen Winds entfachte im Kulturhaus Lüdenscheid mit großer Opernmusik ein Konzerterlebnis der besonderen Art.

Welcher Anlass es auch sein mag, kaum ein Werk der Musikgeschichte eignet sich besser als ergreifender Auftakt als die Festive Overture Op. 96 von Dimitrij Schostakowitsch. Dem donnernden Applaus des Lüdenscheider Publikums nach, verfehlte sie auch in der Interpretation der Bläserphilharmonie Westfalen Winds unter Johannes Stert keineswegs ihre Wirkung.

Charismatischer Dirigent Johannes Stert



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Nach einer kurzen Anmoderation des charismatischen Dirigenten erwarteten die Konzertgänger, die ihren Weg am vergangenen Sonntagnachmittag ins Kulturhaus gefunden hatten, mit Spannung die Nuances des französischen Komponisten Desiré Dondeyne. Weiche Klänge und facettenreiche Harmonien bildeten einen Gegenpol zum rasanten Galopp des vorangehenden Werkes.

Nach der Pause stand mit Verdis Otello in der Bearbeitung durch Johannes Stert das Hauptwerk des Abends bevor. Eine kurze Einführung in die Handlung und schon ging es los mit der Ankunft des siegreichen Feldherrn, dessen Galeere im schweren Sturm den heimatlichen Hafen anläuft. Das Arrangement der großen romantischen Oper kommt ganz ohne Gesang, ohne Worte aus. Stattdessen erzählen die Instrumente die Geschichte von zerbrechender Liebe, Mord und viel zu später Einsicht. Verdis Musik ist voll handlungstragender Motivik, sodass das Publikum durch das äußerst virtuose und technisch versierte Orchester den Verlauf des Eifersuchtsdramas um Otello und Desdemona problemlos nachvollziehen konnte.

Lebendige musikalische Bilder im Konzertsaal

Jede Euphorie, jeder Anflug von Misstrauen, jedes stille Gebet wurde so hörbar und erfüllten als lebendige, musikalische Bilder den Konzertsaal. Desdemona, wie sie vergeblich um ihr Leben fleht, die Zofe, die panisch an die verschlossene Tür klopft, und schließlich ein zerbrochener Otello, der seinen Fehler im dramatischen Ende erkennt und seiner Gattin in die ewige Dunkelheit folgt.

Auch nach feuriger Zugabe in Gestalt des Wedding Dance aus der Feder von Jaques Press dürften es die überwältigenden Eindrücke aus Otello gewesen sein, die das begeisterte Publikum erst nach minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen mit nach Hause genommen haben.

Am 29. März ist Westfalen Winds in der Stadthalle Meinerzhagen zu hören. Foto: Kathrin Klein

Vielleicht zusammen mit dem Wunsch, dass die Zusammenarbeit von Westfalen Winds und Johannes Stert viele weitere solcher Früchte tragen wird. Spätestens sicherlich am 19.01.2020 beim Neujahrskonzert der Stadt Wetter und am 29.03.2020 in der Stadthalle Meinerzhagen.

Dieser Bericht wurde guten-tach.de von Westfalen Winds zugesandt.

 

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