Wilhelm Bode vor dem großen Scherenschnitt, den Katharina Berndt für die Ausstellung "Reset the Forest" gestaltet hat. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Der Wald hat’s schwer. Trockenheit und in Folge der Borkenkäfer setzen ihm zu. Zudem wird er immer anfälliger für Stürme. Mit der Ausstellung „Reset the forest“ machen Katharina Bernd, Tom Groll und Kuno Seltmann in den Städtischen Museen auf die aktuellen und zu erwartenden Probleme aufmerksam. Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehört ein Abend mit Wilhelm Bode.

Der Jurist und Diplom-Forstwirt war am Donnerstag in den Museen zu Gast. Er plädiert für eine Abkehr vom Altersklassenwald hin zum Dauerwald. Bode weiß, wovon er spricht. Der heute 74-Jährige war bis 1993 Leiter der saarländischen Forstverwaltung sowie später Leiter der Obersten Naturschutzbehörde des Saarlandes. Bekannt wurde er vor allem durch sein 1994 veröffentlichtes Buch „Waldwende“ (vier Auflagen, erschienen im C.H. Beck Verlag).



Forstwirtschaft muss sich ändern

„Wir müssten nur fünf bis zehn Prozent des öffentlichen Waldes sich selbst überlassen und ihn nach ökologischen Prinzipien bewirtschaften“, sagt Bode. Das könnte ein Segen für die Artenvielfalt in Flora und Fauna sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste sich die Fortwirtschaft grundlegend verändern, und zwar „von der technischen Holzproduktion hin zur biologischen Holzproduktion.“ Langfristig sei das sogar wirtschaftlicher.

Leuchtturmprojekt Forstbetrieb Kalebsberg

Als gutes Beispiel für die Waldwende nannte er den  Forstbetrieb Kalebsberg. Dieser Betrieb  wurde im Jahr 2005 von der BVVG (Bodenverwertungs- und Verwaltungs-GmbH erworben (ca. 194 Hektar). Die derzeitige Gesamtgröße beläuft sich auf rund 280 Hektar. Davon sind 233 Hektar eingerichtet. Die restlichen Flächen liegen im Naturschutzgebiet Grube und werden unter besonders naturschutzfachlichen Gesichtspunkten bewirtschaftet. Dabei werden u. a. auch die ökologischen Waldbewirtschaftungsgrundsätze der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) konsequent angewendet. Nach Auffassung von Wilhelm Bode stellt der Forstbetrieb Kalebsberg ein bundesweites Leuchtturmprojekt der naturgemäßen Waldbewirtschaftung mit angepassten Wildbeständen dar. Darüber hinaus wurden spezielle Urwaldmechanismen gefördert und klimaplastische Gastbaumarten sowie eurasische Rückkehrerarten etabliert.

Mit dem Dauerwald werde es gelingen, die biologische Leistungsfähigkeit des Waldes zurückzugewinnen, seine Abwehrkraft gegenüber Stürmen, Insekten und vor allem gegenüber dem Klimawandel zu stärken, seine biologische Vielfalt und seinen CO2-Vorrat deutlich zu erhöhen, bekräftigt Wilhelm Bode. „Außerdem lässt sich seine fortwirtschaftliche Rentabilität durch einen dauerhaft Wertholz produzierenden Wald steigern.“

Bode fordert schonungslose ökologische Ehrlichkeit

Seine Ausführungen stießen bei Besucherinnen und Besuchern aus den Bereichen Wald- und Forstwirtschaft, Natur- und Artenschutz sowie Vertretern aus der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung Arnsberg auf großes Interesse.

Wilhelm Bode fordert von Waldbesitzern und Jägern schonungslose ökologische Ehrlichkeit. Daneben sei allerdings auch der Förster vor Ort, der auf Augenhöhe mit Jägern agieren müsse, unverzichtbar.

Leitfaden “Dauerwald – Leicht gemacht”

Wilhelm Bode hat zusammen mit Rainer Kant den Leitfaden „Dauerwald – Leicht gemacht“ herausgebracht. Darin greift er die Ideen des Forstexperten Alfred Möller aus den 1920er Jahren auf. ISBN 978-3-952062-54-1.

Ein weiterer Gast war Maximilian Behrens von bürger:wald:invest. Dieses Unternehmen bietet ein zu 100  Prozent mit Eigenkapital finanziertes Sachwertinvestment in deutsche und kanadische Wälder an, die nach ausgewiesenen ökologischen Kriterien nachhaltig bewirtschaftet und dauerhaft genutzt werden.

 

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