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Im Festsaal Ochtendung diskutierten Fachleute und Bürger*innen das Thema Wald und Mensch im Klimawandel. Foto: privat
Im Festsaal Ochtendung diskutierten Fachleute und Bürger*innen das Thema Wald und Mensch im Klimawandel. Foto: privat

Plettenberg. Auf Einladung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN diskutierten intensiv und teilweise konträr die interessierten Gäste und eingeladenen Fachleute im Festsaal Ochtendung zum Thema „Wald und Mensch im Klimawandel“: Zoran Grete (Fridays For Future), Henning Stolz (Revierleiter in Plettenberg und zuständig für zwei Forstbetriebsgemeinschaften) und Klaus Brunsmeier (Mitglied im Vorstand des BUND NRW).

Zum Auftakt wies Zoran Grete von Fridays For Future in Plettenberg auf die Dringlichkeit hin, das 1,5-Grad-Klimaziel erreichen zu müssen. „Sollte dieses Ziel verfehlt werden, wird sich der Klimawandel aufgrund von arktischer Eisschmelze und Freisetzung von Methan in den Permafrostgebieten der Erde beschleunigen. Dadurch drohen uns und vor allem unseren Nachfahren weitaus stärkere Klimafolgen als das, was wir heute bereits erleben“.

Stürme, Starkregen, Hagel, Dürreperioden, Brände, Borkenkäfer: Am Beispiel der Waldflächen zeigen sich ganz besonders im Sauerland mehr als deutlich die Auswirkungen der Klimaerwärmung, beschrieb Katharina Rittinghaus von den GRÜNEN die aktuelle Situation. Zum Regionalforstamt im Märkischen Kreis zählen 56.000 ha Wald, diese verteilen sich auf ca. 4000 kleine Eigentümer, welche die immens großen Verluste (er)tragen und dringend Antworten für die akuten Probleme brauchen.

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Laut Klaus Brunsmeier, Mitglied im Vorstand des BUND NRW, müsste eigentlich ein großer Aufschrei durch den Märkischen Kreis gehen, denn die Folgen des Klimawandels in den Sauerländer Wäldern entsprechen einem Vermögensverlust von 110 Mio Euro. Die Kosten einer Wiederbewaldung würden zusätzlich 22 Mio Euro betragen. Dabei seien die größten Gefährdungsursachen das Forstliche Flächenmanagement und das Aufforsten mit nicht (mehr) geeigneten Gehölzarten.

Karin Gutschlag, Mitglied im Vorstand des GRÜNEN-Ortsverbands Plettenberg, stellte klar, dass der Wald für die Besitzer oft einen wichtigen Wirtschaftszweig bedeutet. Doch aufgrund der veränderten Klimabedingungen greifen die althergebrachten Methoden nicht mehr. Statt Gewinne zu erwirtschaften, müssen große Verluste verkraftet werden. „Klimaschutz bzw. Naturschutz muss das Ziel für alle sein. Es braucht Lösungen wie z. B. öffentliche Gelder für ökologische Waldbewirtschaftung, um Anreize zu schaffen. Dies sollte von der Lokalpolitik an die Landes- und Bundesregierungen weitergetragen werden, denn ohne Ökologie keine Ökonomie“, bekräftigte diese Aussage Klaus Brunsmeier, Vorstandsmitglied des BUND in NRW. Er erklärte, dass es eine zentrale Forderung des BUND ist, 10% der landeseigenen Flächen aus der Nutzung zu nehmen, aktuell sind es weniger als 3%. Die Waldökosysteme sollen sich selbst überlassen werden, um die Waldflächen mit ihren vielfältigen Funktionen und die Artenvielfalt zu erhalten.

Ein Waldbesitzer plädierte dafür, dass die privaten Eigentümer*innen selber über ihren Flächen entscheiden sollten. „Denn das würde automatisch Vielfalt bringen“, unterstützte Henning Stolz, Revierleiter in Plettenberg und Angestellter von Wald & Holz NRW, diese Meinung. Doch der Aussage widersprach Klaus Brunsmeier. Aus seiner Sicht hat genau das zu den aktuellen großen Schäden geführt, weil vorwiegend auf Profit hin bewirtschaftet wurde. „Der Wald besitzt einen hohen gesellschaftlichen Wert und hat viele Funktionen, zum Beispiel für den Wasserhaushalt, als Sauerstoffproduzent, Hangstabilisator und Schutz vor Erosion, Schattenspender und CO2-Speicher, für das Kleinklima und zur Erholung. Deshalb müssen unsere Wälder geschützt werden und es braucht eine klare Regelung“.

Das dem so ist, wurde durch die weiteren Diskussionsbeiträge klar. Zum Beispiel berichtete eine Waldbesitzerin vom Streit mit einem Waldnachbarn. Sie hatte nach dem Sturm Kyrill nur im geringen Maße neu gepflanzt und lässt einen „Urwald“ entstehen. Ihr Nachbar allerdings spritzt an der Grundstücksgrenze Pestizide. Diese Behandlung, wobei aufgestapelte Holzhaufen mit einem Kontakt- und Fraßgift besprüht werden, hält Förster Henning Stolz für notwendig, um dem Borkenkäfer Einhalt zu gebieten. Von den anwesenden Gästen wurden aber Bedenken geäußert, da dieses Gift auch die Insekten und andere Tiere schädigt und vielleicht sogar mit dem Regen in den Boden und ins Grundwasser übergeht. Zusätzlich besteht Unklarheit darüber, ob die Schädlinge durch das Gift dauerhaft ausgerottet werden können.

Quelle: Ortsverband Plettenberg Bündnis 90/Die Grünen

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