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Lüdenscheid. (PSL) Steigende Infektionszahlen, zunehmende Unzufriedenheit und begrenzte städtische Handlungsmöglichkeiten: Sebastian Wagemeyer nimmt in einer Video-Ansprache Stellung zur aktuellen Situation in der Corona-Pandemie. Darin stellt Lüdenscheids Bürgermeister auch deutliche Forderungen an die nordrhein-westfälische Landesregierung – und übt gleichzeitig Kritik an deren Vorgehen.

Zwei Wochen vor Beginn der Osterferien werden wieder alle Jahrgänge im Wechselunterricht an den Schulen unterrichtet. Aus psychologischer Sicht sei das ein guter und nachvollziehbarer Schritt. Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen, die vermehrt auftretende britische Corona-Mutante und die höhere Ansteckungsrate unter Minderjährigen jedoch sei die weitere Öffnung der Schulen „unverantwortlich“. Zumal es keine Studien darüber gebe, „ob und inwiefern sich eine Corona-Erkrankung mit leichten bis keinen Symptomen auf lange Sicht auf die Gesundheit der Kinder auswirkt“, so Wagemeyer weiter. Die Landesregierung wolle hier „mit dem Kopf durch die Wand“.

Wagemeyer fordert „klare Vorgaben“ und „nachvollziehbare Entscheidungen“ aus Düsseldorf sowie eine praktikable Strategie für Corona-Tests an den Schulen. Dafür sei die Landesregierung ebenso zuständig wie für die Entscheidung, die Schulen zu öffnen. Der Stadt Lüdenscheid seien hier als Schulträger die Hände gebunden. Auch in Sachen Infektionsschutz am Arbeitsplatz sieht der Bürgermeister die Landesregierung deutlich stärker gefordert.

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Die zuletzt laut gewordene Kritik an der Stadtverwaltung, in der Corona-Pandemie zu wenig zu tun, weist Wagemeyer zurück. „Wo wir Zugriff haben und etwas im öffentlichen Raum tun können, tun wir das auch. Wir stehlen uns da nicht aus der Verantwortung“, sagt das Stadtoberhaupt. Und verweist auf die umfangreichen, personal- und zeitintensiven Kontrollen von Personen, die sich in Quarantäne befinden. Weitere wichtige Maßnahmen der Stadtverwaltung seien die Einführung der Maskenpflicht in der Innenstadt und die Absperrung beliebter Aufenthaltsbereiche, an denen es wiederholt zu Verstößen gegen die Corona-Regeln kam.

Allerdings seien die Handlungsmöglichkeiten als Kommune in der Pandemie begrenzt. Aus diesem Grund erwartet Wagemeyer „eine Landesregierung, die regiert, sich nicht wegduckt oder die kommunale Ebene allein lässt und Verantwortung abschiebt wie zum Beispiel bei der sogenannten Corona-Notbremse“. Den Märkischen Kreis nimmt der Bürgermeister ebenfalls verstärkt in die Pflicht – und fordert, dass „auch die Rücknahme erfolgter Lockerungen mit Blick auf die rasant steigenden Zahlen eine echte Option“ sein sollten.

Auch beim Thema Corona-Tests und Impfungen sieht Wagemeyer das Land NRW, aber auch die Bundesregierung in der Pflicht, umgehend praktikable Strategien zu entwickeln und „die Kapazitäten auf Volllast auszuweiten“. Die Stadt Lüdenscheid und der Märkische Kreis hätten ihre Aufgaben erledigt: Das Impfzentrum an der Schützenhalle Loh sei „hervorragend aufgestellt und organisiert“.

An denjenigen, die sich nicht an die Corona-Regeln halten, übt Wagemeyer ebenfalls Kritik – und fordert ein rasches Umdenken. Es gehe darum, „das eigene, vor allem aber auch das Leben anderer zu schützen“. Trotz Corona- und Lockdown-Müdigkeit komme es weiterhin auf Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und Solidarität an. Immerhin sei davon auszugehen, dass die Infektionszahlen weiter steigen werden. „Die kommenden Wochen und Monaten werden die entscheidenden sein, um diesem Virus die Stirn zu bieten“, prophezeit der Bürgermeister.

Die komplette Ansprache hier: www.youtube.com/watch?v=So5CQXmYfWQ

 

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