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Lisa Catena präsentierte ihr Programm "Der Panda-Code". Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Hysterie ist praktisch für die Mächtigen.  Während sich das Volk mit zu Problemen aufgeblähten Nichtigkeiten befasst, können sie still und heimlich ihre Vorhaben durchpauken. Nicht mit Lisa Catena. Sie empfiehlt: „Schauen Sie nicht dahin, wo der Lärm am größten ist, sondern dahin, wo wirklich etwas passiert.“

Starker Tobak aus der Schweiz. Lisa Catena, Italo-Schweizerin, bewegte sich am letzten Abend der Lüdenscheider Kleinkunsttage am Freitag oft auf politischem Parkett. Und so ließ sie das Publikum in der umgebauten Garderobenhalle des Kulturhauses gleich zu Beginn darüber abstimmen, ob sich das Sauerland der Schweiz anschließen solle. Sie erlebte eine klare Niederlage. Kostenlose Schokolade oder pünktliche Bahn hin und her – die Kabarettistin erlebte eine klare Niederlage. Das Sauerland ist deutsch und will es bleiben.

Deutsche plötzlich lässig mediterran

Der pünktliche Schweizer, der seine legendären Uhren eigens entwickelt hat, damit er bloß nicht den Zug verpasst, vor den er sich werfen will – Lisa Catena betrachtet ihre Heimat schon mit ganz besonderen Augen. Aber auch ihre Außensicht auf Deutschland ist interessant: „Sie haben jede Woche einen neuen Skandal. Das verleiht ihnen so eine gewisse mediterrane Lässigkeit.“

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Na gut: Man könnte auch ganz gut ohne das ganze Theater Leben. Ebenso wie ohne Fake News und andere Missverständnisse. So klärt Catena auf: „Der 30-jährige Krieg ist nicht das erste Jubiläum nach der Silbernen Hochzeit“ oder „Das Buch Genesis ist nicht die Autobiografie von Phil Collins.“

Verkehrte Welt

Ihr Programm heißt „Der Panda Code“. Sie teilt die Welt ein in Pandas und Laubfrösche. Pandas sind irgendwie süß, bringen aber nichts zustande. Trotzdem mag sie jeder. Laubfrösche mag niemand. Ex-US-Präsident Obama ist ein Panda. „Es gab keinen Tag in der Präsidentschaft, an dem nicht Krieg geführt wurde“, sagt Lisa Catena. Dennoch gelte er als Sympathieträger. Die Deutschen seien trotz der intensiven Aufarbeitung der Untaten während des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges Laubfrösche. „Keiner mag sie so richtig.“ Ganz anders die Italiener. Sie seien beliebt. Die Liste ihrer Verfehlungen im Faschismus sei lang. Aber niemand interessiere sich so richtig dafür.

Lisa Catena erklärt, wie in einer vernetzten Welt alles mit allem zusammenhängt und sagt: „Heute wäre Jesus ein Influencer mit zwölf Millionen Followern, gesponsert von Birkenstock.“

Entlarvender Phrasometer

Um aufgeblähtes Politikergeschwafel zu entlarven, hat die Italo-Schweizerin den „Phrasometer“ erfunden, den sie dem Publikum vorführte. Sie ließ Besucher einige farbige Kärtchen mit Zitaten auswählen. Mit den zufällig zusammengewürfelten Worthülsen, die sie anschließend vortrug, könnte Lisa Catena  im Bundestag aber auch in jeder Talkshow bestehen. Das erinnerte schon ein wenig an Loriot.

Ob sie auch bei den Lüdenscheider Kleinkunsttagen bestanden hat, wird sich am Montag zeigen. Dann sind die Stimmkarten aus dem Publikum ausgewertet. Am Nachmittag wird Kulturhausintendantin Rebecca Egeling den Gewinner oder die Gewinnerin der „Lüdenscheider Lüsterklemme“ bekanntgeben.

 

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