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Jens Brinkmann, Karl Michael Dommes und Roland Krebs präsentierten die Bilanz der Volksbank in Südwestfalen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Kunden der Volksbank in Südwestfalen gehen mit der Zeit. Auch die Ältesten. „Einer der ersten, die sich in unserem neuen Kundendialogcenter zum Thema Wertpapiere beraten lassen wollte war ein 94-jähriger Kunde“, berichtete Vorstand Karl Michael Dommes bei der Jahresbilanzpressekonferenz. Hut ab vor dem betagten Aktienbesitzer.

Die Bank und ihre Kunden müssen sich auf neue Zeiten einstellen. Abbau von Filialen, mehr Digitalisierung, Ausbau des Geschäftsfeldes rund um das Thema Immobilien – die Genossenschaftsbank muss beweglich bleiben, wenn sie ihren erfolgreichen Weg weiter gehen will.

Der Rückblick auf das Jahr 2019 fällt aus Sicht von Vorstandsprecher Karl Michael Dommes angesichts schwächelnder Wirtschaft, Nullzins-Politik, Handelskrisen und weltweiter politischer Turbulenzen positiv aus.

Die Bilanzsumme ist erneut gestiegen, von 3,6 auf 3,8 Milliarden Euro. Das betreute Kundenvolumen der Bank, die jetzt ein Geschäftsgebiet von Balve im Norden bis zum siegerländischen Niederdresselndorf ganz im Süden betreut, ist erstmals auf über sieben Milliarden Euro geklettert.

In der Baufinanzierung verweist Karl Michael Dommes auf ein Neugeschäftsvolumen von über 200 Millionen Euro. Verteilt über den Gesamtmarkt des Siegerlands und des Märkischen Kreises habe dies zu einem Wachstum im Bestand von rund 6,4 Prozent geführt. „Damit liegen unsere Steigerungsraten über dem Marktwachstum und wir konnten wiederum Marktanteile hinzugewinnen. Nach Daten der Bundesbank lag dieses für Gesamtdeutschland nämlich bei rund 4,2 Prozent“, sagt Volksbank-Vorstand Roland Krebs.

Eigenes Plattform-Konzept für Baufinanzierung

„Baufinanzierungspläne werden heute verstärkt auch online oder über freie Vermittler nachgefragt. Wir haben uns den geänderten Marktgegebenheiten angepasst und ein eigenes Plattform-Konzept und ein Team mit zwei Vermittlerbetreuern und zwei Assistenzen eingerichtet“, so Krebs. Eine Rechnung, die aufgeht: In Zusammenarbeit mit angeschlossenen Vermittlern konnte seit der Einführung der Plattform BauFiNex in den ersten sechs Monaten bereits 35 Millionen Euro abgesetzt werden.  „Und das in einem Jahr, das nach der Fusion von einer Umstellung des Bankbetriebssystems geprägt wurde. Wir haben monatelang mit Hochdruck daran gearbeitet, ohne dass unsere Kundinnen und Kunden davon etwas mitbekommen haben. Auch am entscheidenden Wochenende im Oktober, an dem die Umstellung final erfolgte, ging alles ohne nennenswerte Komplikationen über die Bühne. Viele haben sicherlich überhaupt nicht mitbekommen, dass sich etwas verändert hat“, sagt Vorstand Brinkmann, der die Umstellung verantwortete.

Zinsüberschuss nahezu konstant

Auch 2019 haben die niedrigen Zinsen, bedingt durch die Zinsvorgaben der Europäischen Zentralbank, Auswirkungen auf den Geschäftserfolg der Volksbank. „Keine Überraschung ist daher, dass der Zinsüberschuss von rund 60,6 Millionen Euro im Jahr 2018 mit 60,1 Millionen Euro nahezu konstant geblieben ist“, so der Vorstandssprecher. Der Provisionsüberschuss sei ebenfalls auf einem vergleichbaren Niveau geblieben – 26,228 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 26,194 Millionen Euro im Jahr 2019.  Um den schwierigen Rahmenbedingungen entgegenzuwirken setze man bereits seit mehreren Jahren auf eine Kostenoptimierung. Hier kann eine Einsparung von 2016 zu 2019 von 3,32 Prozent festgestellt werden.

Vorstand schlägt Dividende von drei Prozent vor

„Die Summe der zuvor beschriebenen Aktivitäten und Maßnahmen wirkt sich positiv auf den Bilanzgewinn aus“, sagt Dommes. Dieser betrage 2019 rund 4,5 Millionen Euro – 2018 lag er noch bei rund 4,3 Millionen Euro. „Wir nehmen dies zum Anlass, um der Vertreterversammlung am 3. Juni in Siegen eine Dividende von drei Prozent zum Beschluss vorzuschlagen.“

Suche nach neuen Ertragsfeldern

Wohin geht die Reise in den nächsten Jahren? „Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank setzt den Banken zu und eine Wende ist auch mit der neuen Chefin Christine Lagarde nicht in Sicht. Angesichts der dadurch bedingten sinkenden Margen wird eine unserer größten Herausforderungen für die nächsten Jahre sicherlich die Erschließung neuer Ertragsfelder sein. Nur so können wir es schaffen, die Volksbank in Südwestfalen fit für die Zukunft zu machen“, sagt Dommes.

Dommes: “Alles wird immer digitaler”

Auf dem richtigen Weg sei man mit dem neu eingerichteten Baufinanzierungs-Plattformgeschäft. „Hier haben wir im vergangenen Jahr einen sehr erfolgreichen Start an den Tag legen können“, so der Vorstandssprecher. Der Ausbau der digitalen Kanäle werde auch das neue Jahrzehnt bestimmen. „Alles wird noch digitaler“, sind sich Dommes und seine Vorstandskollegen sicher. Man investiere permanent in den Ausbau digitaler Kanäle und neuer Lösungen. Darunter fällt beispielsweise der digitale Anlage-Assistent MeinInvest, der den Kunden hilft, die richtige Geldanlage zu finden – online ganz bequem von zu Hause oder aber von unterwegs. Auch zukünftig wolle man die neuen Vertriebswege weiter ausbauen und für die Kunden stets auf dem neuesten Stand halten.

Mehr Spielraum bei Kreditvergaben

Die Volksbank in Südwestfalen stellt sich auf weiteres Wachstum ein. „Wir wollen uns eine Speckschicht für die nächsten Jahre anlegen“, sagt Karl Michael Dommes. So soll das Eigenkapital um 50 Millionen Euro erhöht werden. Das Geld stamme aus stillen Reserven. So könne sich die Bank mehr Spielraum bei Kreditvergaben verschaffen und die Wachstumskurs der vergangenen zehn Jahre weiterführen.

 

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