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Bei einer Video-Schalte ließen sich die Workshop-Teilnehmerinnen in die Karten schauen. Screenshot: Luise Frentzel

Lüdenscheid. „Wir scheitern fleißig voran.“ Marian Heuser kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, als er das Bonmot eines Poetry-Slammer-Kollegen zitiert. Und dann setzt der Mann, der die Veranstaltungsreihe „World of Wordcraft“ erschaffen hat, noch einen drauf. „Nichts ist anfälliger für den Zufall als ein Plan.“

So war es tatsächlich. Den Plan hatten die Freunde der Stadtbücherei und Marian Heuser geschmiedet. Sie wollten wie 2019 Nachwuchs-Slammer einladen und ihre Arbeit auf ein neues Niveau heben. Dann kam Corona . . .

Und so wurde aus dem geplanten zweitägigen Präsenz-Workshop in der Stadtbücherei Lüdenscheid eine Online-Veranstaltung über fünf Tage mit Teilnehmerinnen aus ganz NRW.



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Bürgerstiftung fördert Jugendkultur

Bei einer Video-Konferenz ließen sich Marian Heuser und die Workshop-Teilnehmerinnen in die Karten schauen. Mit von der Partie waren Rolf Scholten (Vorsitzender der Freunde der Stadtbücherei) und Marcel Nüsgen, Geschäftsführer der Bürgerstiftung der Sparkasse Lüdenscheid. Sie hatte das Projekt großzügig mit einer Spende unterstützt. „Danke für diesen Einsatz bei der Förderung der Jugendkultur“, bedankte sich Rolf Scholten bei Marcel Nüsgen.

Tiefsinnige Lyrik, Comedy oder Rap – beim Poetry-Slam ist alles erlaubt. Verbunden werden die Dichterschlachten oftmals auch mit einer Selbstinszenierung. Wichtig ist: Alle Texte müssen selbst geschrieben sein.

Älteren Text überarbeitet

Luise Wolff nutzte den Workshop, um einem Text zu überarbeiten, den sie vor etwa fünf Jahren geschrieben hat. Damals war sie das Thema Heimat aggressiv, geradezu böse, angegangen. Ihr neuer Text ist deutlich gelassener. Die Frage, wo Heimat ist, bleibt aber nach wie vor offen. „Den Weg nach Zuhause zeichne ich nur mit dem Bleistift“, heißt es in der neuen Version. Und: „Das Leben passiert auch woanders. Heimat bin nur ich.“

Bei der Analyse der Texte und des Vortrags schenkten sich die Teilnehmer nichts. „Allerdings werden wir nie persönlich. Die Poetry-Slammer sind eine Szene, die den Wettstreit inszeniert“, erläuterte Luise Frentzel, die als erfahrene Slammerin zusätzlich die Kursleitung übernommen hatte.

Marian Heuser zog ein ausgesprochen positives Fazit des Workshops. Auch die Tücken der Technik seien überwunden worden. So musste beispielsweise das ein oder andere Mal eine Kamera abgeschaltet werden, damit der Ton gut rüberkommen konnte. Nicht überall seien die Internetverbindungen gleich gut. Das habe auch ein wenig die Beurteilung der Performance erschwert.

Veranstaltung am 2. Oktober

Unter dem Strich wurde beim Workshop ein abendfüllendes Programm mit zwei komplett neuen Texten erarbeitet. Es ist aller Voraussicht nach bei einer Veranstaltung am 2. Oktober im Markt der Stadtbücherei Lüdenscheid zu hören.

Aus dem Kreis der Teilnehmerinnen liegen bisher sieben feste Anmeldungen für diesen Newcomer-Slam vor. Anna Lisa Tuczek (Bonn), Annika Toyah Bode (Bochum), Amelie Jatta (Neuenrade), Amelie Werner (Altena), Jana Goller (Wipperfürth), Luise Wolff (ehemals Plettenberg, heute Essen) und Vivien Müggenburg (Dortmund) wollen ihre Texte präsentieren. Die Veranstaltung soll zudem auch für Poetry-Slammer offen sein, die nicht am Workshop teilgenommen haben.

 

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