Verkehrsministerin Ina Brandes und Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Autobahn Westfalen, auf dem Weg zu den wartenden Journalisten. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid/Südwestfalen. Schnelle und unbürokratische Wege einzuschlagen, um die Region schnell zu entlasten, darauf einigten sich heute (13.12.) Vertreter von Politik und Verwaltung bei einem „Spitzentreffen“ zur A45-Talbrücke Rahmede im Rathaus der Stadt Lüdenscheid. Die Schlagzahl dabei gab SIHK-Präsident Ralf Stoffels vor. „Was in Genua möglich war, sollten wir auch anstreben“. sagte er. 2018 war ein 250 Meter langes Teilstück der sogenannten Morandi-Autobahnbrücke eingestürzt. 43 Menschen verloren dabei ihr Leben. Danach wurde die rund 1200 Meter lange Brücke in zwei Jahren neu errichtet. Dass sich beim Neubau der Talbrücke Rahmede das „Wunder von Genua“ wiederholen könnte, damit rechnet Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn Westfalen GmbH, zwar nicht. Vier bis fünf Jahre sollten aber machbar sein, sagte sie nach dem Spitzentreffen im Lüdenscheider Rathaus.

Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (links) im Gespräch mit Ina Brandes und Landrat Marco Voge. Foto: Wolfgang Teipel

Die Autobahn GmbH, das Land NRW, der Märkische Kreis und die Stadt Lüdenscheid hatten zu dem Gespräch geladen, um mögliche Wege aus der aktuellen Krise zu suchen. Die A 45-Talbrücke Rahmede musste vor anderthalb Wochen komplett für den Verkehr gesperrt werden, weil Untersuchungen starke Verformungen am Stahlgerüst der Brücke ergeben hatten.

Brandes: Ersatzneubau muss beschleunigt werden

Ina Brandes, Verkehrsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte: „Die Sauerlandlinie ist eine Lebensader für Südwestfalen und für Nordrhein-Westfalen. Das Land setzt sich mit ganzer Kraft dafür ein, die Mobilität in der Region besser und sicherer zu machen. Wir müssen jetzt drei Dinge tun: Erstens muss die Brücke schnell wieder für den Pkw-Verkehr flottgemacht werden. Zweitens muss der Verkehrsfluss auf den Umleitungsstrecken weiter verbessert werden. Drittens muss der Ersatzneubau der Brücke beschleunigt werden. Wir setzen uns deshalb beim Bund dafür ein, dass zukünftig solche reinen Ersatzbauwerke ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und erneute Planfeststellung realisiert werden. Damit sind wir Jahre schneller.“ Der Neubau der Brücke müsse zu einer „Blaupause“ für die Erneueung anderer Brückenbauwerke werden.

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Bürgermeister Sebastian Wagemeyer im Gespräch mit Elfriede Sauerwein-Braksiek. Foto: Wolfgang Teipel

Landrat Marco Voge ergänzte: „Die aktuelle Situation rund um die A 45 ist für den Märkischen Kreis und die anliegenden Städte und Gemeinden sowie für die gesamte Region ein Worst-Case-Szenario. Für unsere heimische Wirtschaft ist die A45 die Lebensader. Auch für sie ist die Sperrung ein schwerer Schlag. Es droht der Verlust Tausender Arbeitsplätze. Deshalb ist es im ersten Schritt immens wichtig, die Brücke statisch so schnell es geht zu ertüchtigen.

Landrat fordert höchste Priorität

Anwohner müssen entlastet werden, Ein- und Auspendler schnellstmöglich eine Perspektive aufgezeigt bekommen. Deshalb muss dem Neubau der Rahmedetalbrücke höchste Priorität eingeräumt werden. Dafür sind eine Planungsbeschleunigung, deutlich verkürzte Genehmigungsverfahren sowie Ausschreibungen erforderlich. Mit den betroffenen Kommunen und Kreisen, der Autobahn GmbH, Straßen.NRW, der Polizei, politischen Vertretern sowie der Wirtschaft setzen wir alles daran, möglichst schnell pragmatische Lösungen im Sinne der Region und der Menschen hier zu finden.“ Er dankte der Verkehrsministerin Ina Brandes für ihren Besuch und die Zusage jeglicher Unterstützung. „An Geld und Personal soll es nicht mangeln“, hatte die Misterin zuvor angekündigt.

Gerhard Rühmkorf aus dem Bundesverkehrsministerium sagte: „Der schnellen Schadensbehebung, der beschleunigten Planung und Herstellung des Ersatzbauwerks und der sicheren Führung des Umleitungsverkehrs misst das Bundesministerium für Digitales und Verkehr höchste Bedeutung bei. Die Wiederherstellung der verkehrswichtigen Sauerlandlinie liegt bei der Autobahn GmbH des Bundes in guten Händen und wird auch seitens des Ministeriums begleitet werden. Die Mittel für die erforderlichen Maßnahmen stehen bereit.“

„Wir muten der Region im Moment viel zu“

„Wenn es nach mir geht, sollte die neue Brücke in fünf Jahren stehen“, hofft Elfriede Sauerwein-Braksiek, die Leiterin der Niederlassung Westfalen der Autobahn. Planungsrechtliche Hindernisse müssten dafür aus dem Weg geräumt werden, um Zeit zu gewinnen. „Wir muten der Region im Moment zu viel zu“, so Sauerwein-Braksiek. In etwa drei Monaten wolle man die alte Brücke zumindest soweit verstärkt haben, damit PKW wieder darüberfahren können. „Dann wären die Umleitungsstrecken zumindest schonmal zahlenmäßig weniger belastet“. Ähnlich gebaute Brücken der A45 würden derzeit neben den üblichen Kontrollen zusätzlich auf Schäden untersucht.

Die Autobahn Westfalen wolle in den nächsten Jahren das Planungs- und Baumanagement bei der A45 und seiner 60 Talbrücken weiter verbessern. „Wir wollen schnell planen und bauen, und nutzen dabei auch die Ideen der Bauwirtschaft“, sagte Sauerwein-Braksiek.

Wichtiges Signal für die Region

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer werete das Spitzentreffen im Lüdenscheider Rathaus als „wichtiges Signal“ für die Region. Foto: Wolfgang Teipel

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer: „Ich freue mich sehr, dass sich die Ministerin heute die Zeit genommen hat, mit uns als Betroffenen vor Ort zu reden. Ich halte dies auch für ein ganz wichtiges Signal an die Menschen unserer Stadt und Region, deren Lebensqualität sich durch die Durchtrennung der Lebensader A45 in dramatischerweise verschlechtert hat. Es war ein sehr guter Austausch. Die Miniterin hat bekräftigt, dass wir nun alle erdenkliche Unterstützung bekommen, um die extrem schwierige Verkehrssituation in den kommenden Monaten und Jahren hier in Lüdenscheid und der Region bewältigen zu können. Diese Unterstützung ist für unsere Unternehmen, den Handel, die Pendler und nicht zuletzt alle Bürgerinnen und Bürger unerlässlich.“

SPD-Landtagsabgeordneter Gordan Dudas zeigte sich mit dem Verlauf des Spitzentreffens zufrieden. „Es fand in einer lösungsorientieren Arbeitsatmosphäre statt“, sagte er im Anschluss.

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