Hagen/Südwestfalen. Mit über 52.000 Beschäftigten ist die Automotive-Industrie weiterhin der stärkste Industriezweig in Südwestfalen und die Region eine der stärksten Zuliefer-Regionen Deutschlands.

Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen hervor. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Automotive-Netzwerkes Südwestfalen wurde die Erhebung vorgenommen und die Ergebnisse am Mittwoch (24. Februar 2016) im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgestellt.



2005 nahmen die IHK erstmals eine Untersuchung der Branche vor. Eine Folge war die Gründung des Automotive Netzwerkes Südwestfalen, das gestern wie heute stattliche Zahlen vorzuweisen hat. Jeder sechste südwestfälische Industriebeschäftigte arbeitet in der Automotive-Branche, die als Zulieferer der Automobil-, Bahn-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie des Schiffbaus einen Umsatz von über 9 Milliarden Euro erwirtschaftet.

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 194 von 508 befragten Unternehmen. Besonders stark vertreten waren Unternehmen aus dem Märkischen Kreis (MK) mit insgesamt 84. Der MK liegt mit einer Mitarbeiterzahl von 14200 im Ranking der südwestfälischen Kreise ganz oben. In den anderen Kreisen ist die Zahl der Unternehmen deutlich geringer aber dennoch von herausragender Stellung, so die Information zur empirischen Untersuchung. Als Beispiel werden die 14 Unternehmen, die sich im Kreis Soest beteiligt haben, genannt. Sie beschäftigen rund 8700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Beim Blick in die Zukunft zeigt sich ein uneinheitliches Bild bei der Bewertung von Chancen. Während 42 Prozent in der Hybridtechnologie und 37 Prozent in der Elektromobilität Chancen sehen, können rund die Hälfte der Befragten in keinem der beiden Bereiche besondere Potenziale für ihre Unternehmen erkennen.

Auf dem Wunschzettel:
Noch mehr Zusammenarbeit mit Hochschulen

Potenziale und Perspektiven zu erschließen ist eine der Zielsetzungen des 2011 mit Regionale-Mitteln entstandenen und von zehn Gesellschaftern getragenen Kompetenzzentrums Fahrzeug-Elektronik (KFE) in Lippstadt. Es unterstützt Unternehmen der Automobilbranche dabei, so die Information zur Umfrage, “Forschungen im Verbund zu nutzen und sich damit neue Potenziale in der Elektromobilität zu erschließen.”
Weitere sogenannte “Kompetenzträger für den Automotive Bereich” sind das Automotive Center Südwestfalen in Attendorn sowie in Lüdenscheid das Kunststoff-Institut und das Institut für Umformtechnik.

Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten aus der Region ist für viele Automotive-Zulieferer ein wichtiger Aspekt, so ein Ergebnis der Umfrage. Besonders viele Kontakte gebe es zwischen Unternehmen und der Universität Siegen bzw. der FH Südwestfalen und ihren fünf Standorten in Hagen, Iserlohn, Meschede, Soest und Lüdenscheid. Fast 82 Prozent der Befragten befürworteten eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten sowie mit anderen Unternehmen.

Erfolgsmodell Unternehmens-Kooperation – Expertise Sauerland

Tec Day Expertise Sauerland-0257Wie eine Zusammenarbeit von mehreren Unternehmen aussehen kann, das zeigt die Expertise Sauerland. Hier haben sich Unternehmer aus dem Märkischen Kreis und Hagen-Hohenlimburg bereits vor Jahren damit beschäftigt, wie man Aufgabenstellungen gemeinsam angehen kann. So können die Unternehmen als Teamplayer komplette Baugruppen anbieten, die sie als Einzelunternehmen nicht realisieren könnten. Die Bündelung der Kräfte machte auch besondere Veranstaltungen möglich. Im vergangenen September fand der erste Expertise-Sauerland-TecDay statt, eine Tagesveranstaltung mit Informationen und Fachvorträgen für zahlreiche Kunden aus NRW und anderen Bundesländern.

Technologie-Scouts helfen bei Kooperationssuche

Nicht immer ist es für einzelne Firmen einfach, bei der Suche nach passendem technischen Know how die richtigen Ansprechpartner an Hochschulen und in anderen Unternehmen zu finden. Wer Kooperationsmöglichkeiten sucht, kann dafür die Technologie-Scouts des Transferverbundes Südwestfalen nutzen, so der Hinweis der IHK.

Kooperationen können Unternehmen auch attraktiver für künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen. Fachkräftemangel, so ein weiteres Ergebnis der IHK-Untersuchung, landet in der Rubrik “Herausforderungen” auf Platz drei. Diese Problematik hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Es gibt Unternehmer, die sogar befürchten, dass künftiger Fachkräftemangel mit darüber entscheidet, ob ein Unternehmen wachsen kann, oder es mangels Mitarbeiter-Kapazitäten auf mögliche Aufträge verzichten muss, wie das Online-Magazin Tach! im vergangenen Jahr berichtete.

Wachsende Herausforderung – Fachkräftemangel

Klarer Spitzenreiter bei den “größten Herausforderungen für ihr Unternehmen” ist in der aktuellen IHK-Untersuchung wie vor zehn Jahren der Preis- und der Kostendruck in der Automotive-Branche. Hier ist allerdings eine abnehmende Tendenz festzustellen. Das gilt auch bei den Themenfeldern Bürokratie/Dokumentation, Globalisierung und Produktionsverlagerung ins Ausland. Dennoch befinden sich diese Herausforderungen nach wie vor im oberen Drittel. Die digitalisierte Produktion – Stichwort Industrie 4.0 – rangiert derweil auf den hinteren Plätzen.

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