Piepenstock
Am Standort Lutherstraße kann und will das Autohaus Piepenstock nicht bleiben. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Im Oktober war Dr. Michael Piepenstock noch „stolz und glücklich“. Nach langer Suche hatte er endlich das Grundstücksgeschäft unter Dach und Fach gebracht, das dem Lüdenscheider Traditions-Autohaus Piepenstock den erfolgreichen Weg in die Zukunft ebnen sollte. Inzwischen ist die gute Stimmung bei dem Unternehmer verflogen. Die Stadt Lüdenscheid will ihr Vorkaufsrecht für das Gelände an der Wiesenstraße (zwischen Gartencenter Kremer und Novelis) geltend machen. Möglichweise wird sie es Michael Piepenstock wieder abkaufen. Dann stünde der Unternehmer wieder am Anfang der Suche nach einem neuen Standort für sein Autohaus an der Lutherstraße.

Komplizierte Lage

Die Lage ist kompliziert. Dr. Michael Piepenstock muss sich vom Standort Lutherstraße lösen. Hier verteilt sich der Betrieb des Autohauses über drei Ebenen, es ist von Straßen eingekesselt. Aus Sicht des Unternehmers ist das kein zukunftssicherer Standort. Mehr noch: „Sollten wir zum Jahreswechsel 2017/18 kein neues, großzügiges Grundstück vorweisen, auf dem wir zeitnah die VW-Nutzfahrzeuge Servicestandards umsetzen können, verlieren wir mit sofortiger Wirkung den Vertriebs- und Servicevertrag“, fürchtet Dr. Michael Piepenstock.

Zudem habe VW wegen der beengten Verhältnisse die Aufnahme der Marke SEAT untersagt. Erschwerend komme hinzu, dass die VW-Händlerverträge im ersten Quartal 2018 gekündigt werden. „Fraglich ist, ob wir ohne Standortperspektiven überhaupt einen Neuen angeboten bekommen werden.“ All diese Sorgen hätte der Unternehmer nicht, wenn er an der Wiesenstraße neu bauen könnte.

Seit 1907 ist das Unternehmen in der Lutherstraße ansässig. 1887 wurde es als Huf- und Wagenschmiede in Hülscheid gegründet.

Das Problem

Das Problem: Aus Sicht von Stadt und Feuerwehr eignet sich das Grundstück nach der Überprüfung zahlreiche Alternativen ideal für die Ansiedlung der neuen Feuer- und Rettungswache. Eine Satzung über das Vorkaufsrecht ist bereits verabschiedet. Jetzt muss der Rat zwischen öffentlichem und privatem Interesse abwägen. Die Stadt beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit dem Thema Neubau. Der Grund: Ein Gutachten hat gravierende Mängel zutage gefördert, die eine Sanierung im Altbestand ausschließen.

Dr. Michael Piepenstock fragt sich, warum ausgerechnet jetzt der dringliche Handlungsbedarf auftaucht. Die Mängel an der derzeitigen Feuer- und Rettungswache seien ja schon lange bekannt gewesen.

Alternativvorschlag

Er schlägt der Stadt vor, an der Wiesenstraße eine andere Option zu ziehen. Hier stünden die Firmen Markes und Kostal zum Verkauf. „Die Stadt kann sie doch kaufen und bis zur späteren Nutzung vermieten.“ Bekanntlich solle der Neubau der neuen Feuer- und Rettungswache frühestens in sechs bis acht Jahren erfolgen. „Und wer weiß, was sich bis dahin wieder alles ändert.“ So lange dürfe aber ein Grundstück, das sein Unternehmen dringend brauche, nicht brachliegen.

“Komme mir vor wie ein Bittsteller”

Aus seiner Enttäuschung macht Dr. Michael Piepenstock keinen Hehl. „Eigentlich hatte ich erwartet, dass mir der Bürgermeister zum erfolgreichen Abschluss der langen Grundstückssuche gratuliert“, sagt er. Stattdessen komme er sich jetzt vor wie ein Bittsteller.

Immer kooperationsbereit

Im Gespräch mit der TACH!-Redaktion erinnerte er an seine Kooperationsbereitschaft in der Vergangenheit. So habe er der Stadt Lüdenscheid 2008/09 sein Grundstück Lutherstraße 5 und 7 verkauft, damit das Kunststoff-Institut dem EGC als Ankermieter erhalten bleiben und ein Neubau mit dringend benötigten Parkplätzen geschaffen werden konnte. „Dafür haben wir die VW-Nutzfahrzeuge-Werkstatt zum Fuhrpark ausgelagert, was VW ab Januar 2018 nicht mehr duldet. Damals sei ihm von der Stadt zugesichert worden, dass sie ihn bei der Grundstückssuche unterstützen werde. „Anderenfalls hätte ich die knapp 3000 Quadratmeter nicht abgegeben.“

Im Juni 2006 wurde der Audi Pavillon Piepenstock an der Nottenbohmstraße eröffnet. Foto: privat

Wie geht es weiter?

Dass ein Grundstückskauf an der Heedfelder Straße (ehemaliges Gartencenter Cordt) an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert sei, weist Dr. Michael Piepenstock zurück. „Der Eigentümer wollte einfach nicht verkaufen.“

Wie geht es weiter? Am Montag wird der Hauptausschuss nochmals nichtöffentlich über die Frage beraten, ob die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht an der Wiesenstraße Gebrauch machen soll. Am gleichen Tag fällt dann die Entscheidung im Rat.

Dr. Michael Piepenstock will auf keinen Fall kampflos aufgeben. „Das bin ich sowohl unserem Familienunternehmen, den Gesellschaftern als auch unseren Mitarbeitern schuldig, die mir tagtäglich ihre Arbeitskraft und das Vertrauen schenken.“ Außerdem: „Ich habe richtig Bock drauf, unser Familienunternehmen mit Erfolg an die fünfte Generation zu übergeben.“

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