Radprax-Krankenhaus Plettenberg Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Nun ist es offiziell: Der Rat hat in seiner Sondersitzung am Dienstag (29. August) den Weg frei gemacht für den Verkauf der städtischen Krankenhausanteile an die Radprax-Gruppe. Die Zustimmung wurde im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung einstimmig beschlossen.

Krankenhaus-Geschäftsführer Andreas Martin beantwortete Fragen zur Jahresbilanz 2016 und zu den Zukunftsplänen der Radprax-Gruppe für das Plettenberger Krankenhaus. Foto: Bernhard Schlütter

Zuvor war im öffentlichen Teil der Jahresabschluss 2016 der Krankenhaus Plettenberg gGmbH Thema. Andreas Martin, seit Dezember 2016 Geschäftsführer, erläuterte die Gründe für den Jahresabschluss mit einem Minus von rund 1,7 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 642.000 Euro auf die gescheiterte Kooperation mit dem Altenaer Krankenhaus. Dort waren vom Krankenhaus Plettenberg medizinische Leistungen und Sachleistungen erbracht worden, die nach der Insolvenz der als Krankenhausträger eingestiegenen Lenne-Kliniken GmbH nicht bezahlt wurden.

Den Ausgleich des Bilanzverlustes im Jahr 2016 teilen sich die Mendritzki-Stiftung und die Stadt Plettenberg zu jeweils rund 50 Prozent. Einstimmig beschloss der Rat, den Jahresabschkuss 2016 wie vorgelegt festzustellen und den Geschäftsführern Barbara Teichmann und Andreas Martin Entlastung zu erteilen.

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Jahresabschluss und Lagebericht können hier nachgelesen werden.

Förderverein hat eine Zukunft

Auf Frage von Uwe Meister (CDU) erläuterte Andreas Martin, dass sowohl der Förderverein des Krankenhauses als auch die Mendritzki-Stiftung die Einrichtung auch zukünftig unterstützen könnten. „Die ‚Die Med GmbH‘ wird den Betrieb des Krankenhauses übernehmen. Das Seniorenzentrum und die Immobilien sollen gemeinnützige GmbH bleiben. Wir lassen das derzeit rechtlich prüfen und es sieht ganz gut aus.“ Folglich könnte z.B. das Seniorenzentrum durch Spenden und Stiftungen unterstützt werden. „Und dadurch würde dann auch das Krankenhaus entlastet“, fügte Ulrich Schulte hinzu.

Kooperationen angestrebt

Jürgen Beine (SPD) wollte wissen, wie sich der zukünftige Träger Kooperationen mit anderen Krankenhäusern vorstelle. Das erklärte Andreas Martin am Beispiel eines Schlaganfallpatienten. Es sei geplant über das Radprax-MVZ Arnsberg neue MRT- und CT-Geräte im Plettenberger Krankenhaus zu installieren. Damit könnten bildliche Darstellungen in Sekundenschnelle zur Stroke Unit im Klinikum Lüdenscheid übermittelt werden. Bei entsprechender Diagnose der Lüdenscheider Spezialisten könnten Sofortmaßnahmen schon während des Transports durchgeführt werden. „Nach der Akutbehandlung in Lüdenscheid bekommen wir den Patienten wieder zurück, denn den Rest können wir selbst“, so Martin.

Kein Personalabbau

Einige Mitarbeiter/-innen aus dem Krankenhaus verfolgten interessiert die Ratssitzung. Foto: Bernhard Schlütter

Er betonte erneut, dass kein Personalabbau stattfinden werde. „Wir wollen und müssen mehr Leistungen erbringen und dafür brauchen wir unser gutes Personal.“ Ein Krankenhaus dieser Größe werde nie einen Riesengewinn abwerfen, aber es sei das Ziel, eine ausgeglichene Bilanz zu erreichen. „Und das schaffen wir auch!“, ist Martin ganz sicher.

Für die nahe Zukunft (voraussichtlich 2018) kündigte er die Erneuerung der OP-Säle an. Dies werde im laufenden Betrieb erfolgen und müsse daher gut vorbereitet werden. Mit dem Baubeginn für das neue Seniorenzentrum rechnet Martin im Zeitraum zwischen 2018 und 2020.

Gemeinsame Erklärung der Ratsfraktionen

Weil der eigentliche Verkauf der Krankenhausanteile und die Diskussion über Vertragsdetails im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung stattfinden mussten, hatten sich die Ratsfraktionen (SPD, CDU, PWG und FDP) im Vorfeld auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt, die Bürgermeister Ulrich Schulte im öffentlichen Sitzungsteil verlas:

„Heute hat der Rat der Stadt Plettenberg eine wesentliche und sehr bedeutende Entscheidung zu treffen: den Verkauf der Krankenhausanteile an die Radprax-Gruppe.

Dieser Entschluss ist hier keinem Ratsvertreter der Fraktionen von SPD, CDU, PWG und FDP einfach gefallen. Aber er ist unabdingbar.

Aufgrund des bereits vollzogenen Verkaufs der Anteile der Mendritzki-Stiftung an Radprax im letzten Jahr ist die Stadt Plettenberg nun unter Zugzwang gekommen und musste auch entscheiden, wie es weiter gehen kann.

Es ist bekannt, dass die generelle Situation für Krankenhäuser im ländlichen Raum aufgrund der bundespolitischen Beschlüsse sehr schwierig geworden ist. Das hat dazu geführt, dass diese Krankenhäuser sich nicht mehr selbst tragen können. Ohne einen starken finanziellen Partner können die Krankenhäuser am Markt nicht mehr auf Dauer Bestand haben.

Im Jahr 2016 hat das Krankenhaus einen Verlust von über 1,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Natürlich war das insbesondere durch die Abschreibung der Forderungen an das Krankenhaus in Altena ein ziemlich hoher Verlust, der als außergewöhnlich zu bezeichnen ist.

Fakt ist aber auch: Das Krankenhaus in Plettenberg hat mindestens in den letzten 10 Jahren nur Verluste erwirtschaftet. Die finanzielle Decke der Stadt Plettenberg ist nicht stark genug, auf Dauer diese Verluste auszugleichen – insbesondere dann nicht, wenn der Partner, der die 50-prozentigen Verluste getragen hat, nicht mehr verfügbar ist.

Für uns alle war es wichtig, dass dann, wenn ein Verkauf in Frage kommen muss, wir die Überzeugung haben, dass der Käufer mehrere Grundbedingungen zu erfüllen hat.

Insbesondere das Gefühl zu haben, dass durch den Verkauf nicht die handelnden Personen (die Ärzte und das Pflegepersonal) das Krankenhaus in Plettenberg verlassen und mit dem Verkauf auch eine Bestandsverpflichtung für die nächsten Jahre in Plettenberg eintritt – das war uns wichtig.

Mit Radprax, sind wir der Ansicht, sind diese Bedingungen erfüllt. Genau das sind wir uns und allen Bürgern schuldig. Was wir nicht mehr leisten können, kann Radprax erledigen.

Wir glauben damit alles Richtige für die Stadt und dem Wohl des Krankenhauses und der Mitarbeiter getan zu haben.“

Medieninformation per E-Mail

Im Anschluss an die Ratssitzung informierte Bürgermeister Ulrich Schulte dann die Medien per E-Mail: „Der Rat der Stadt Plettenberg hat im nichtöffentlichen Teil der heutigen Sitzung der Übertragung der Anteile an der Krankenhaus Plettenberg gGmbH zugestimmt. Das Ergebnis war einstimmig.“

Marita Sievers rückte für Heike Schwab als Ratsmitglied in der PWG-Fraktion nach. Foto: Bernhard Schlütter

 

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