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Für eine Übergangszeit von etwa einem Jahr soll die Bonifatius-KIrche im Oestertal zur Kita für Holthauser Kinder werden. Foto: Bernhard Schlütter


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Plettenberg. Der Umbau der Vier-Täler-Schule dauert mindestens ein Jahr länger als geplant. Das hat vor allem Auswirkungen auf die Holthauser Kindergartenkinder. Ein Teil von ihnen muss in dieser Zeit in andere Räume ausweichen. Die Stadtverwaltung hat dafür die ehemalige St.-Bonifatius-Kirche im Oestertal ins Auge gefasst. Doch dies stößt auf Widerstand bei vielen Eltern.

Zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch (10. Juni) im Saal des Jugendzentrums Alte Feuerwache waren etwa 20 Mütter und Väter von Holthauser Kindergartenkindern gekommen. Bürgermeister Ulrich Schulte und Jugendamtsleiter Michael Schröder berichteten über den Sachstand beim Umbau des Schulgebäudes auf der Lied. Ein paar Tage zuvor waren die Eltern per Brief informiert worden.

Das 2,4-Millionen-Euro-Projekt des Umbaus der Vier-Täler-Schule sei der Stadtverwaltung „komplett um die Ohren geflogen“, schilderte Ulrich Schulte unverblümt. Was ist passiert?



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Der nach der Auflösung der Vier-Täler-Schule teilweise leerstehende Gebäudekomplex sollte zu einem multifunktionellen Gebäude umgebaut und Standort für die Offene Ganztagsschule, die Volkshochschule, das Stadtarchiv und die aus bisher zwei Standorten zu einem zusammengelegte Kindertagesstätte werden. Ziel war es, die Kita im Sommer 2020 in Betrieb zu nehmen.

Externer Architekt entdeckt Mängel

Ein Teil des roten Gebäudeteils der Vier-Täler-Schule wird abgerissen. Das dient dem Brandschutz. Foto: Bernhard Schlütter

Die Planung und Bauleitung für den Umbau sollte von der Stadtverwaltung mit eigenem Personal durchgeführt werden. Dabei wurde davon ausgegangen, dass das bis dato als Schule genutzte Gebäude den geltenden Sicherheitsstandards entspräche. Durch einen Krankheitsfall im Dezember wurde aber die Beauftragung eines externen Architekten notwendig. Dieser überprüfte das Gebäude von Grund auf und stellte dabei fest, dass der Gebäudezustand nicht mehr der Baugenehmigung entspricht, für ein aufgesetztes Spitzdach Statik und Genehmigung bezüglich Brandschutz fehlen und einige Fluchtwege so nicht zulässig sind. Ulrich Schulte betonte, dass die Brandschutzmängel keine erhöhte Gefahr für die Menschen im Gebäude bedeuteten, aber im Falle eines Brandes das Gebäude mit großer Wahrscheinlichkeit komplett zerstört werden würde.

Kosten bleiben gleich

In der Konsequenz führt dies alles dazu, dass die Umbaumaßnahmen weit tiefgreifender erfolgen müssen, die Fertigstellung sich um 11 bis 12 Monate verschiebt und für die Bauzeit der Auszug der Kita erforderlich ist. Die Volkshochschule ist bereits wieder ausgezogen. Für das Stadtarchiv muss mittelfristig ein neues Domizil gesucht werden. Die Kosten bleiben dagegen unverändert bei 2,4 Millionen Euro.

„Auf der Suche nach einer Zwischenlösung für die Kita sind wir in Holthausen nicht fündig geworden, mussten die Kreise immer größer ziehen und sind schließlich auf die St.-Bonifatius-KIrche gestoßen“, berichtete Michael Schröder im Jugendhilfeausschuss. 40 Kinder aus den jetzt noch zwei Holthauser Kitas und die ab Sommer 2020 neue zehnköpfig U-3-Gruppe sollen dort übergangsweise betreut werden.

Härtefälle vermeiden

Wohl wissend, dass die tägliche Fahrt von Holthausen ins Oestertal für Kinder und Eltern eine hohe Belastung bedeutet, sieht Michael Schröder darin die unter den Umständen am besten geeignete Lösung. „Die Räume lassen sich mit relativ wenig Aufwand umbauen, direkt am Gebäude stehen Spielflächen zur Verfügung. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Sportplatz, die Grundschule und eine weitere Kita“, zählte er Vorteile auf. Auch die Erzieherinnen seien sicher, dass dort sehr gute Bedingungen für die Kinder geschaffen werden können und diese später stolz von ihrer coolen Kindergartenzeit in einer ehemaligen Kirche erzählen würden. Die Erzieherinnen würden darauf achten, dass Härtefälle vermieden werden und z.B. Geschwisterkinder nicht auseinandergerissen würden. Eine ebenfalls in Erwägung gezogene Lösung mit Containern sei aus Platz- und Kostengründen verworfen worden, so Michael Schröder.

Der Haupt- und Finanzausschuss hatte am 26. Mai die Stadtverwaltung beauftragt, mit der katholischen Pfarrei St. Laurentius über den Kauf des vor Jahren säkularisierten Kirchengebäudes zu verhandeln. Diese habe Interesse am Verkauf geäußert, berichtete Ulrich Schulte. Für die Stadt ist ein weiterer Vorteil, dass nach der Rückkehr der Kinder nach Holthausen im Sommer 2021 das Stadtarchiv ins Kirchengebäude einziehen könnte.

Viele offene Fragen

Zahlreiche Bürger*innen verfolgten die Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Jugendzentrum Alte Feuerwache. Foto: Bernhard Schlütter

Ausnahmsweise wurde in der Jugendhilfeausschusssitzung die zweite Einwohnerfragestunde vom Ende des öffentlichen Teils direkt hinter den Tagesordnungspunkt „Umbau der Vier-Täler-Schule“ verschoben. So hatten die erschienenen Bürger/innen Gelegenheit, ihre Fragen zum Sachverhalt zu stellen und derer hatten sie viele. Sie brachten auch Alternativen ins Gespräch: die Martin-Luther-Kirche, ein Waldkindergarten in Holthausen, Räume der ELKG Holthausen.

Ulrich Schulte und Michael Schröder kündigten an, dass noch vor den Sommerferien ein Elternabend stattfinde, bei dem die offenen Fragen geklärt werden sollen.

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