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Lüdenscheid. Das Thema Digitalisierung ist auch eine Sache der Kommunen. Sie müssen sich daran beteiligen, die politischen Rahmenbedingungen für die zu erwartenden Veränderungen durch die Digitalisierung zu setzen. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand des SPD-Stadtverbandes einen Antrag verabschiedet, mit dem sich die SPD-Fraktion nach den Sommerferien befassen und ihn anschließend in den Rat einbringen soll.
Für den SPD-Stadtverband ist klar: Lüdenscheid soll Standort für viele Industriearbeitsplätze bleiben – und zwar für alle, egal welche Schulbildungswege sie durchlaufen haben. “Hier stehen die Unternehmen sicherlich in der Pflicht, sich frühzeitig um Weiterbildung und zumindest in Teilen der Automobilzulieferindustrie eine Veränderung der Produktpalette zu bemühen”, sagt SPD-Stadtverbandsvorsitzender Fabian Ferber.
Politik und Verwaltung müssten vor Ort die Rahmenbedingungen für Gewerbeflächen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Vernetzung schaffen. “Da die Erde sich auch ohne unser Zutun weiter dreht, sollten wir so schnell wie möglich beginnen, die Digitalisierung auch im kommunalpolitischen Rahmen zu begleiten und die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen”, betont er.
Deshalb soll die Ratsfraktion den Antrag mit dem Titel “Digitalisierung kommunal begleiten” den Antrag beschließen und ihn an den Rat weiterleiten. Der Rat soll anschließend über folgende acht Punkte einen Beschluss fassen.
  • Die Stadtverwaltung wird beauftragt, den durch Digitalisierungsprozesse zu erwartenden Verlust von Arbeitsplätzen zu ermitteln. Dabei soll auch erörtert werden, welche Berufsbilder und Personen mit welchem Schulabschluss besonders betroffen sein könnten. Insbesondere soll hier das produzierende Gewerbe in Lüdenscheid untersucht werden. Gleichzeitig soll auch dargestellt werden, wie viele Arbeitsplätze durch Digitalisierungsprozesse neu entstehen könnten und welche Berufsbilder und Qualifikationen hier besonders betroffen sein könnten. Hierbei sollen Stellungnahmen der Kammern, der Sozialpartner sowie der Agentur für Arbeit im Märkischen Kreis eingeholt werden.
  • Die Stadtverwaltung wird beauftragt, den durch Digitalisierungsprozesse ausgelösten Weiterbildungsbedarf in Lüdenscheider Unternehmen zu ermitteln. Dabei soll auch erörtert werden, ob dieser Weiterbildungsbedarf in den Betrieben beziehungsweise in den vorhandenen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung vor Ort gedeckt werden könne. Bei der Ermittlung des Bedarfs sollen auch Einschätzungen der örtlichen Sozialpartner, der Kammern und der vor Ort für Aus- und Weiterbildung zuständigen Einrichtungen einbezogen werden.
  • Die Stadtverwaltung wird beauftragt, Einrichtungen und Unternehmen in Lüdenscheid aufzulisten, deren Einrichtungs- beziehungsweise Unternehmenszweck vor allem die berufliche Aus- und Weiterbildung ist. Es soll ermittelt werden, ob diese Einrichtungen aus eigener Sicht beziehungsweise aus Sicht der Kammern sowie der Sozialpartner für den zu erwartenden erhöhten Bedarf an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Digitalisierung ausreichend ausgestattet sind und wo gegebenenfalls Defizite vorliegen.
  • Die Berufsbildungsausschüsse der Kammern widmen sich zumindest teilweise der Neugestaltung von Berufsbildern. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, darzustellen, welche Berufsbilder durch Digitalisierungsprozesse wegfallen könnten beziehungsweise welcher Ausbildungsbedarf in welchen Berufen durch Digitalisierungsprozesse zurückgehen könnte. Außerdem soll ermittelt werden, welche Berufe neu entstehen werden. Diese Ermittlungen sollen mit den bereitgestellten Ausbildungsplätzen in den vergangenen drei Jahren, im laufenden Jahr sowie in den kommenden drei Jahren verglichen werden.
  • Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die kommunalen Möglichkeiten zur Unterstützung von Maßnahmen zum Erhalt beziehungsweise zum Aufbau von Arbeitsplätzen aufzuzeigen. Dabei soll auch berücksichtigt werden, wie die Stadt insbesondere für Menschen attraktiver werden könnte, die für eine neue Arbeitsstelle nach Lüdenscheid kommen könnten (insbesondere in digitalisierungsnahen Berufen). Insbesondere sollen die Möglichkeiten zur Unterstützung durch die Wirtschafsförderung, das Stadtmarketing und für die Volkshochschule aufgezeigt werden.
  • Die Stadtverwaltung wird um Einschätzung gebeten, ob Veränderungen der gewerblichen Produktion insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der daraus folgenden zunehmenden Automatisierung auch einen veränderten Gewerbeflächenbedarf hervorrufen könnten.
  • Die Stadtverwaltung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule die Möglichkeiten zur Initiierung eines Bildungsnetzwerks digitale Aus- und Weiterbildung für Lüdenscheid und die Region aufzubauen.
  • Die Stadtverwaltung wird, beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule eine Diskussionsreihe „Digitalisierung in Lüdenscheid“ ins Leben zu rufen. Diese Diskussionsreihe soll den Rahmen bieten, die Veränderungen des Alltags durch Digitalisierung vorzustellen, dabei sollen Chancen und Risiken der Digitalisierung in den jeweiligen Themenfeldern auch aufgezeigt werden. Insbesondere sollen hierbei die Themenfelder „Arbeit und Wirtschaft 4.0“, „Digitales Lernen“, „Digitale Verwaltung“, „Digitale und vernetzte Stadt“ sowie „Digitalisierung und Medienkonsum“ behandelt werden. Schwerpunkt sollen die in Punkt 1 bis 7 genannten Themen sein. Dabei sollen auch die örtlichen Akteure eingebunden werden, zum Beispiel die Sozialpartner zum Themenfeld „Arbeit und Wirtschaft 4.0“.

 

 

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