Eine berufliche Ausbildung ist ein guter Start ins Berufsleben. Foto: Arbeitsagentur

Märkischer Kreis. Zwischenbilanz: Nach sechs Monaten im Berufsberatungsjahr 2020/21 liegen der Iserlohner Arbeitsagentur erste Zahlen zur Situation am regionalen Ausbildungsmarkt vor. Gemeinsam ziehen die Partner eine Zwischenbilanz: Der deutliche Rückgang an Bewerbern und Ausbildungsstellen ist alarmiernd; es gibt aber noch gute Chancen auf beiden Seiten, in diesem Jahr zusammenzufinden.

Seit Oktober 2020 sind der Agentur für Arbeit Iserlohn für das laufende Ausbildungsjahr insgesamt 1.956 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Demgegenüber stehen 1.840 Bewerberinnen und Bewerber, die sich seit Oktober 2020 an die Berufsberatung der Iserlohner Arbeitsagentur gewandt haben und eine Ausbildungsstelle suchen. Sandra Pawlas, Chefin der Iserlohner Arbeitsagentur, erklärt: „Wir sehen in den aktuellen Zahlen deutliche Auswirkungen der Corona Pandemie. Die Situation im Kreis ist ernst: Wir verzeichnen sowohl einen deutlichen Rückgang von gut 16 Prozent bei Bewerberinnen und Bewerbern als auch rund 17 Prozent weniger Ausbildungsstellen. Das ist alarmierend.“

Digitale Angebote

Seit Beginn der Pandemie spüre man bei Jugendlichen und Arbeitgebern eine deutliche Verunsicherung. „Viele Betriebe befinden sich aktuell in Kurzarbeit und können noch nicht absehen, wie sich die Auftragslage in den kommenden Monaten entwickeln wird. Daher zögern sie bei der Meldung offener Ausbildungsangebote. Jungen Menschen fehlen vielfach Praktika und klassische Berufsorientierungsangebote in den Schulen, um sich für einen Ausbildungsberuf zu entscheiden“, ergänzt Pawlas.

Zurzeit suchen 981 junge Frauen und Männer nach einer Ausbildungsstelle, gleichzeitig gibt es noch 1.291 offene Ausbildungsplätze. „Das zeigt, es ist viel möglich. Uns werden weiterhin neue Ausbildungsstellen gemeldet und auch Jugendliche kommen auf uns zu. In den verbleibenden Monaten geht es darum, beide Seiten zusammenzubringen“, erklärt Pawlas. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt zeige, Fachkräfte werden dringender gebraucht denn je. „Es ist wichtig, sich jetzt seinen Nachwuchs zu sichern, denn es wird auch eine Zeit nach der Pandemie geben. Wir haben zum Beispiel durch das Bundesprogramm sowie die Einstiegsqualifizierung Möglichkeiten, um Arbeitgeber auch finanziell zu unterstützen.“

In Richtung der Jugendlichen appelliert Pawlas: „Bewerbt euch jetzt für einen Ausbildungsplatz! Wir unterstützen euch mit passenden Ausbildungsstellen und beraten auch zu möglichen Alternativen.“ Dazu hat die Arbeitsagentur ihre Kommunikationsmöglichkeiten ausgebaut und bietet Jugendlichen verstärkt Berufsberatung im Videochat an.

Die Ausbildungsmarktpartner vor Ort gestalten in diesem Jahr gemeinsam eine Vielzahl an Angeboten, um Jugendlichen und Arbeitgebern auch in Zeiten von Distanzunterricht und Kontaktbeschränkungen eine Ausbildungsperspektive zu geben. Beispielsweise findet am 6. Mai die 2. Digitale Ausbildungsmesse der Region statt.

Chancen im Handwerk

Die zurückliegenden Monate der Pandemie haben deutlich gemacht, wie bedeutsam das Handwerk mit seinen rund 130 Ausbildungsberufen ist und einen unersetzbaren Beitrag zur Grundversorgung sowie Aufrechterhaltung der zentralen Infrastruktur leistet. „Wir suchen heute junge Menschen, die auch morgen als Meister und selbstständige Handwerker diese wichtige Aufgabe erfüllen wollen. Eine fundierte Ausbildung, Interesse, Freude und Engagement sind die Voraussetzung, um Erfolg im Handwerk zu haben und persönlich Karriere zu machen“, so der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK, Dirk H. Jedan. „Die Leistungsfähigkeit des Handwerks basiert auf einem Dreiklang aus qualifizierter Ausbildung im Betrieb, in der Schule und in der überbetrieblichen Bildungsstätte. Trotz dieser vielen Möglichkeiten und Chancen, bleibt auch für das Handwerk augenblicklich festzustellen, dass viele Betriebe keinen Nachwuchs finden. Das liegt nicht an dem mangelnden Engagement der Unternehmer und den beruflichen Chancen. Vielmehr brauchen wir eine größere Aufmerksamkeit und ein besseres Image für die duale Ausbildung. Sie versorgt unsere Gesellschaft mit den Fachkräften von morgen. Eine Qualifizierung, um die uns die ganze Welt beneidet.“ Jedan: „Handwerk hat nach wie vor goldenen Boden. Es basiert auf individuelle Fähigkeiten, bietet vielfältige Erfolgsmöglichkeiten, ist nachhaltig und heimatbezogen. Werte, die für viele jungen Menschen von großer Wichtigkeit sind.“

„Die Unternehmen der M+E-Industrie blicken bereits über die Corona-Krise hinaus. Das sollten Bewerber auch tun. Das Thema Fachkräftemangel bleibt ein Thema. Daher haben viele Betriebe auch in der Pandemie an der Dualen Ausbildung festgehalten. Es bleibt dabei: Die M+E-Industrie bietet gut bezahlte, technisch anspruchsvolle, heimatnahe Ausbildungsplätze. Auch wenn es momentan beispielsweise schwer ist, Praktikumsplätze zu bekommen – an der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ändert das nichts. Die M+E-Industrie freut sich zum Ausbildungsbeginn im Herbst auf Bewerber. Ich lade die jungen Leute ein: Starten Sie dann mit uns in den Aufschwung nach der Krise“, erklärt Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes.

Es droht eine verlorene Generation

„Heute die Chancen für morgen nutzen! Eine berufliche Ausbildung ist unverändert ein hervorragender Start ins Berufsleben“, so Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Lüdenscheid e.V. (AGV). „Gerade die vielen leistungsstarken Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie in der Region bieten Ausbildungsplätze mit sehr guten Zukunftsperspektiven an.“ Dies gelte vor allem für die gewerblich-technische Ausbildung. Leistungsstarke Fachkräfte im MINT-Bereich seien das Fundament für wirtschaftlichen Erfolg in der Zukunft. „Unbestritten ist die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt Corona-bedingt kompliziert und das sogenannte „Matching“ eine Herausforderung, d.h. die zueinander passenden Jugendlichen und Betriebe zusammenzubringen“, räumt Lepping ein. Jugendliche, Eltern und Schulen müssten unter diesen Bedingungen bei der Ausbildungsplatzsuche besonders unterstützt werden und seien eingeladen, die bestehenden, zum Teil auch neuen digitalen Informationsangebote zur Berufsausbildung zu nutzen.

Das Jobcenter Märkischer Kreis betreut aktuell 418 Ausbildungsplatzbewerber/innen, das sind 3 weniger als im Vorjahreszeitraum. Jobcentergeschäftsführer Volker Riecke betont: „Gerade in der aktuellen Situation ist es besonders wichtig, die jungen Menschen bei der Ausbildungsplatzsuche intensiv zu beraten und zu unterstützen.“ Dabei ist es den Jobcentermitarbeitern wichtig, einer verbreitet festzustellenden allgemeinen Verunsicherung und Informationsdefiziten hinsichtlich möglicher Zielberufe mit vielfältigen Informationsangeboten entgegenzuwirken.

Stefan Marx, Regionsgeschäftsführer DGB Region Ruhr-Mark, erklärt: „Die Lage auf dem märkischen Ausbildungsmarkt ist verheerend. Die positive Relation von Ausbildungsstellen zu Bewerbern darf nicht darüber hinwegtäuschen: Jugendlichen im Märkischen Kreis fehlt eine Perspektive, wenn fast ein Fünftel der Ausbildungsplätze wegfallen. Hinzu kommt, dass die Akteure die Jugendlichen kaum noch erreichen – viele verschwinden quasi aus dem System. Die Zahl der Ausbildungsplätze muss dauerhaft auf das Vorkrisenniveau steigen; unversorgte Jugendlichen müssen gezielter angesprochen werden. Gelingt das nicht droht eine verlorene Generation.“

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