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Vertreterinnen Hagener Institutionen laden am 10. Oktober zur Informationsveranstaltung in die Buchhandlung Thalia ein. Foto: Stadt Hagen

Hagen. Familienplanung ist ein Menschenrecht. Leider können Frauen und Familien mit wenig Geld dieses Menschenrecht oft nicht umsetzen. Daher verhüten Frauen aufgrund finanzieller Notlagen häufig unregelmäßig oder gar nicht. Weil aufgrund des geringen Einkommens Geld fehlt, ist es nicht allen Hagener Frauen möglich, eine empfohlene langfristige Verhütung selbst zu finanzieren. Das ist Grund genug für eine Initiative des Netzwerkes der Hagener Frauengruppen und der Hagener Schwangerenberatungsstellen, die in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt, um auf die Problemlagen dieser Frauen und Familien aufmerksam zu machen. Dazu findet am Donnerstag, 10. Oktober, von 12 bis 18 Uhr eine  Informationsveranstaltung zum Thema „Selbstbestimmt verhüten?! – Hagener Frauen brauchen Ihre Unterstützung“ in den Räumen von Thalia Hagen statt.

Viele können das Geld nicht aufbringen

Zum Hintergrund dieser Aktion: Auch in Hagen können sich viele Frauen eine sichere langfristige Verhütung nicht leisten. Hohe einmalige Kosten von bis zu 380 Euro für eine Spirale können das Budget von Frauen mit geringem Einkommen deutlich überschreiten. Diese Erfahrungen machen die Beraterinnen in den Schwangerenberatungsstellen immer wieder. Für Hartz IV-Empfängerinnen wird der „Regelbedarf Gesundheitspflege“ für alle medizinischen, pharmazeutischen Erzeugnisse und therapeutischen Mittel mit 16,11 Euro monatlich angesetzt.

Zwei Jahre sparen . . .

Das bedeutet, dass dieser gesamte Betrag über zwei Jahre angespart werden müsste, um zum Beispiel eine Hormonspirale zu finanzieren. Gleichzeitig stünde dann über zwei Jahre kein Geld für anderen Bedarf wie Heftpflaster, Salben oder Erkältungsmittel, die selbst bezahlt werden müssen, zur Verfügung. Dies macht deutlich, wie unrealistisch bis unmöglich es für Frauen mit geringem Einkommen ist, ein Langzeitverhütungsmittel zu finanzieren.



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Heftige Konsequenzen

Ein Beispiel: Die vierköpfige Familie A. aus Hagen bemüht sich immer wieder, Geld für die Kupferspirale zusammen zu sparen. Doch regelmäßig stehen ungeplante Ausgaben für die Kinder an, die dringlicher erscheinen und für die das Geld eingesetzt wird (z.B. Schuhe, Schulbedarf etc.). Wird eine Frau dann ungeplant schwanger, weil sie entweder weniger sichere Verhütung verwendet oder gar nicht genutzt hat, so hat dieses je nach der individuellen Situation viele Konsequenzen: Berufswege können aufgrund der neuen Mutterschaft nicht weiter verfolgt, die eigenen Ansprüche bei der Versorgung und Erziehung der Kinder können nicht mehr erfüllt werden oder es kommt zu einem vermeidbar gewesenen Schwangerschaftsabbruch.

Zahl müsste nicht so hoch sein

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind 18% aller Schwangerschaften ungewollt. In Hagen fanden 2018 etwa 450 Schwangerschaftskonfliktberatungen statt. Diese Zahl müsste nicht so hoch sein. In benachbarten Kommunen wie Bochum, Dortmund oder dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es aufgrund politischer Beschlüsse öffentliche Gelder, die Frauen und Familien finanziell unterstützen. Dazu wurden sogenannte Verhütungsmittelfonds eingerichtet, aus denen Frauen mit einem geringen Einkommen oder Empfängerinnen von Sozialleistungen langfristige Verhütungsmittel finanziert werden. Dieser Weg wurde in Hagen auch verfolgt – bisher ohne Erfolg.

Verhütungsfonds soll erweitert werden

Bisher existiert leider auch keine bundesweite Lösung. Das Netzwerk Hagener Frauengruppen, ein kommunales Bündnis bestehend aus Beratungsstellen, Vereinen, Kirchengemeinden und konfessionellen Einrichtungen, Parteien sowie der Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen, strebt eine Lösung zur Kostenübernahme verschreibungspflichtiger Verhütungsmittel für Frauen an, die Empfängerinnen von Sozialleistungen sind oder nachweislich über ein geringes Einkommen verfügen. Seit 2007 bemühen sich die Hagener Schwangerschaftsberatungsstellen regelmäßig um eine solche Lösung für die Hagener Bürgerinnen. Als Zwischenlösung wurde 2016 ein aus Spenden finanzierter Verhütungsfonds in der Schwangerenberatungsstelle der AWO eingerichtet. In einem Jahr standen zur Unterstützung 1.300 Euro bereit. 30 Frauen haben nach Unterstützung gefragt, 1.270 Euro wurden zehn Frauen zugesagt. Mit Unterstützung des Netzwerkes Hagener Frauengruppen soll der Verhütungsfonds erweitert werden.

Die eingenommenen Gelder werden zu gleichen Anteilen den Klientinnen der Evangelischen Beratungsstelle SichtWeise, donum vitae e.V. und der AWO Schwangerenberatungsstelle zur Verfügung gestellt. Spenden zu diesem Zweck können auf das Konto der AWO Hagen bei der Sparkasse Hagen/Herdecke IBAN: DE 63 4505 0001 0100 0121 40 BIC: WELADE3HXXX unter Angabe des Kennwortes „Verhütungsfonds“ überwiesen werden. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

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