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An vielen Häusern in Plettenberg wehten die Fahne der Schützenvereine. Fotocollage: Facebook-Seite der PSG

Plettenberg. Während der Osterfeiertage wehten an zahlreichen Häusern in Plettenberg Schützenfahnen. Mitglieder aller sechs Plettenberger Schützenvereine folgten damit einem Aufruf, der über Internet, soziale Medien und Nachrichten-Apps verbreitet worden war und nicht nur in der Vier-Täler-Stadt ein vielfaches Echo fand. Schützen zeigten Flagge als Zeichen der Hoffnung und des Dankes an alle Helfer*innen in der Corona-Zeit.

Bürgermeister Ulrich Schulte, selbst aktiv im Schützenverein Blau-Weiß Sundhelle, hisste nicht nur die Vereinsfahne in seinem Garten, sondern ließ auch das Rathaus beflaggen. Anschließend kommentierte er erfreut die Aktion:

Ostern ist eine Zeit der Hoffnung, denn Jesus Christus hat zu Ostern den Tod besiegt und damit der Menschheit eine neue Chance gegeben. Es ist schwierig, diese Hoffnung zurzeit nach außen zu tragen. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Corona-Krise lassen daran zweifeln. Wenn dann auch Ostergottesdienste und Osterfeuer ausfallen müssen, stellt sich die Frage, welche Maßnahmen und Symbole ersatzweise diese Hoffnung wieder vermitteln können.

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Ich weiß nicht, woher die Idee stammte, aber sie breitete sich schnell aus. Schützenvereine riefen ihre Mitglieder dazu auf, von Karsamstag bis Ostermontag „Flagge zu zeigen“, also ihre Vereinsfahnen an ihren Häusern und in ihren Vorgärten aufzuhängen. Auch in Plettenberg verbreitete sich die Idee rasant über die Vereinsgrenzen hinweg. Über Telefon und WhatsApp wurde zum Mitmachen aufgerufen und viele haben zugesagt. Eine Besonderheit war dann die Idee von Ratsherr Dirk Finder, die Weihnachtsbeleuchtung an der großen Eiche in der Kleingartenanlage Sundhelle für diese drei Tag wieder einzuschalten. Quasi als Osterfeuer-Ersatz per LED-Lichterkette.

Auf der Sundhelle wehten nicht nur die Schützenfahnen, sondern abends wurde auch die Lichterkette in der Eiche angeschaltet, die sonst nur in der Weihnachtszeit leuchtet. Fotocollage: Dirk Finder

Die wehenden Fahnen sollen nicht nur Hoffnung bringen, sondern auch ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber den Menschen sein, die derzeit in unterschiedlichen Berufszweigen und in ehrenamtlicher Tätigkeit für andere da sind. Eine solche Fahne verbessert sicherlich nicht die finanzielle Situation eines Pflegers, LKW-Fahrers oder einer Kassiererin. Sie zeigt aber an, dass sich Menschen bewusst werden, dass bestimmte Berufe systemwichtig sind und besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Dass ein Gesundheitssystem nach den Erfordernissen der Menschen und nicht nach den Zahlenwerken von Controllern überdacht werden muss. Dass hinter unserer Lebensmittelversorgung auch Menschen stecken, die unsere „Geiz-ist-geil“-Mentalität mit niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitszeiten bezahlen. Jede Fahne ist damit auch Teil einer Aufforderung, dass sich daran etwas ändern muss.

Zeichen des Zusammenhalts

Neben Hoffnung und Dankbarkeit sind diese Fahnen für mich vor allen Dingen aber auch ein Zeichen des Zusammenhalts. Der Expertenrat hat in seiner Stellungnahme an die NRW- Landesregierung seine Sorge ausgedrückt, „dass die Solidarität schwindet und neue Egoismen/Rivalitäten/Polarisierungen in der Bevölkerung entstehen“. In Plettenberg haben sechs Vereine mit unterschiedlichen Vereinsfarben, unterschiedlichen Strukturen und unterschiedlichem historischen Hintergrund gezeigt, dass sie innerhalb eines Tages eine Gemeinschaftsaktion auf die Beine stellen können – ohne dass sich die Akteure persönlich getroffen haben. Zusammenarbeit trotz gegenseitiger Entfernung.

Am Rathaus wurde die Stadtfahne gehisst. Foto: privat

Solch ein Zusammenhalt ist zukünftig auch für unser Wirtschaftsleben wichtig. Jede/r, der/die vom örtlichen Einzelhändler erwartet, dass er den Fernseher o.ä. repariert, sollte vorher auch bereit sein, diesen Fernseher bei ihm zu kaufen – auch wenn das etwas teurer sein sollte. Was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen. Lieferketten aus Asien brechen zusammen und es stellt sich die Frage, ob manche Produkte nicht zukünftig wieder in Deutschland oder Europa produziert werden sollten.

Das Corona-Virus schränkt unser Leben ein. Besonders die Geselligkeit hat darunter zu leiden. Das Treffen mit Freunden, das gemeinsame Bier nach Feierabend, all das fällt derzeit weg. Symbol für die Geselligkeit im Sauerland sind sicherlich die örtlichen Schützenfeste. Ob und welche davon in diesem Jahr überhaupt stattfinden werden, ist noch offen. Dass in dieser Situation gerade die Schützenvereine nicht jammern, sondern aktiv werden, ist ein Signal an uns alle. „Flagge zeigen“ sollten wir öfter.

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