Sebastian Schnoy lieferte bei den Lüdenscheider Kleinkunsttagen eine unterhaltsame Show ab. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Lachen Sie sich schlau. So wird für die Auftritte von Sebastian Schnoy geworben. Das funktioniert. Ein guter Beweis war der Auftritt des 47-jährigen Kabarettisten bei den Lüdenscheider Kleinkunsttagen am Samstag. „Kann man aus der Geschichte lernen?“ fragt Schnoy und liefert selbst die Antwort. „Klar, wenn man sich endlich mal was merken würde.“

Warum Deppen Idioten wählen

Danach setzte er allerdings nicht zu einer reinen Lektion in Sachen Historie an – aber: „Auf was müssten die Briten alles verzichten, wenn sie mit dem Brexit alles, was nicht pur britisch ist, von der Insel verbannen wollen?“ Neben der Sprache („Sie stammt von den Angelsachsen.“) und Stonehenge („Haben Leute aus Eckernförde gebaut.“) gar das Königshaus, es ist nämlich historisch gesehen durch und durch deutsch. Bei dieser Betrachtung wird schnell klar, warum Schnoys neues Programm „Dummokratie – oder warum Deppen Idioten wählen“ heißt.

Plauderei mit Tiefgang

Der Mann aus dem Norden kommt charmant, unterhaltsam und witzig daher. Er plaudert mit ausgesuchten Vertretern aus dem Publikum über alte Pullover, die eigentlich schon längst hätten ablegt werden müssen. Seine Erfahrung aus der ehrenamtlichen Arbeit bei der Flüchtlingshilfe: „Wenn Männer etwas spenden, kannste die Sachen eigentlich nur verbrennen.“ Frauen, hat er bemerkt, liefern meistens frische Ware. Kein Wunder: Schnell ist Schnoy bei Billigarbeiterinnen, die in Sri Lanka und anderen Ländern für einen Hungerlohn T-Shirts produzieren, die in der ersten Welt für fünf Euro verscherbelt werden. Schnoy kann, bei aller Plauderei, auch Tiefgang.

Überzeugte Europäer

Manchmal schweift er auch ab („Wo war ich gerade?“). Das tut der Sache aber keinen Abbruch. Spickzettel bringen den Kabarettisten schnell wieder in die Spur.

Schnoy ist überzeugter Europäer und er empfiehlt jedem, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen. Wie sähe der Himmel von Europa aus? Wie die Hölle?

Schnoy liefert vor ausverkauftem Haus die Antwort: „Im Himmel von Europa sind die Engländer die Polizisten, die Franzosen die Köche, die Deutschen die Automechaniker, die Italiener die Liebhaber und die Schweizer organisieren alles.“

In der Hölle von Europa seien die Deutschen die Polizisten, die Engländer die Köche, die Franzosen die Automechaniker, die Schweizer die Liebhaber und die Italiener organisierten alles.

Geht am 28. Februar an der Start: Simon Pearce. Foto: Alan Ovaska

Schnoy kämpft lieber für das himmlische Europa. Auch im richtigen Leben. Der Mann ist mit einer Französin verheiratet. Bei einem ist er sich nämlich ganz sicher: Die Welt retten, das werden die Netten.

Simon Pearce am 28. Februar

Am 28. Februar tritt der dritte Bewerber um die Lüdenscheider Lüsterklemme, den von der Sparkasse Lüdenscheid mit 1500 Euro dotierten Kleinkunstpreis, auf. Ab 19.30 Uhr spielt Simon Pearce in der zur Kleinkunstbühne umgebauten Garderobenhalle des Kulturhauses sein Programm „Allein unter Schwarzen“.

 

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