Die Geschäftsführung von Busch + Müller sowie Mitglieder des Kunstvereins VAKT bei der Übergabe des Scheuerpfahls. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen/Volmetal. Drei Eichenstämme umrahmen eine alte Stanzmaschine. Das Kunstobjekt, weithin sichtbar auf dem Firmengelände von Busch + Müller, Auf dem Bamberg, in Meinerzhagen, steht für eine Verbindung von Kulturlandschaft und Industrie. Sie ist markanter Teil des Projekts „Scheuerpfähle für das Volmetal“, das der Kunstverein VAKT aus Halver initiiert hat.

Kunst auf 25 Kilometern

Dabei geht es um Kunst auf gut 25 Kilometern. Von Schalksmühle im Norden bis Meinerzhagen im Süden weisen 20 Scheuerpfähle auf besondere Punkte im Volmetal hin. Kunstobjekte als Landmarken in der Kulturlandschaft. Grobe Richtschnur ist dabei der Wanderweg X 20, der die Volme-Kommunen verbindet. Mit der Idee hat der Kunstverein VAKT aus Halver ein Projekt geschaffen, das über kommunale Grenzen hinaus viele Kulturschaffende und Interessierte in der Region und darüber hinaus einbindet und zum Mitmachen motiviert.



Förderung durch das Heimatministerium

Guido Müller, Geschäftsführer von Busch + Müller, stellte das Objekt am Firmensitz vor. Foto: Rüdiger Kahlke

Möglich wurde das Projekt durch eine Förderung des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau- und Gleichstellung. Den Förderbescheid brachte die Ministerin Ina Scharrenbach am Samstag vor Weihnachten 2019 persönlich in Halver vorbei. Dabei lobte die Ministerin das Vorhaben als Gemeinschaftsaktion, bei der Kunst im öffentlichen Raum sichtbar werde. Ausschlaggebend für die Förderung war zudem die Einbindung unterschiedlicher Akteure.

Fördern, was Menschen verbindet

  • Das VAKT-Projekt passte ins Förderprogramm „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“. Die Landesregierung will damit Initiativen und Projekte fördern, „die lokale und regionale Identität und Gemeinschaft und damit Heimat stärken. Ziel ist es, Menschen für lokale und regionale Besonderheiten zu begeistern und die positiv gelebte Vielfalt in unserem Bundesland deutlich sichtbar werden zu lassen.“ Diese Vielfalt ist Teil des Projektes. Mit dabei sind z. B. die Wirtschaftjunioren Lüdenscheid als Schirmherr, die Volkshochschule Volmetal, der Fotoverein Halver oder der Verein Heesfelder Mühle.

„Herausragender Standort an Schnittstelle“

Nach gut drei Jahren Planung und viel Arbeit steht das Projekt vor der Vollendung. 20 Scheuerpfähle, fünf in jeder Kommune, sah der Plan vor. Die alte Stanze und die Pfähle mit Anklängen an Künstler der Moderne bei Busch+Müller sind ein Hingucker – direkt am Wanderweg. „Einen besseren Standort gibt es kaum“, freute sich VAKT-Vorsitzende Karin Schloten-Walther über die Aufgeschlossenheit der Busch+Müller-Geschäftsführung für das Projekt. Es sei nicht nur „ein herausragender Standort an der Schnittstelle von Natur und Industrie, die beide die Region prägen, sondern auch Beispiel einer gelungenen Kooperation“.

Mit VAKT und Künstler Peter Jasinski suchte Geschäftsführer Guido Müller nach einer Lösung, wie beide Anliegen verbunden werden könnten.

Bemerkenswerte Verwendung für alte Stanze

Müller freut sich darüber, dass die alte Stanze eine so bemerkenswerte Verwendung gefunden hat. „Ich hatte schon seit einiger Zeit überlegt, die Maschine an diesem Platz öffentlich auszustellen, um an unsere Geschichte zu erinnern. Als dann der Kunstverein auf mich zukam, war es eigentlich nur noch eine Frage des „Wie“. Man rannte bei uns offene Türen ein“, so Müller.

Maschine seit 1952 im Einsatz

Seit 1952 war die Stanze erfolgreich im Einsatz. Da jedoch nach vielen Jahren die Sicherheitsstandards nur noch mit viel Aufwand eingehalten worden konnten, wurde die Stanzmaschine im Jahr 2015 ausgemustert. 

Für den Künstler geht es bei der Installation „Mensch, Maschine, Natur“ um die Frage: „Wer dominiert wen? Ist das Zusammenspiel ausgewogen, jetzt, zukünftig? Behält der Mensch den Überblick oder wird er der große Verlierer sein, so er es nicht schon längst ist? Der Betrachter ist angehalten, sich über seine eigene Rolle in diesem Gefüge Gedanken zu machen.“, so Peter Jasinski.

Für Künstler Peter Jasinski geht es bei der der Skulptur um die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis von Mensch, Maschine und Natur. Foto: Rüdiger Kahlke

Die Idee für das Kunst-Projekt, derzeit wohl das größte ehrenamtlich initiierte in Südwestfalen, hatte VAKT-Vorsitzende Karin Schloten-Walther aus einem Urlaub im Emsland mitgebracht. Dort schmücken Kunstobjekte den 92 Kilometer langen Ostfriesland-Wanderweg von Rhauderfehn bei Papenburg bis Bensersiel an der Nordsee.

  • Bevor Technik in den Ställen dominierte und die Rinder sich von sensorgesteuerten Bürsten den Buckel kraulen ließen, schubberte sich Vieh das Fell an Pfählen. Dabei drückte es auch schon mal Zaunpfähle um. Für Landwirte war das ein Grund, eben jene Scheuerpfähle auf die Weiden zu stellen, um Schäden vorzubeugen. Der Kunst-Aspekt kam später als Verknüpfung zwischen landwirtschaftlicher Kulturfläche und Reibungspunkten der Industriegesellschaft. Eine Verbindung von ländlicher Region und städtischem Raum.

Nach der VAKT-Vision sollen die Kunst-Pfähle auch für „Scheuerstellen“, für Reibungspunkte oder markante Orte in der Region stehen. Dort, wo man sich an Standpunkten, Gegebenheiten oder unterschiedlichen Positionen reiben kann. Das macht die künstlerische und politische Dimension des Projektes aus. Dem Kunstverein war es dabei wichtig, viele Akteure im oberen Volmetal einzubinden.

Viele Akteure eingebunden

Mitglieder des Fotovereins Halver haben die Dokumentation der Standorte und des Entstehungsprozesses übernommen. In der Schreibwerkstatt der Volkshochschule entstand ein Krimi zu den Pfählen. Mitglieder von Heimatvereinen haben Vorschläge für mögliche Standorte gemacht. Der Verein Heesfelder Mühle hat logistische Unterstützung geleistet. Die Wirtschaftsjunioren Lüdenscheid haben die Schirmherrschaft übernommen. Kinder der Jung-Unternehmer haben einen Pfahl mitgestaltet. Privatleute haben Grundstücke zur Verfügung gestellt. Kommunen haben Hilfestellung geleistet und neben anderen Sponsoren das Kunst-Projekt gefördert.

“Tolles touristisches Projekt”

Ralf Thebrath, Freizeit- und Tourismus-Manager für die Region „Oben an der Volme“, sieht in der Kunst-Aktion zudem „ein super tolles touristisches Projekt“. Die Verknüpfung mit kulturellen Ausflugszielen „bietet ein besonderes Erlebnis“, sah Thebrath gleich zu Beginn auch einen überregional zugkräftigen Anziehungspunkt. Damit auch Besucher etwas davon haben, geben QR-Codes oder kleine Hinweisschilder an den jeweiligen Pfählen Auskunft über den Standort und den Künstler oder die Künstlerin.

Projekt vor der Vollendung

Mit der Installation bei B+M stehen alle fünf Pfähle in Meinerzhagen. „Gerade von privaten Grundstückbesitzern in Meinerzhagen haben wir große Unterstützung erfahren“, dankt Karin Schloten-Walther für das Engagement.  Nach Verzögerungen infolge der Corona-Pandemie steht das Projekt „Scheuerpfähle für das Volmetal“ jetzt vor der Vollendung. Ein Katalog, der Standorte, Scheuerpfähle und Künstler*innen vorstellt, ist noch in Arbeit.

Quelle: Pressemitteilung der Fa. Busch + Müller KG

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