Außenaufnahmen von dem betroffenen Flügel der Geschwister-Scholl-Realschule. Bild: Stadt Plettenberg

Plettenberg. Mitte November letzten Jahres informierte die Vier-Täler-Stadt über die Schullandschaft, die sich im Wandel befindet. Neben baulichen Maßnahmen bei den Grundschulen sind auch die weiterführenden Schulen davon betroffen.

Am Standort Böddinghausen das Albert-Schweitzer-Gymnasium, die Geschwister-Scholl-Realschule und das so genannte „KBOP“ (ausgesprochen Kabop), das Kompetenzzentrum-Berufsorientierung Plettenberg. In letzteres soll nach dem Erweiterungsbau die Hauptschule in Gänze einziehen. Zurzeit nutzt allerdings die Realschule noch dieses Gebäude, da seit Kurzem ein Flügel der Realschule selbst wegen Schadstoffbelastungen (Astbestplatten und PCB-belastete Fugen) saniert wird. Dieser „Ringtausch“ hat den Vorteil, dass alle Schulen während der Arbeiten nutzbar bleiben und auf Provisorien soweit wie möglich verzichtet werden kann. Das hierdurch eingesparte Geld kann besser in dauerhafte Gebäude investiert werden.

Innenaufnahmen aus dem betroffenen Flügel der Geschwister-Scholl-Realschule. Bild: Stadt Plettenberg

Die Arbeiten in der Geschwister-Scholl-Realschule (GSR) haben vergangene Woche begonnen. Derzeit laufen letzte Rückbauarbeiten, die noch nichts mit Schadstoffen zu tun haben (Einbauten, Möbel usw.), nachdem die Naturwissenschaftlichen Fachräume noch bis zum 22.12.22 genutzt wurden. Ab der kommenden Woche (KW3) startet dann die eigentliche Schadstoff-Sanierung.

Der Sonderklassentrakt wird dafür dann zu dem noch in Betrieb befindlichen Bereich hin luftdicht abgeschottet. Die Sanierungsarbeiten erfolgen jeweils von oben nach unten (2.OG – 1OG – EG). Zunächst werden die Baustoffe, die künstliche Mineralfasern (KMF)*

Innenaufnahmen aus dem betroffenen Flügel der Geschwister-Scholl-Realschule. Bild: Stadt Plettenberg

enthalten, entfernt. Dazu gehören Deckenplatten, sowie Dämmstoffe in den Wänden und Decken. Wenn die KMF-Bauteile entfernt sind, erfolgt die Asbestsanierung* im Innenbereich, zusammen mit der Sanierung der PCB-haltigen* Fugen. Dazu müssen auch die Fenster ausgebaut werden. Danach werden dann die PCB-haltigen Fugen an der Fassade saniert.

 

 

Insgesamt werden an schadstoffhaltigen Material etwa entfernt:

– 955m PCB-haltige Fugen

– 3950m² Decken und KMF

– 2000m² Asbesthaltige Brandschutzplatten

– 380m² Bodenbeläge (Asbestkleber)

und zusätzlich noch einiger von Schadstoffen unbelasteter Bauschutt.

Im Gebäudeinneren wird bei der Schadstoffsanierung ein Unterdruck aufgebaut und die Abluft gefiltert, so dass keine gefährlichen Stäube nach außen gelangen können. Die Abfälle werden im Gebäude selbst bereits fachgerecht luftdicht verpackt und durch eine Schleuse rausgebracht, so dass auch hier nichts Schädliches freigesetzt wird. Die Mitarbeiter werden ebenfalls ein- und ausgeschleust und arbeiten gegebenenfalls unter Vollschutz.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Daher wird die ganze Maßnahme eng durch einen Schadstoffsachverständigen und durch den Arbeitsschutz vor Ort begleitet!

Der Sachverständige führt nach Abschluss der einzelnen Arbeiten jeweils auch Messungen der Raumluft und der Bauteile durch, um den Erfolg der Sanierung zu bestätigen, bevor die Bereiche wieder ohne Schutzkleidung betreten werden dürfen.

Die ausführende Fachfirma ist die Alpha Industrieservice GmbH aus Frankenthal bei Mannheim. Diese Arbeiten sollen im April abgeschlossen sein.

Es muss allerdings betont werden, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Schüler:innen, Lehrkräfte oder Eltern bestand! Von den Schadstoffen geht im eingebauten Zustand in der Regel keine Gefahr aus, da beispielsweise das Asbest in gebundener Form verbaut ist. Auch die KMF konnten im eingebauten Zustand nicht in Kontakt mit den Nutzer:innen des Gebäudes gelangen.

Auch hier war eine Kontrolle natürlich angebracht. Seit Auffinden der schadstoffbelasteten Baustoffe wurde die Raumluft durch Messungen kontrolliert. Es wurden zu keiner Zeit bedenkliche Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft festgestellt. Dennoch hat sich die Stadt entschieden, die verbauten, potentiell problematischen Baustoffe zu entfernen.

Die Stadt Plettenberg bedankt sich bei allen Schüler:innen, Eltern und Lehrkräften für das Verständnis und die Unterstützung bei der Umsetzung der Neugestaltung der Plettenberger Schullandschaft.

*Hintergrund: Asbest ist ein faserförmiges, kristallines Silikatmineral, das leicht eingeatmet werden kann. Die eingeatmeten Fasern können sich dauerhaft in der Lunge festsetzen und Krebs auslösen. Seit Anfang der Neunzigerjahre ist Asbest verboten.

PCB, also Polychlorbiphenyl, ist eine giftige, krebserregende organische Chlorverbindung. Bis in die Achtzigerjahre wurde PCB unter anderem in Isoliermitteln verwendet. Es baut sich nur langsam ab und reichert sich aufgrund seiner Fettlöslichkeit leider gut im Körperfett an. Hier kann es zu Störungen des Immunsystems oder anderer Organfunktionen kommen.

Künstliche Mineralfasern (KMF) – oder auch Mineral-, Glas- oder Steinwolle – können durch freigesetzte Fasern auf Haut, Augen und obere Atemwege einwirken und stehen ebenfalls im Verdacht Krebs zu erregen. Allerdings muss hier zwischen „alten“ und „neuen“ Produkten unterschieden werden. Seit Juni 2000 sind in Deutschland nur noch Mineralwolle-Dämmstoffe mit RAL-Gütezeichen (toxikologisch untersucht und als nicht krebserregend eingestuft) auf dem Markt.