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Kai Hagen (links) und Hartmut Tetling stellen die "Diagnose Mittelstand 2019" vor. Foto: Bernhard Schlütter


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Plettenberg. Nach jahrelangem Wachstum befindet sich die deutsche Wirtschaft derzeit tendenziell auf Talfahrt. Doch der heimische Mittelstand zeige sich robust, so die Einschätzung von Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis. Gestützt wird diese Einschätzung durch die „Diagnose Mittelstand 2019“, die vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) erstellt wurde. Zusammen mit Hartmut Tetling (Leiter Firmenkunden) stellt Kai Hagen die Ergebnisse der Untersuchung vor.

Der deutsche Mittelstand habe den lang anhaltenden Aufschwung erfolgreich genutzt, um sich nachhaltig stabil für die Zukunft aufzustellen. Eine durchschnittliche Eigenkapitalausstattung von fast 40 Prozent dokumentiere das eindrucksvoll, berichtet Kai Hagen. Zwar befinde sich die Industrie in der Rezession, doch der private Konsum, die Branche der Dienstleister und die Bauwirtschaft, hier vor allem der Wohnungsbau, präsentierten sich zur Jahreswende in bester Laune und als kräftige Konjunkturstütze.

Laut der Diagnose Mittelstand 2019 hat die jahrelange Nullzinspolitik der EZB hat nicht zur Bildung einer gefährlichen Blase in der Mittelstandsfinanzierung geführt. Nicht konkurrenzfähige Unternehmen, die nur durch die Zufuhr zinsgünstiger Kredite künstlich am Leben erhalten werden, seien kein Phänomen des deutschen Mittelstands. Die Sparkassen hätten ein hohes Risikobewusstsein und vergäben Kredite nicht unbedacht zur Finanzierung riskanter Geschäftsmodelle. „Die Kreditvergabe der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis an Unternehmen wächst stetig. Dabei sorgen unsere Kreditvergabestandards dafür, dass sich trotz immer niedrigerer Finanzierungskosten bei unseren Kunden keine gefährliche Blase in der Mittelstandsfinanzierung bilden konnte“, erläuterte Hagen.



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„Die meisten Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt Hartmut Tetling mit Blick auf den heimischen Mittelstand. Dazu gehörten neben der Eigenkapitalbildung vernünftige Produkte, die am Markt Absatz finden. Die E-Mobilität sei zwar ein Risikofaktor für die heimischen Automobilzulieferer, doch sehen Kai Hagen und Hartmut Tetling deren Entwicklung sachlich. „Das wird bei uns nicht so schnell gehen“, glaubt Hagen und bezeichnet die aktuelle Stimmunglage als „E-Hysterie“.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Sparkasse zur Diagnose Mttelstand 2019:

Investitionszurückhaltung und Zukunftsangst lassen deutsche Mittelständler nicht erkennen. Bundesweit gut 44 Mrd. Euro neu zugesagte Firmenkredite im ersten Halbjahr 2019 – davon 31 Mrd. Euro für Investitionen – zeigen, dass die Mittelständler weiter zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die Zuwächse liegen damit sogar noch einmal etwas über den Werten des Vorjahresvergleichszeitraumes. Die Gesamtbestände wuchsen um 4,6 Mrd. Euro bei den Wohnungsbaukrediten und um 8,5 Mrd. Euro bei den Investitionskrediten. Das deutet darauf hin, dass der Mittelstand zumindest gemäß Stand 2019 nur mit einer kurzen Konjunktureintrübung rechnet. Aktuell ist der Pessimismus in der Industrie etwas größer geworden, wobei die überproportionale Entwicklung bei Wohnungsbaukrediten zeigt, dass es branchenbedingte Unterschiede gibt.

Digitale Infrastruktur noch mangelhaft

Eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur bildet das Rückgrat jeder erfolgreichen Volkswirtschaft. Heute besitzt neben der Verkehrsinfrastruktur auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur eine große Bedeutung. Schwerpunktthema der diesjährigen Diagnose Mittelstand ist deshalb die Frage, wie Deutschland bei der flächendeckenden Versorgung mit leistungsfähigen Internetverbindungen (Breitbandnetzen) vorankommt und welche Auswirkungen dies auf die Entwicklung ländlicher Räume im Allgemeinen sowie auf die mittelständischen Gewerbekunden der Sparkassen im Speziellen hat.

Die verfügbare Infrastruktur in ländlichen Gemeinden entspricht bereits heute nicht mehr den tatsächlichen Anforderungen der mittelständischen Wirtschaft. 65 % der kleinen und mittleren Unternehmen der Sparkassen im ländlichen Raum sind mit der aktuellen Versorgung mit schnellem Internet in ihrer Region nicht zufrieden.

Die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe unterstützen den Breitbandausbau in vielfältiger Weise. Dadurch liefern sie einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit ländlicher Regionen und der dort angesiedelten mittelständischen Unternehmen. Gleichzeitig sind auch die Sparkassen selbst als mittelständische Kreditinstitute von leistungsfähigen Internetverbindungen abhängig. Diese bilden die Grundlage für viele digitale Anwendungen rund um die modernen Bezahlverfahren.

Da nicht nur privatwirtschaftliche Unternehmen, sondern auch viele Kommunen im Rahmen von Betreibermodellen den Ausbau der digitalen Infrastruktur in ihren Verwaltungsgebieten vorantreiben, kommt dem Kommunalkreditgeschäft der Sparkassen und Landesbanken bei der Unterstützung des Breitbandausbaus eine große Bedeutung zu. Gemeinsam besitzen sie in diesem Sektor einen Marktanteil von knapp unter 40 % und damit in etwa so viel wie Banken mit Sonderaufgaben wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die von der Sparkassen-Finanzgruppe zur Verfügung gestellten Kommunalkredite fließen zum großen Teil in den Ausbau der lokalen Infrastruktur. Dazu gehört neben Straßen und Versorgungsleitungen auch die passive Infrastruktur der digitalen Datennetze.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine gemeinschaftliche Anstrengung aller Beteiligten notwendig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der digitalen Infrastruktur und damit auch der Unternehmen, insbesondere in ländlichen Regionen, zu gewährleisten. Der Politik fällt dabei die wichtige Aufgabe zu, existierende Hemmnisse bei der Förderung von Ausbaumaßnahmen in ländlichen Regionen zu reduzieren bzw. vollständig zu beseitigen.

In Zeiten niedrigster Zinsen und zunehmender Digitalisierung ist wirtschaftlicher Wohlstand immer wieder neu zu erarbeiten. In einer solchen Zeit wachsen die Bedürfnisse der Unternehmen nach Sicherheit. Gerade von Finanzpartnern erwarten sie Stabilität und Verlässlichkeit. “Dieser Aufgabe stellen wir uns täglich“, hob Kai Hagen hervor. „Wir sind fester Bestandteil im Alltag unserer mittelständischen Unternehmen und werden diesen auch weiterhin mitgestalten. Damit tragen wir wesentlich zu einer leistungsfähigen Wirtschaftsstruktur in unserer Region bei.“

Die komplette “Diagnose Mittelstand 2019” gibt es zum Download: https://www.dsgv.de/sparkassen-finanzgruppe/publikationen/diagnose-mittelstand.html#downloads

Info

  • Die “Diagnose Mittelstand 2019” beschreibt und bewertet Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaftswelt.
  • Diese Untersuchung legt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) bereits zum 19. Mal vor.
  • Basis dafür ist die größte systematisch auswertbare Sammlung von Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen mit etwa 300.000 Bilanzen, ergänzt um eine Sparkassen-Expertenumfrage.

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