Die Anhänger des Steampunks stecken voller Fantaie. Foto: LWL

Hagen. (lwl) Am Sonntag, 2. September, heißt es im Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) “Zeitreise Hagen”. Vor der historischen Fachwerkkulisse flanieren die Liebhaber des Retrofuturismus. Lange Roben und Gehröcke, Korsetts und Zylinder, fantastisch anmutenden Bauten und skurrile Kunstwerke entführen in eine Zeit, die es so nie gegeben hat. Im technikmusealen Ambiente mit seinen Dampfmaschinen, historischen Transmissionen und Zahnrädern verbringen die Steampunks einen Ausflugstag. Sie flanieren, besichtigen, genießen und sind auch selbst Attraktionen.

Picknick mit den Steampunks. Foto: LWL


Ab 11 Uhr wird der obere Marktplatz des Hagener Freilichtmuseums zum Schauplatz der dritten Zeitreise Hagen. Es gibt raschelnde Röcke, ausladende Hüte, Damen und Herren mit mechanischen Absonderlichkeiten. Aussteller und Händler bieten exotische und sonderbare Dinge an: Ob Schmuck im Dampf-Design, Feines aus Nähwerkstatten, Edles vom Gold- und Silberschmied, Originelles aus dem Steampunkies Warenhaus und so einiges Außergewöhnliches mehr wird ausgestellt. Ein kleines stilgemäßes musikalisches Showprogramm mit dem Salontenor Daniel Malheur und Bauchtanz mit Derwischan unterhalten die Gäste. Außerdem sind im Freilichtmuseum auch der Lesebär, die Blubberbrigade, Piratenkraken und Käpt’n Black unterwegs.

Was als Steampunk-Picknick begann, ist mittlerweile zu einer ausgewachsenen Veranstaltung mit Rahmenprogramm, Ausstellern, Händlern und Künstlern geworden. Trotzdem kann jeder sein Picknick und Decken mitbringen, geeignete Orte dafür sind die Wiesen, Bänke und auf dem oberen Platz der “Steinkreis”. Wer mag, kann im LWL-Freilitmuseum produzierte Dinge, wie Brot, Würste, Schinken und andere Leckereien kaufen oder im Biergarten entspannen und das in der museumseigenen Brauerei gebrautes Bier kosten.

Die Anhänger des Retrofuturismus verbringen im technikmusealen Ambiente mit seinen Dampfmaschinen, historischen Transmissionen und Zahnrädern einen Ausflugstag.
Foto: LWL

Im Steampunkt-Look gewandete Besucher erhalten Museums-Eintrittskarten zum ermäßigten Preis (5,50 Euro).

Hintergrund: Steampunk
Steampunk ist eine Form des Retrofuturismus: Man stellt sich vor, wie die Menschen um 1900 sich die Zukunft ausgemalt haben. Es wird ein alternativer Geschichtsverlauf erdacht, in dem nicht Strom, sondern Dampf die treibende Kraft ist.
Steampunk ist ursprünglich eine Unterkategorie der Sciene-Fiction Literatur, die in den 1980er Jahren entstanden ist. Beim amerikanischen “Burning Man” Festival wurde Anfang der 2000er Jahre auch eine Kunstrichtung daraus, die sich nach und nach zu einer ganzen Subkultur entwickelt hat.
Der Begriff Steampunk kommt Ende des 20. Jahrhunderts auf. “Steam” steht für das englische Wort “Dampf” – in Anlehnung an die im 19. Jahrhundert aufkommenden Dampfmaschinen.

Warum Punk?
Eines der wichtigsten Prinzipien des Punks ist das Selbermachen, das Do-it-yourself (kurz: DIY). Im Steampunk steht dabei nicht nur das Selberbauen von Apparaturen oder Kleidung im Vordergrund, sondern auch ein Werteverständnis: Lieber ein hochwertiges Einzelstück, als ein Teil, das nach kurzer Zeit nicht mehr brauchbar ist. Dabei ist man keinesfalls rückständig: Getreu dem Motto “Love the machine, hate the factory” macht man sich neueste Technik zu eigen, ohne den damit verbundenen Massenkonsum gut zu heißen.

Literatur
Literatur ist die Wiege des Steampunk. Hervorgegangen aus den Fantasien des Cyberpunks der 1980er Jahre, der sich eine von Technik und Maschinen beherrschte Zukunft vorstellt, orientiert sich der Steampunk an den fortschrittsgläubigen Ideen früher Science-Fiction-Autoren wie Jules Verne und H. G. Wells.

Make
Hinter dem Namen Make versteckt sich Steampunk als Kunstform. Die Optik orientiert sich hierbei an der Ästhetik des Jugendstils und der Industrialisierung. Erkennbare Mechanik und Dampf als Antriebskraft stehen im Vordergrund der Apparaturen und Erfindungen. Das Zahnrad ist daher eines der Symbole des Steampunks.

Mode
Wie Steampunk insgesamt, orientiert sich auch die Mode vorwiegend am englisch-viktorianischen Zeitalter und der deutschen Kaiserzeit. Als Ausdruck einer alternativen Geschichtsschreibung dominiert dabei das “Was wäre, wenn?” und nicht das “Was war”. Die Kleidung ist dementsprechend nicht historisch authentisch, sondern historisch inspiriert, dem Do-it-yourself-Gedanken folgend, meist selbst erdacht und selbst gemacht.

Musik
Im Gegensatz zu den meisten anderen Subkulturen, die sich in erster Linie über ihre Musik definieren, spielt diese im Steampunk eine eher untergeordnete Rolle. Von Klassik über Folk und Western bis hin zum Rock und Metal gibt es kaum ein Genre, in dem nicht wenigstens eine Steampunk-Band unterwegs wäre. Der Begriff “Steampunk-Musik” beschreibt hier kein bestimmtes Genre, sondern alle Bands, unabhängig von der Musikrichtung, die sich dem Steampunk mit seiner Ästhetik und seinen Ideen zugehörig fühlen.
Bekannte internationale Vertreter sind hier Abney Park, Vernian Process und Steampowered Giraffe. In Deutschland finden sich Bands wie Coppelius, Aeronautica, Tales of Nebelheym oder Drachenflug.

Beim Steampunk-Picknick “Zeitreise Hagen” im Hagener LWL-Freilichtmuseum werden alle Fragen rund um den Steampunk beantwortet.
Mehr Infos auch unter: https://aetherangelegenheiten.de/zr/

 

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