TEILEN
Reinigungshandwerk
Die Belastung für Reinigungskräfte ist stark gestiegen. Sie fordern deutlich mehr Gehalt. Foto: IG BAU

Märkischer Kreis. Trotz gestiegener Belastungen könnte den Beschäftigten in der Reinigungsbranche eine spürbare Lohnerhöhung verwehrt bleiben, warnt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). In der laufenden Tarifrunde für das Gebäudereiniger-Handwerk hätten die Arbeitgeber bislang „kein akzeptables Angebot“ vorgelegt, so die Gewerkschaft. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) hält dagegen, dass die Branche in der Corona-Krise erhebliche Umsatzeinbußen erleide. Vor diesem Hintergrund sei die Forderung der Gewerkschaft keine Gesprächsgrundlage.

Sie halten Krankenhäuser und Pflegeheime sauber, reinigen Schulen, desinfizieren Behörden und Büros: Die rund 3.800 Reinigungskräfte im Märkischen Kreis haben durch die Corona-Pandemie besonders viel zu tun. „Wenn nun die Infektionszahlen wieder steigen, setzen sich gerade auch Reinigungskräfte einer erhöhten Ansteckungsgefahr aus. Ihre Arbeit ist dabei unverzichtbar“, sagt Friedhelm Kreft, Bezirksvorsitzender der IG BAU Westfalen-Mitte-Süd. Für ihren Einsatz hätten sie mehr Anerkennung verdient.

Mehr Lohn und Weihnachtsgeld

Die Gewerkschaft fordert ein Plus von 1,20 Euro pro Stunde in allen Lohngruppen. Außerdem soll es erstmals ein verpflichtendes Weihnachtsgeld in der Gebäudereinigungsbranche geben. „Nur wenn die Einkommen deutlich steigen, können vor allem die vielen Frauen, die meist in Teilzeit arbeiten, der Armutsfalle entgehen“, so Kreft.

Anzeige

Laut BIV summieren sich die Gewerkschaftsforderungen auf 15,5 %. “Das ist keine seriöse Gesprächsgrundlage”, sagt Christian Kloevekorn, Verhandlungsführer der BIV-Tarifkommission. Die Arbeitgeber haben bei einer Laufzeit von 24 Monaten ein Gesamtlohnplus von 3,85 % angeboten. Demnach würde der allgemeinverbindliche Branchenmindestlohn (Lohngruppe 1/Einstieg) ab 1.1.2021 auf 11 € steigen (+ 1,85 %). Ab 1.1.2022 würden sich die Einstiegslöhne auf 11,22 € (+2 %) erhöhen.

Umsatzeinbußen in Corona-Krise

„Ein Lohnplus von 3,85 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten stellt in diesen historischen Krisenzeiten einen ehrlichen Kompromiss dar. Unser Angebot berücksichtig sowohl die großen wirtschaftlichen Risiken für die Unternehmen als auch die Leistungen unserer Beschäftigten in der Pandemie“, meint Christian Kloevekorn. Die Branche verzeichne im im zweiten Quartal 2020 ein Umsatzminus von 5,3 % im Vergleich zum ersten Quartal und ein Umsatzminus von 6,2 % im Vergleich zum zweiten Quartal 2019.

„Das liefe für die Beschäftigten fast auf eine Nullrunde hinaus“, kritisiert dagegen Friedhelm Kreft. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Reinigungsunternehmens Piepenbrock verdiene ein Großteil der Beschäftigten der Branche unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle. Demnach müssten knapp 14 Prozent aller Minijobber und elf Prozent aller Teilzeitbeschäftigten ihr Einkommen durch Hartz IV aufstocken. Laut Unternehmensangaben seien die Umsätze in der Gebäudereinigung, der größten deutschen Handwerkssparte, zwischen 2014 und 2019 um 32 Prozent auf zuletzt 19,6 Milliarden Euro gestiegen.

Die Tarifverhandlungen zwischen der IG BAU und dem BIV gehen am 3. November in Köln weiter.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here