Der PTV führte zum Ende des Jahres noch einmal einen Selbstverteidigungskurs für Frauen durch. Foto: privat

Plettenberg. Zum Jahresende hat der Plettenberger Turnverein (PTV) noch einmal einen besonderen Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs für Frauen durchgeführt. Unter Leitung der Selbstverteidigungslehrerin Noel Schulte lernten die Damen zunächst die Bedeutung der Psyche, der Körpersprache wie auch insgesamt eines selbstsicheren Auftretens kennen, die oft entscheidender sind als die eigentlichen körperlichen Techniken.

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Im Verlauf des Kurses wurden die Grundlagen des Notwehrparagraphen erklärt, mit Übungen und Rollenspielen die Selbstsicherheit gestärkt und einfache, aber sehr wirkungsvolle Verteidigungsgriffe geübt. Für den praxisnahen Test musste mal wieder der Kampfsportler Winfrid Schulte herhalten, der zuerst als Täter die Frauen „belästigte“, dann aber durch Schläge, Tritte und Grifftechniken der Frauen schnell selbst zum Opfer wurde. Bei der Konzepterstellung haben die Assistenztrainerinnen Franzi Rademacher und Vanessa Faber mitgewirkt.

Kooperation mit Diakonischem Werk

Das Besondere an diesem Lehrgang war die Einbindung einer Gruppe um Sozialarbeiterin Dorothee Rahab vom Diakonischen Werk. Vier junge Frauen mit Migrationshintergrund, die sich in Deutschland integrieren wollen und hier z.B. durch das Erlernen der deutschen Sprache dafür gute Voraussetzungen schaffen, nahmen an dem Kurs teil.

„Mir ist es wichtig, dass Frauen, die in anderen Kulturen aufgewachsen sind, lernen, dass sie nicht alle Situationen aushalten müssen, ohne etwas dagegen unternehmen zu dürfen und zu können“, erklärt Dorothee Rahab. Dazu gehöre es, ihnen bewusst zu machen, dass sie das Recht haben, Nein zu sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder wenn ihnen jemand zu nahe tritt. „Eine Stärkung des Selbstbewusstseins ist dabei von großer Bedeutung. Die Frauen sollen normal am öffentlichen Leben teilnehmen, sich aber in bedrohlichen Situationen sinnvoll verhalten und sich wehren können.“

Waren die Teilnehmerinnen mit Migrationshintergrund anfangs auch sehr schüchtern und zurückhaltend, so wurden sie im Laufe des Kurses immer mutiger, bereicherten die Gesprächsrunden und trauten sich auch, sich bei körpernahen Angriffen effektiv durch Kampftechniken zu wehren.

Spezielle Kurse für Flüchtlingsfrauen

„Viele Flüchtlingsfrauen haben Grausames erlebt. Da ist die Gefahr, dass eben dieses Erlebte bei Selbstverteidigungskursen wieder aufbricht, sehr groß“, weiß Dorothee Rahab.

„Wichtig ist auch, dass die Teilnehmerinnen den Vorträgen, Erklärungen und Bemerkungen bei Kursen folgen können. Daher macht es keinen Sinn, Gruppen von Flüchtlingsfrauen zu Standard-Kompaktkursen einzuladen, wenn auch die Teilnahme einzelner Frauen durchaus möglich ist, wie der letzte Kurs zeigt”, ergänzt PTV-Vorsitzender Winfrid Schulte.

Unter Leitung der PTV-Integrationsbeauftragten Franzi Rademacher und Vanessa Faber, unterstützt von Noel Schulte, werden im kleinen Rahmen Spezialkurse nur für diese Personengruppe angeboten. Hier ist kein männlicher Trainer erwünscht. Dolmetscherinnen gewährleisten einen funktionierenden Informationsaustausch. Die Kampftechniken treten dabei erst einmal in den Hintergrund; Schwerpunkt sind hier der Aufbau von Selbstsicherheit und die Förderung des Selbstwertgefühls. Auch das Kennenlernen der in Deutschland vorhandenen Regeln und Gesetze ist wichtig, besonders auch im Hinblick auf Bild, Stellung und Rechte von Frauen verglichen mit der Situation in den Herkunftsländern vieler Migrantinnen.

Das Schlusswort von Noel Schulte galt dann wieder allen Teilnehmerinnen: „Denkt daran, jeder vermiedene Kampf ist ein gewonnener Kampf. Gefahrenvermeidung hat oberste Priorität!“

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