Bis zu 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dem Aufruf der Bürgerinitiative A45 Lüdenscheid gefolgt. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Anette und Martin Krings wohnen am Siedlungsweg, einer Parallelstraße zur Straße Im Grund. Seit der Sperrung der A45 im Dezember 2021 donnert der Schwerverkehr an ihrem Haus vorbei.  Im Juni hat das Ehepaar Urlaub gemacht. „Wir brauchten einfach mal Ruhe“, sagen Anette und Martin Krings. Am Donnerstag unterstützen beide den lautstarken Protest der Bürgerinitiative A45 Lüdenscheid gegen den nicht enden wollenden Schwerlastverkehr, der Tag und Nacht über dafür nicht geeignete Lüdenscheider Straßen rollt.

Dauerlärm ist Körperverletzung

„Lärm macht krank – Dauerlärm ist Körperverletzung“ und „Transit Lkw raus aus Lüdenscheid“ steht auf den Protestplakaten der beiden. Andere sehen das genauso. „Wir sind hier. Wir sind laut, weil Ihr unsere Gesundheit klaut“ schallt es immer wieder auf dem Weg des Protestzugs vom Brügger Bahnhof zum Sportplatz.

Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich dem Aufruf der Bürgerinitiative zum öffentlichen Protest angeschlossen. Nach einem Zwischenstopp bei Flühs Drehtechnik marschierte ein deutlich kleinerer Zug weiter bis zum Sportplatz.

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Gegen Fahrbahnabsenkungen

„Alles geht kaputt. Die Stadt geht kaputt, die Firmen gehen kaputt, die Bürger gehen kaputt.“ So sieht es Heiko Schürfeld, Sprecher der Bürgerinitiative. Aus dem maximal möglichen Tempo für den Neubau der Brücke sei nun fast die maximal mögliche Verzögerung für den Neubau der Brücke geworden, kritisiert er. Die geplanten Fahrbahnabsenkungen unter zwei Eisenbahnbrücken würden noch mehr Schwerlastverkehr ins Volmetal ziehen. „Das wollen wir nicht.“ Die B54 sei schließlich schon heute völlig überlastet.

Welche Auswirkungen das hat, schilderte der Inhaber einer Metzgerei an der viel befahrenen Straße. Im Sommer sei seine Klimaanlage ausgefallen. Der Grund: Die Filter waren vom Feinstaub verstopft.

Das durch die Sperrung ausgelöste Verkehrschaos verursacht neben gesundheitlichen Belastungen Verspätungen und mehr. Die volkswirtschaftlichen Schäden, das hat die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer im Juni ermittelt, lagen damals schon bei rund 200 Millionen Euro. „Der Wirtschaftsstandort geht kaputt“, sagt Heiko Schürfeld. „Lüdenscheid wird zur Ghosttown.“

Beim Stopp vor Flühs Drehtechnik kam Heike Sieling-Laudien zu Wort. Sie betreibt ein Geschäft an der Lennestraße und leidet unter massiven Umsatzeinbußen. „Es wäre so einfach, den überregionalen Durchgangsverkehr umzuleiten. Sei es nun über das Kamener Kreuz oder das Westhofener Kreuz, über die A1, A3 oder A4. Aber es passiert seit zehn Monaten gar nichts“, kritisierte sie.

Klare Forderungen

Bemängelt wurde die fehlende Unterstützung durch Politik und Verwaltung. Niemand, bis auf zwei Ratsvertreter der Partei Die Linke habe sich bei der Demonstration blicken lassen.

Heiko Schürfeld erneuerte die Forderungen der Bürgerinitiative: „Wir fordern einen schnelleren Brückenbau, ein Nachtfahrverbot für LKW über 3,5 To und ein Verbot des überregionalen Durchgangsverkehrs, auch im Volmetal, damit die Stadt des WarnLichts endlich wieder atmen und funktionieren kann.“

Hier die Ansprache von Heiko Schürfeld im Wortlaut: Bürgerinitiative Eröffnungsrede Demo 06.10