Besucher der Ausstellung vor dem Porträt von Theo Rademacher. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Einfühlsame Porträts in schwarz-weiß, bei vorhandenem Licht, aufgenommen mit einer analogen Kamera – der Fotograf Dirk Vogel hat 30 Gesichter von Menschen um die 90 eingefangen. Die Bilder entstanden alle in besonderen Situationen. Die Frauen und Männer hatten zuvor aus ihrer Kinder und Jugendzeit berichtet. Jetzt sind die Fotos in einer Ausstellung noch bis zum 26. August im Lüdenscheider Geschichtsmuseum zu sehen.

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Sozio-kulturelles Projekt

„Wir können Menschen ins Antlitz schauen, in dem sich 90 Jahre Leben widerspiegeln“, sagte Dr. Susanne Conzen, Leiterin der Städtischen Galerie, am Sonntag bei der Ausstellungseröffnung. Für sie ist die Zusammenarbeit von Dirk Vogel und Matthias Wagner vom Ge-Denk-Zellen-Verein Altes Rathaus ein „sozio-kulturelles Projekt“.  Matthias Wagner hatte die Frauen und Männer aus Lüdenscheid und Umgebung interviewt und anschließend in Zusammenarbeit mit Museumsleiter Dr. Eckhard Trox die Texte zur Ausstellung erarbeitet.

Wert der Erinnerung für die Gegenwart

Dirk Hoffmann wurde 1933 geboren. Er lebt in Werdohl. Foto: Dirk Vogel

Der Titel der Ausstellung lautet „Gesichter und Geschichten zwischen Diktatur und Demokratie“. Sie zeige, so Matthias Wagner, den „Wert der Erinnerung für die Gegenwart“. Viele Texte schließen mit einem Resümee oder einer Lebensweisheit. Der Meinerzhagener Willi Müller sagt beispielsweise: „Nutze die Chancen, die sich bieten: Denn was man in der Jugend versäumt, kann man später nur schwer nachholen.“

Kriegseinsätze in jungen Jahren

Offen berichten viele von ihren Kontakten zur Hitlerjugend, Mitgliedschaft in staatlichen Jugendorganisationen oder Kriegseinsätzen in jungen Jahren und ziehen im Rückblick ihre Schlüsse.  So sagt der Lüdenscheider Richard Oettinghaus: „Kadavergehorsam, der gefordert oder befolgt wird, zerstört die Menschenwürde und die Freiheit der Person.“

Dirk Vogel bei der Ausstellungseröffnung: “Jede Begegnung gab Einblick in ein anderes Leben.”

Für die Macher von „Gesichter und Geschichten zwischen Diktatur und Demokratie“ besitzt die mündliche Überlieferung auch im 21. Jahrhundert noch einen hohen Stellenwert. Hildegard Bieker, Anne Turk, Leni Spiering und Theo Rademacher haben Matthias Wagner und Dirk Vogel Einblick in ihr Leben gewährt. Sie sind inzwischen gestorben. Ihre Geschichte wäre ohne das Projekt vielleicht nie geschrieben worden.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Er ist im Museum erhältlich und kostet zehn Euro.

Diplom-Fotodesigner und freier Fotograf

Info: Dirk Vogel ist Diplom-Fotodesigner und arbeitet als freier Fotograf. Seit seinem Abschluss 1999 – Thema „Augenblicke. Juden in Deutschland“ arbeitet der Altenaer für nationale, aber auch internationale Magazine und Zeitungen sowie für Unternehmen und im Bereich Architektur. Neben zahlreichen Ausstellungen, darunter eine im Deutschen Historischen Institut in London, erschien 2011 sein erster Bildband: „Gesichter der friedlichen Revolution“, herausgegeben von der Robert-Havemann-Gesellschaft. In dem Buch geht es um die Menschen, die sich 1989 für demokratische Verhältnisse in der DDR einsetzten und so letztlich den Weg für die deutsche Einheit mit geebnet haben.

 

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