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Am 13. August 2019 schlug ein Auto nach einem illegalen Rennen auf der Bahnhofstraße an einem Stützpfeiler des P-Centers ein. Foto: Feuerwehr Plettenberg

Plettenberg. Lärmbelästigung durch getunte Autos ist für viele Plettenberger ein großes Ärgernis. Da sollte die Polizei mal härter durchgreifen, ist immer wieder zu hören. Im Haupt- und Finanzausschuss informierte Wachleiter Wolfgang Klein am Dienstag, 21. Januar, Politiker und Öffentlichkeit über die polizeilichen Maßnahmen gegen die sog. „Poser-, Tuning- und Rennszene“.

Wachleiter Wolfgang Klein berichtete im Haupt- und Finanzausschuss über die Maßnahmen der Polizei gegen die Tuning-Szene in Plettenberg. Foto: Bernhard Schlütter

„Wir unternehmen viel in diesem Bereich. Die Kolleginnen und Kollegen sind über das normale Maß hinaus engagiert“, betonte Wolfgang Klein. Er berichtete, dass es nach den Erkenntnissen der Polizei in Plettenberg eine Gruppe junger Leute gebe, die sich nicht an Regeln hielten und mit ihren, meist aufgemotzten, Autos im Bereich der Innenstadt auffielen. Lärm sei dabei nur ein Teil des Problems. Negativer Höhepunkt war der Verkehrsunfall am 13. August 2019 auf der Bahnhofstraße, als nach einem Rennen ein PKW vor dem P-Center regelrecht einschlug. „Es ist glücklichen Umständen zu verdanken, dass dabei nicht Schlimmeres passierte und kein Unbeteiligter verletzt wurde“, so Klein.

Ritzel zählen reicht nicht mehr

Ende 2018 habe die Plettenberger Polizei begonnen, verschärft gegen diese Gruppe meist junger Fahrer vorzugehen. Es wurden spezielle Fortbildungen durchgeführt, um z.B. Chip-Tuning zu erkennen und die Gültigkeit der Betriebserlaubnis feststellen zu können. „Ritzel zählen reicht heute nicht mehr“, stellte Wolfgang Klein in Anspielung auf den ehemaligen Kollegen Wolfgang Radtke fest, der aufgrund seiner peniblen Mofakontrollen den Spitznamen „Ritzel“ trug.

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Neben der gesetzeswidrigen Aufrüstung von Fahrzeugen spielt in der betreffenden Gruppe der Drogenkonsum eine große Rolle. Etwa 80 Prozent der Fahrzeugführer, die bei Kontrollen auffielen, hätten Drogen konsumiert.

Laxe Strafen sorgen für Frust

Für Frust bei der Polizei sorgt das teilweise nicht nachvollziehbare Maß der gesetzlichen Sanktionen. „Ein Fahrer, der auf der Kaiserstraße mit laut quietschenden Reifen anfährt, kann mit gerade mal 10 Euro belangt werden“, nannte Wolfgang Klein ein Beispiel. Die Plettenberger Polizei verfolge die Taktik, den KFZ-Posern immer wieder auf die Füße zu steigen. Man habe die Gruppe der Leute identifiziert und lasse sie nicht in Ruhe.

Auf Nachfrage von Martina Reinhold (SPD) berichtete Wolfgang Klein, dass es sich bei der Klientel fast ausschließlich um junge Männer handele, deren Nationalitäten unterschiedlich seien. „Was kann der Bürger tun?“, wollte Martina Reinhold noch wissen. „Er sollte die Polizei anrufen. Hilfreich ist es, das KFZ-Kennzeichen mitzuteilen. Auch wenn wir nicht immer sofort zur Stelle sein können, hilft uns diese Information bei weiteren Maßnahmen“, erklärte Klein.

Bürgermeister Ulrich Schulte fasste zusammen: „Es gibt so etwas wie eine Tuning-Szene in Plettenberg, die offenbar auffälliger ist als anderswo. Aber der Eindruck, die Polizei tue zu wenig dagegen, ist falsch.“

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