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Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Gesundheitsholding, besuchte die beiden Praktikanten Zoe Berger und Gordan Dudas bei ihrer Schicht. Foto: Nicole Lüling

Lüdenscheid. Der Beruf als Berufung. SPD-Landtagsabgeordneter Gordan Dudas zollt allen Pflegekräften höchsten Respekt.  Was sie leisten und wie sie es tun, das hat der Lüdenscheider Politiker am Freitag während seiner Praktikumsreihe „Freitags ist DienstTag“ in der Kardiologie des Klinikums Hellersen erlebt.

„Der Tag auf der Station 5.3 hat mich sehr beeindruckt“, zog der Landtagsabgeordnete ein Fazit. Die Menschen, die in der Pflege arbeiten, hätten eine „bedeutend höhere Wertschätzung verdient als sie derzeit von der Politik erhalten“. Empathie, Menschlichkeit und Sachverstand – der Beruf sei im wahrsten Sinne eine Berufung. „Ich hätte nie gedacht, dass diese Aufgabe so umfangreich ist und sie mit so viel Leidenschaft und Fürsorge ausgefüllt wird, um den Patienten die notwendige Würde zu geben.“

Betreuung braucht Zeit

„Betreuung braucht Zeit und Zeit braucht Köpfe“, brachte es Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Gesundheitsholding auf den Punkt. Und hier beginnt das Dilemma. Immer weniger Menschen interessieren sich für Pflegeberufe. Gleichzeitig scheiden immer mehr Pflegerinnen und Pfleger aus Altersgründen aus. Und das in einer Zeit, in der der Bedarf wächst, weil die Menschen immer älter werden.



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Steuern auf Pflegenotstand zu

Zwei Zahlen veranschaulichen das Problem. In den drei Jahrgängen der Krankenpflegeschule in Hellersen werden zurzeit 156 Frauen und Männer in Pflegeberufen ausgebildet. Platz wäre für 180. Schon heute kann die Lücke, die die jährlich ausscheidenden 30 bis 40 Beschäftigten hinterlassen, nicht mehr vollständig geschlossen werden. „Wir steuern auf den Pflegenotstand zu“, sagt Dr. Thorsten Kehe.

Krankenhäuser finanziell stärken

Für Dudas ist nach seiner Schicht in der Kardiologie klar: “Die Krankenhäuser müssen finanziell gestärkt werden. „Pflege ist auch Daseinsfürsorge. Sie kann nicht mit den üblichen betriebswirtschaftlichen Kennziffern gemessen werden.“ Ein zufriedener Patient, der das Krankenhaus gesund verlasse oder dessen Schmerzen gelindert worden sei, hinterlasse kein wirtschaftliches Ergebnis, dass sich in Heller und Pfennig niederschlage.

Das Gerangel der Lobbyisten ums Geld sei „Das habe ich noch nie so erlebt wie jetzt als Mitglied des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales“, räumte Dudas ein. „Gesundheit ist das absolute Hauptthema.“

Zuschüsse reichen nicht

Landesweit bereitet den Kliniken das Thema Krankenhausfinanzierung Kopfzerbrechen. „Wir können nicht alle notwendigen Investitionen selbst erwirtschaften“, klagte Dr. Kehe. Die Zuschüsse des Landes reichten nicht aus, um den Investitionsstau abzubauen. Unter dieser Entwicklung leide auch das Pflegepersonal.

Beruf bietet viele Chancen

Dagmar Keggenhoff, stellvertretende Pflegedirektorin, bereitet der Personalrückgang große Sorgen. Dabei biete der Beruf viele Chancen. Erfolgreiche Absolventen würden aktuell zudem zu hundert Prozent übernommen.

Gordan Dudas empfiehlt Schülerinnen und Schülern unbedingt einen Blick hinter die Kulissen, beispielsweise in einem Praktikum. Seine Büropraktikantin Zoe Berger von der Gesamtschule Kierspe hat den Abgeordneten am Freitag begleitet. Ihr Fazit: „Ein anstrengender aber doch irgendwie auch erfüllender Tag.“

 

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