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Die SPD-Veranstaltung "Politik trifft Betrieb" im Ohler Saal fand großes Interesse. Foto: privat

Plettenberg. Mit „Politik trifft Betrieb“ starteten die Sozialdemokraten im Märkischen Kreis eine neue Veranstaltungsreihe. Der Auftakt fand im Saal der Gaststätte zur Post in Ohle statt.

Volker Schmidt (rechts) moderierte die Diskussion. Foto: privat

Der Saal in Ohle war sehr gut gefüllt – zahlreiche Besucher waren der Einladung der SPD-Kreistagsfraktion und der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) im Märkischen Kreis gefolgt. Darunter nicht nur die heimischen Politiker sondern auch einige Gewerkschaftsfunktionäre und interessierte Angestellte. SGK-Vorsitzender und SPD-Landratskandidat Volker Schmidt moderierte die Podiums- und Publikumsdiskussion.

Zunächst ging Stefan Steinkühler, Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn, mit seinem Kurzvortrag „Rückblick und Ausblick auf dem heimischen Arbeitsmarkt“ auf die sich darstellenden Zahlen ein. Demnach unterscheidet sich der Märkische Kreis in seiner Industriekultur deutlich vom Landesdurchschnitt. 50 Prozent der heimischen Industrie ist im produzierenden Gewerbe tätig (Landesschnitt 27 Prozent). Während die Arbeitslosenquote in Nordrhein-Westfalen gesunken ist, musste Südwestfalen einen geringe Anstieg hinnehmen. Auch die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer sei moderat gestiegen. „Glücklicherweise sind wir aber noch weit entfernt von den schlimmen Zahlen des Krisenjahres 2009.“ Interessant sei zu beobachten, dass das Handwerk und die Pflegebranche händeringend nach Fachkräften suchten, während in der Metall- und Elektroindustrie die gemeldeten Stellen und angebotenen Ausbildungsplätze zurückgingen.

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Stefan Steinkühler stellte auch dar, dass der Märkische Kreis weiter an Population verlieren wird, die Prognose bis 2040 sieht hier einen Rückgang um 12,6 Prozent. Die nächsten 20 Jahre werden eine Herausforderung, weil dann viele Fachkräfte das Renteneintrittsalter erreichen werden.

Produkte für die Zukunft

Gudrun Gerhardt, die Erste Bevollmächtige der IG Metall im Märkischen Kreis, ging anschließend auf die Transformation der Automobilindustrie ein. Unsere Unternehmen seien Zulieferer und hingen am Verbrennungsmotor. Die Umstellung auf das E-Auto wirken hierbei bedrohlich auf unsere Industrie. Das Elektroauto werde derzeit als einzig wahre Alternative angepriesen, Hybrid und Wasserstoff müssten aber auch berücksichtigt werden. Diese Ungewissheit verunsichere die Märkte und mache Zukunftsplanungen unnötig kompliziert. Wichtig sei es, dass nun „Produkte für die Zukunft“ entwickelt werden, Entwicklungszentren würden benötigt. Die immer weiter fortschreitende Digitalisierung berge viele Risiken – aber auch Chancen. Darauf müssten sich die Unternehmen einstellen, bevor es zu spät ist. Sich nur auf Bund und Länder zu verlassen, sei fahrlässig. Hier vor Ort müssten die entscheidenden Weichen gestellt werden.

Nicht an Ausbildung sparen

Fabian Ferber, Gewerkschaftssekretär der IG Metall MK mit Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung, unterstrich hierbei die Bedeutung der Ausbildung und appellierte an die Unternehmer, weiter auszubilden. Es sei genau der falsche Weg, in der jetzigen angespannten Situation an der Ausbildung zu sparen. „Wir brauchen die alten Hasen mit Stallgeruch, die ihr Fachwissen in der betrieblichen Praxis an die jungen Mitarbeiter weitergeben.“ Die Städte und der Kreis seien wiederum gefragt, Geld in die Hand zu nehmen, um die Berufsschulen besser auszustatten und die ÖPNV-Verbindungen auszubauen. Gerade eine Kommune wie Plettenberg sei von einer verbesserten ÖPNV-Verbindung abhängig und könnte dadurch auch für Auswärtige interessanter werden.

Zu guter Letzt wurde die Bedeutung der Gewerkschaften unterstrichen. Doch das Interesse scheint zu schwinden. Einig waren sich die Redner und die Zuhörer, dass Weiterbildungsangebote von der Agentur für Arbeit besser beworben werden müssten – denn die einfachsten Jobs sind es, die als erste von Maschinen übernommen werden. Nur geschulte Mitarbeiter hätten bessere Chancen.

Positiv fiel das Fazit zu der neuen Reihe „Politik trifft Betrieb“ aus. Die neu auflebende Kommunikation zwischen Politik, Betrieben und Gewerkschaften gehört ausgebaut – zum Wohle aller.

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