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Die Firma Herbert Paul in Plettenberg ist in der Stanz- und Umformtechnik tätig. Foto: privat

Plettenberg. Eine Regierungserklärung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller (SPD), bringt den Plettenberger Unternehmer Thomas Knappe auf die Palme. Darum hat der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Herbert Paul GmbH & Co. KG eine geharnischte E-Mail an den Politiker geschickt.

„Ich glaube, dass die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihre Verantwortung und Verpflichtung im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung deutlich stärker wahrnehmen müssen als bisher“, hatte der SPD-Politiker am Donnerstag (7. Januar) in einer Regierungserklärung im Berliner Abgeordnetenhaus die Wirtschaft attackiert. Er verlangte von der deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise mehr Solidarität, vor allem mehr Homeoffice-Angebote. „Es geht nicht, dass wir immer stärker im privaten Bereich einschränken, immer stärker bei Älteren und Familien, aber die Unternehmen weiter so tun, als hätten wir kein Problem.“

“Entsetzt und maßlos verärgert”

Thomas Knappe, Geschäftsführer der Firma Herbert Paul GmbH & Co. KG Foto: privat

„Die Firma Herbert Paul ist zwar nicht in Berlin ansässig, jedoch hat mich Ihre pauschale Aussage, dass Unternehmen weiter so tun, als hätten wir kein Problem, entsetzt und maßlos verärgert“, schreibt Thomas Knappe in seiner Mail, die er an Michael Müller und verschiedene Medien geschickt hat, und dürfte mit dieser Meinung nicht alleine dastehen. Am Beispiel seines Unternehmens schildert Knappe, dass es im produzierenden Gewerbe nur sehr bedingt möglich sei, Homeoffice-Lösungen anzubieten, dennoch aber sehr viel für den Schutz der Mitarbeiter getan werde: „Neben der üblichen Hygienekonzepterarbeitung, der Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und Masken, der Verminderung von Personen in einzelnen Räumen, haben wir für Büros und Besprechungsräume in Luftumwälzungsanlagen investiert und die Betriebsferien um zwei Tage verlängert, damit unsere Mitarbeiter mit dem geringstmöglichen, vom Betrieb ausgehenden Risiko in die Weihnachtszeit starten konnten. Aufgrund unserer Struktur und der Gegebenheiten im produzierenden Gewerbe ist es für uns äußerst schwierig, Homeoffice-Lösungen anzubieten. Derzeit betrifft dies lediglich zwei Arbeitsstellen, bei denen Homeoffice möglich ist – und das auch nur zeitweise!“

Politik verspielt Kredit

Am meisten ärgert Thomas Knappe, dass Müller Unternehmen anprangere, aber Versäumnisse und Fehler der Politiker außen vor lasse. Am Anfang der Pandemie habe die Politik noch Kredit gehabt, den sie aber mittlerweile verspielt habe. „Während im Sommer branchenübergreifend Maßnahmen zur Herabsetzung des Infektionsgeschehens umgesetzt wurden, hat die Politik sich eine Auszeit genommen und beweihräuchert, wie gut man durch diese Situation gekommen sei. Zwischenzeitlich ließ Herr Spahn (Bundesgesundheitsminister) verlauten, dass es mit dem Wissen von heute keinen zweiten Lockdown gäbe. Nun wissen wir es besser. Den Bürgerinnen und Bürgern werden Bröckchen an Informationen zugeworfen, damit sie ruhig bleiben, anstatt eine klare und konsequente Linie zu fahren. Das, sehr geehrter Herr Müller, ist in einem Wirtschaftsunternehmen nicht möglich.“

Kampf ums nackte Überleben

Als mittelständischer Unternehmer fühlt Knappe sich für seine Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich: „Uns liegt sowohl die Gesundheit unserer Mitarbeiter als auch derer Familien am Herzen und dies nicht nur, weil wir die Arbeitskraft benötigen, um unsere Waren herzustellen, sondern auch menschlich.“ Nach zehn Monaten Kurzarbeit liege der Fokus darauf, das Unternehmen zu erhalten und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern.

„Wir werden in Homeofficelösungen investieren, um für zukünftige Ereignisse handlungsfähig zu bleiben, allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Im Moment kämpfen wir, wie viele andere Unternehmen und auch der Einzelhandel, die Reisebranche, die Gastronomie, die Veranstaltungsbranche etc., um das nackte Überleben”, stellt Thomas Knappe fest. “Umso mehr schmerzt Ihre Aussage, zumal wir uns alle die Normalität zurückwünschen, denn auch Unternehmer gehen gerne vor die Tür. Sei es zu einem Einkaufsbummel oder zu einem Glas Bier in die Kneipe um die Ecke.“

INFO

Die Firma Herbert Paul an der Ebbetalstraße in Plettenberg-Oesterau ist in der Stanz- und Umformtechnik tätig und arbeitet zu etwa 60 Prozent als Zulieferer für die Automobilindustrie. Zurzeit werden 45 Mitarbeiter beschäftigt.

Internetlink: stanzteile-paul.de

1 KOMMENTAR

  1. Besser als Herr Knappe kann man es nicht sagen! In seiner Firma wurde sogar für Büros und Besprechungsräume in Luftumwälzungsanlagen investiert! Das würden sich viele Eltern für die Unterrichtsräume in den Schulen wünschen. – Ganz abgesehen vom generellen Zustand vieler Schulen! Mittlerweile sind in vielen anderen Ländern schon Millionen Menschen geimpft. Außer bei uns! Minister Spahn hat von Anfang viel zu langsam auf die Pandemie reagiert; dann hatte er Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Masken, jetzt ist zuwenig Impfstoff vorhanden. Ich gebe Herrn Knappe Recht: diese Regierung hat fertig.

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