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Beeindruckende Technik: Die riesigen Turbinen sind die Herzstücke des Pumpspeicherwerks Rönkhausen. Foto: Bernhard Schlütter


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Plettenberg. Über das topaktuelle Thema „Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen“ informierten sich Mitglieder der Plettenberger SPD bei einem Besuch im Pumpspeicherwerk Rönkhausen. In Betriebsleiter Jörg Klages von Mark-E hatten die Sozialdemokraten einen kompetenten Ansprechpartner.

Betriebsleiter Jörg Klages (l.) führte die Plettenberger SPD-Mitglieder durchs PSW Rönkhausen. Foto: Bernhard Schlütter

Pumpspeicherwerke wie das in Finnentrop-Rönkhausen stellten die derzeit kostengünstigste Technologie zur mittelbaren Speicherung großer Strommengen dar, erläuterte Jörg Klages. Bei der Energiewende in Deutschland setze die Politik schwerpunktmäßig auf Wind und Sonne als Energiequellen. Diese ständen naturgemäß aber nicht kontinuierlich zur Verfügung. „Pumpspeicherwerke wirken regulierend. Wir können hier in zwei Minuten hochfahren und Strom ins Netz einspeisen“, berichtete Klages.

Diese Absicherung der Stromversorgung werde in Zukunft unbedingt gebraucht. Jörg Klages hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Wenn wir uns in Deutschland nur auf regenerative Energiequellen verlassen, sind wir verlassen.“



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Warum werden aufgrund der offensichtlichen Vorteile nicht mehr Pumpspeicherwerke errichtet? „Dafür ist unsere Politik zu unbeständig“, glaubt Jörg Klages. Planung und Bau eines Pumpspeicherwerkes dauerten sicher zehn bis zwölf Jahre und kosteten Millionen. „Dafür braucht man Planungssicherheit, die derzeit nicht vorhanden ist.“

Energiespeicher fasst 735 MWh

Foto: Bernhard Schlütter

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Im Oberbecken des Pumpspeicherwerks stecken insgesamt 735 Megawattstunden gespeicherte Energie. Immer wenn Schwankungen im Stromnetz – beispielsweise durch ein „Mehr oder Weniger“ an erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne – auszugleichen sind, liefert oder speichert es Energie. Die Anforderung erfolgt per Fernsteuerung. Öffnen die Kugelschieber der Anlage, strömen aus dem Oberbecken 67.000 Liter Wasser pro Sekunde auf zwei Pumpturbinen im Krafthaus. Der Stauinhalt reicht für fünf Stunden Betrieb, dann wird das Wasser zurück vom Unter- ins Oberbecken gepumpt. Die Technik ist bis auf die beiden künstlich angelegten Speicherbecken komplett unterirdisch installiert.

25 Mio. Euro investiert

Die SPD-Mitglieder waren beeindruckt von den beiden gewaltigen Turbinen in den unterirdischen Hallen des Krafthauses. Gewaltig war auch der Aufwand für die im vergangenen Jahr durchgeführte Sanierung des Pumpspeicherwerks. 25 Millionen Euro wurden von den Gesellschaftern Mark-E und Stadtwerke Aachen AG (STAWAG) investiert. Sie sind zu je 50 Prozent an der PSW Rönkhausen GmbH & Co. KG beteiligt. Mark-E pachtet das PSW von der Gesellschaft und verantwortet Einsatzweise, Betrieb und Vermarktung.

Die wesentlichen Maßnahmen im Einzelnen:

  • Die Instandsetzung der alten Abdichtung des Oberbeckens (ca. 100.000 m²). Hierzu wurde die Asphaltoberfläche des Oberbeckens abgefräst und eine neue Asphaltschicht aufgebracht.
  • Die Erweiterung der Speicherkapazität um ca. 70.000 m³. Zu diesem Zweck Errichtung einer ca. 1,20 Meter hohen Wellenschutzwand sowie Erhöhung der Überlaufschwelle am Unterbecken.
  • Die Durchführung einer großen Revision an allen Maschinenteilen (letzte große Revision in 2003). Hierzu wurden die Hauptkomponenten (Pumpturbinen und Kugelschieber) komplett demontiert und zur Werksüberholung nach Süddeutschland transportiert.

Energiepfad rund ums Oberbecken

Foto: Bernhard Schlütter

Das Oberbecken des Pumpspeicherwerks ist auch eine touristische Attraktion. Die Plettenberger Sozialdemokraten spazierten die 1,3 Kilometer rund um die „größte Badewanne des Sauerlandes“ und genossen die herrliche Fernsicht. Neu eingerichtet worden ist dort der Energiepfad mit Informationen zu den Themen „Von Null auf 100 in zwei Sekunden“, „Energiespeicher und Multitalent“, „Klimafreundlich in die Zukunft“ und „Power dank Strom“. Für kleine Gäste und Menschen mit Handicap wurden Sichtfenster in die Schutzwand eingebaut; Bänke laden zum Ausruhen ein.

INFO: PSW Rönkhausen

Das PSW Rönkhausen-Glinge ist eines von zwei Pumpspeicherkraftwerken in Nordrhein-Westfalen. Es wurde zwischen 1965 bis 1968 errichtet und befindet sich seit 1969 im kommerziellen Betrieb. Nach der Sanierung ist das Pumpspeicherwerk fit für die Zukunft und soll nach jetzigem Stand bis zum Jahr 2045 weiterbetrieben werden.

Das PSW arbeitet wie ein riesiger Akku. Wenn im Stromnetz wenig Energie benötigt wird, wird Wasser aus dem Unterbecken in das 300 Meter höher gelegene Oberbecken gepumpt. Steigt der Stromverbrauch auf Spitzenwerte oder fällt die Erzeugung aus anderen erneuerbaren Energiequellen aus, werden die Kugelschieber geöffnet. Dann strömt das Wasser vom Oberbecken durch den 936 Meter langen Druckstollen und die Pumpturbinen im Krafthaus am Unterbecken. Die angekoppelten Generatoren erzeugen Strom, mit dem die Spitzenlast gedeckt und das Netz stabilisiert wird.

Foto: Bernhard Schlütter

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