plettenberger_helfen
Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (SPD, 2. von rechts) besuchte den Verein Plettenberger helfen, dessen Mitglieder sich ehrenamtlich für hilfebedürftige Plettenberger, derzeit insbesondere die Flüchtlinge einsetzt. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. “Plettenberger helfen ist eine Erfolgsgeschichte”, stellt Michael Schulte fest. Die spontane Idee eines Weihnachtsessens für Bedürftige brachte 2014 eine Schar von Frauen und Männern zusammen, die es nicht bei dieser einmaligen Aktion belassen wollten. Eine Facebook-Gruppe wurde eingerichtet, die innerhalb weniger Stunden auf mehrere hundert Mitglieder anwuchs; inzwischen sind es über 900. Sie nutzen das soziale Netzwerk, um in konkreten Fällen Hilfe zu leisten. Im Oktober 2015 wurde der Verein “Plettenberger helfen” gegründet. Vorsitzender ist Michael Schulte.

michael_schulte
Michael Schulte (links) ist Vorsitzender des Vereins Plettenberger helfen, der eng mit der Stadtverwaltung und Bürgermeister Ulrich Schulte (rechts) zusammenarbeitet. Foto: Bernhard Schlütter

“Wir sehen uns als eine Gemeinschaft für Bedürftige an und sind für jeden da, der Hilfe benötigt”, heißt es in der Gruppenbeschreibung bei Facebook. Aktuell bildet die Hilfe für Flüchtlinge in Plettenberg, vor allem die in der Oesterhalle untergebrachten Menschen, den Schwerpunkt des ehrenamtlichen Einsatzes. Am Mittwoch (3. Februar) traf die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag die Helferinnen und Helfer in der Oesterhalle. Im offenen Gespräch schilderten sie der Politikerin ihre Beweggründe und Erlebnisse, machten auch deutlich, woran es mangelt.

“Wir sind keine Gutmenschen, sondern wir helfen, weil wir gute Menschen sein wollen”, meint Michael Schulte in Anspielung auf das Unwort des Jahres 2015. Und “es macht uns auch Spaß”. Das wird bei Erzählungen der Helfer/innen deutlich. “Wir organisieren Sachspenden, vermitteln Patenschaften. Die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Leute ist riesig”, berichtet Meri Hoxha. In der Oesterhalle organisiert der Verein die Essensausgabe. Dörte Kaul koordiniert die Einsätze der Helfer/innen. “Das hat sich gut eingespielt. Die Bewohner helfen mit.”

Bürgermeister Ulrich Schulte bekräftigt, dass die Ehrenamtlichen Arbeit leisten, die die Stadtverwaltung gar nicht bewältigen könnte. Unterkünfte wie in der Oesterhalle oder demnächst am Friedhahn in Ohle könnten und dürften aber nur Übergangslösungen sein. “Wir müssen zusätzlichen Wohnraum für die Menschen errichten, die hier bleiben werden. Dazu brauchen die Kommunen mehr Mittel”, lautet seine dringende Forderung an die Landes- und Bundespolitik.

Klare Hinweise auf Regeln

dagmar_freitag
Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (SPD) besuchte den Verein Plettenberger helfen, dessen Mitglieder sich ehrenamtlich für alle hilfebedürftigen Plettenberger, derzeit insbesondere die Flüchtlinge einsetzt. Foto: Bernhard Schlütter

Knapp 50 Flüchtlinge sind derzeit in der Oesterhalle untergebracht, aktuell ausschließlich Männer. “Wir haben Syrer, Marokkaner, Tunesier, Afghanen, Iraker, Ghanaer”, schildert Dörte Kaul das Völkergemisch. “Da gibt es auch Differenzen untereinander. Aber das ist doch ganz normal und wäre auch so, wenn 50 Deutsche auf diese Art und Weise zusammen leben müssten.” Sie hat die Erfahrung gemacht, dass klare Hinweise auf Regeln und die hier üblichen Verhaltensweisen z.B. im Miteinander von Frauen und Männern von den Flüchtlingen akzeptiert werden und sie sich danach verhalten.

Hemmnisse bei der Integration der Flüchtlinge würden durch Verwaltung und Bürokratie eingebaut, meint Mohamed. Er lebt seit 42 Jahren in Deutschland. Mit seinen arabischen Sprachkenntnissen ist er derzeit fast den ganzen Tag als Dolmetscher im Einsatz, geht mit Flüchtlingen ins Rathaus, hilft, Kinder in Schulen anzumelden und Leute in Sprachkursen unterzubringen. “Seit einiger Zeit geht das nur noch über Lüdenscheid und dauert viel zu lange”, schilderte er Dagmar Freitag. Gleiches gelte für die Feststellung des Aufenthaltsstatus’.

“Was wir jetzt nicht machen, schlägt sich in vier bis fünf Jahren nieder, und dann wird es noch teurer.”

“Die Verfahren sollten möglichst schnell und effizient sein”, stimmte Dagmar Freitag zu. Durch neue Stellen in den zuständigen Behörden erhofft sich sie Verbesserungen. Sie geht davon aus, dass viele der Flüchtlinge dauerhaft in Deutschland bleiben werden. “Daher müssen wir jetzt an deren Integration arbeiten. Was wir jetzt nicht machen, schlägt sich in vier bis fünf Jahren nieder, und dann wird es noch teurer.” Die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten steht für sie nicht zur Diskussion. Allerdings müsse die Last in der Europäischen Union besser verteilt werden. “Die EU hat sich als Wertegemeinschaft gegründet. Die steht auf dem Prüfstand.” Darüber hinaus brauche Deutschland ein Einwanderungsgesetz, das “vernünftig definiert, wer zu uns kommen kann”.

meri_hoxha
Meri Hoxha gehört zu den Initiatorinnen von Plettenberger helfen. Foto: Bernhard Schlütter

Ungeachtet der “großen Politik” werden die Plettenberger weiter helfen. Daran lassen die Ehrenamtlichen keinen Zweifel. Und obwohl sie auch einiges einstecken müssen, erfahren sie doch überwiegend Zustimmung. “Alle Plettenberger helfen. Jeder unserer Aufrufe, etwas zu spenden, hat Erfolg”, berichtete Meri Hoxha.

Wer ebenfalls helfen möchte, findet die Gruppe “Plettenberger helfen” bei Facebook oder kann anrufen unter 0171 2996950. “Bei uns kann jeder Mitglied werden. Es kostet keinen Beitrag”, erklärt Michael Schulte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here