Terragon
So hätte die "Seniorenresidenz Wilhelmstraße 2" aussehen können (Ansicht vom Sternplatz aus). Grafik: Stephan Höhne Gesellschaft von Architekten mbH

Lüdenscheid. (PSL) Aus der Idee, Service-Wohnungen für Senioren mitten in der Innenstadt zu bauen, wird erst einmal nichts: Die Pläne für den Abriss des Peek&Cloppenburg-Gebäudes und die anschließende Errichtung eines großen Wohn- und Geschäftshauses sind gescheitert. Das teilt die Stadt Lüdenscheid mit.

Die mit dem Projekt beauftragte Terragon AG aus Berlin begründet das mit der „sehr herausfordernden Grundstückssituation“ und unterm Strich zu hohen Kosten für die Realisierung des Vorhabens. Die Lüdenscheider Stadtverwaltung arbeitet jetzt zusammen mit den Projektentwicklern an einem Plan B.

Bis zu 150 barrierefreie und hochwertige Wohnungen mit Dienstleistungen, die Senioren individuell buchen können. Dazu eine Tagespflege-Einrichtung, ein Wellness-Bereich, eine Parkanlage im Innenhof sowie Platz für Gastronomie, Dienstleister und Einzelhandel. Verteilt auf vier bzw. fünf Etagen, die zur Wilhelmstraße und zum Sternplatz zeigen, sowie auf einen 39 Meter hohen Turm mit 13 Geschossen an der Ecke zum Sauerfeld. Das sahen die im Sommer 2020 vorgestellten Pläne vor.

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Tiefgarage nicht möglich

Die „Hochhaus-Lösung“ sei wegen des Flächenbedarfs für das Projekt, aber auch wegen der angrenzenden Gebäude alternativlos, sagt Martin Linz, Geschäftsführer der Terragon Projekt GmbH. Ebenfalls alternativlos: der Bau einer Tiefgarage. „Die brauchen wir in unserem Segment“, so Linz. Und genau das sei der erste von insgesamt drei Knackpunkten. Die dafür erforderlichen Tiefbauarbeiten seien – auch wegen der Hanglage des P&C-Grundstücks – enorm aufwendig.

Sehr hohe Baukosten

Im Juni 2020 herrschte bei der Vorstellung des Projektentwurfs noch großer Optimismus. Foto: TACH!-Arciv

Das führe zum zweiten Knackpunkt: insgesamt sehr hohen Baukosten. Die wiederum würden hinterher „zu Mieten führen, die nicht marktgerecht und damit nicht attraktiv wären“, erklärt Linz. Zusammen mit mehreren Architekten habe die GmbH nach einer realisier- und gut bezahlbaren Lösung gesucht – vergeblich. Die infolge der Corona-Pandemie deutlich gestiegenen Kosten für Baustoffe würden den Preis zudem zusätzlich in die Höhe treiben.

Schwierige Verkehrssituation

Knackpunkt Nummer drei: die schwierige Verkehrssituation. Der Wohn- und Gebäudekomplex könnte ausschließlich über die Sauerfelder Straße angefahren werden. Dort befinden sich zahlreiche Bushaltestellen, wo täglich bis zu 25.000 ÖPNV-Nutzer*innen in Busse ein- und aussteigen. „Es ist schwierig, eine Zufahrt ohne große Beeinträchtigungen für den Busverkehr zu ermöglichen“, so der Geschäftsführer der Terragon Projekt GmbH.

Diese Gemengelage habe schließlich dazu geführt, dass der geplante Betreiber der Service-Wohnungen sich von dem Projekt zurückgezogen und auf einen Kauf des P&C-Grundstücks verzichtet habe. „Das ist sehr schade, denn wir haben an einem städtebaulich anspruchsvollen Projekt super zusammengearbeitet und hatten jederzeit große Unterstützung“, lobt Linz die Stadtverwaltung.

Noch Interessenten vorhanden

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer gibt das Lob zurück. Dennoch sei es „natürlich absolut bedauerlich, dass dieses Schlüsselprojekt für Lüdenscheid nun doch nicht zustande kommt“. Das Stadtoberhaupt und Martin Bärwolf, Leiter des Fachbereichs Bauen und Wohnen, blicken aber bereits nach vorn. Denn: Interessenten für das P&C-Grundstück gebe es nach wie vor. Zudem hat sich die Terragon AG als Vermittler für einen anderen Betreiber angeboten. Wagemeyer und Bärwolf wollen darüber hinaus die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft weiter vorantreiben.

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