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Märkischer Kreis. (pmk) Wenn Kinder und Jugendliche nicht in ihren Familien bleiben können, brauchen sie ein neues Zuhause. Der Film „Pflegeeltern werden“, den der Märkische Kreis in Auftrag gegeben hat, soll Mut machen, ein Kind bei sich aufzunehmen.

“Wir suchen laufend Pflegeeltern, die Kinder oder Jugendliche zum Teil aus sehr schwierigen Familienverhältnissen, zeitweise oder langfristig bei sich aufnehmen können”, erklärt Silke Hufenbach vom Besonderen Sozialen Dienst des Märkischen Kreises. Viele Paare und Familien sind unsicher, ob sie diesen Schritt wagen sollen. Um die Hemmschwelle zu senken, sich beim Pflegekinderdienst für eine persönliche Beratung zu melden, hat der Märkische Kreis eine Videoproduktion zum Thema in Auftrag gegeben.

Der sechsminütige Film wurde vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie von Sternemann Media aus Fröndenberg gedreht. Er soll Paare und Familien ermutigen, sich für ein Pflegekind zu entscheiden. Angedacht ist, ihn für die Städte und Gemeinden im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes sowie für Schulungen und Infoveranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

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Im Mittelpunkt des einfühlsamen Films stehen die Fragen: Was muss ich tun, um ein Pflegekind aufzunehmen? Wie werden Pflegeeltern vor, während und nach der Aufnahme durch das Kreisjugendamt begleitet und unterstützt? Wie gehen Pflegeeltern mit emotionalen Konflikten um?

Familie Keune ein Glücksfall

“Ein Glücksfall war, dass wir den Film mit Familie Keune aus Kierspe umsetzen durften”, erzählt Produzent Christopher Sternemann. Es gibt keinen Moment, der inszeniert ist. “Wir haben die Familie in ihrem Alltag wirken lassen und dabei sind sehr schöne Szenen entstanden. Sehr emotional wurde es bei den Dreharbeiten, als Hartmut und Sabine uns auf die lange Reise mitgenommen haben, von der Entscheidung, ein Kind bei sich aufzunehmen, bis zum heutigen Tag – Mit all den Hürden, Problemen aber auch den schönen Zeiten, die wohl letztlich alle Mühen aufgewogen haben”, beschreibt der Filmproduzent die Herangehensweise. Auch der Pflegesohn des Paares gibt einen Einblick, welche Erfahrungen er gemacht hat und wie er mit Vorurteilen umgeht.

Der Film zeigt, wie sehr ein enger Draht zwischen Pflegeeltern und den zuständigen Fachleuten und Behörden allen Beteiligten, aber vor allem der Entwicklung des Pflegekindes dient. Auch die Schulungen, Workshops und fachliche Betreuung sowie der Austausch mit anderen Pflegeeltern ist eine wichtige Unterstützung.

Familie Keune ist sehr glücklich über die Unterstützung des Jugendamtes des Märkischen Kreises, wenn die Zeiten nicht so einfach waren. Foto: Sternemann/Märkischer Kreis

Bedürfnisse der Kinder ausschlaggebend

“Bevor wir Kinder oder Jugendliche in Obhut von Pflegeltern geben, schauen wir uns die Bewerber erstmal gründlich an”, verrät Silke Hufenbach. Der Pflegekinderdienst des Märkischen Kreises bietet gemeinsam mit der Evangelischen Jugendhilfe Menden Schulungen für Paare an, die Pflege- oder Adoptivkinder aufnehmen wollen. “Wir richten uns in erster Linie nach den Bedürfnissen der Kinder, nicht der Eltern. Die Situation muss aber für beide passen”, beschreibt Silke Hufenbach vom Pflegekinderdienst das Vorgehen.

Für ein erstes Informationsgespräch zu einer möglichen Bewerbung können die Mitarbeiterinnen des Jugendamtes oder auch der Träger direkt angesprochen werden. In diesem Gespräch erfahren die Bewerber, was die Aufnahme eines Pflegekindes bedeutet – aus welchen Situationen die Kinder kommen, wie die rechtliche Grundlage eines Pflegeverhältnisses ist, wer alles beteiligt ist und auch, wie die weitere Schulung aussieht. Zum Auswahlverfahren gehören die Prüfung des erweiterten Führungszeugnisses, des Gesundheitszeugnisses sowie des Bewerberbogens mit Angaben zu privaten und finanziellen Verhältnissen.

Einzelgespräche und Seminar

In mehreren Einzelgesprächen und einem Kurs über sechs Abende setzen sich die Bewerber*innen mit ihren eigenen Erfahrungen und ihrer Haltung zu Fragen der Erziehung und Bindung auseinander. Ein Fokus wird auf Toleranz und Wertschätzung gegenüber anderen Familiensystemen gelegt, wie etwa dem der Herkunftsfamilie des Kindes. Dies dient der Entscheidung der Bewerber*innen, sich auf ein Pflegekind einzulassen und bildet die Grundlage der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Märkischen Kreises im Zusammenhang mit der Aufnahme eines Pflegekindes.

Unter pflegekinderdienst@maerkischer-kreis.de oder finke@ev-jugendhilfe-menden.de können sich Interessierte jederzeit melden. Die Termine des nächsten Seminars werden rechtzeitig bekannt gegeben. Informationsgespräche und Einzelgespräche werden nach Anfrage angeboten. Der nächste Kurs zur Pflegeelternschulung startet Anfang 2021.

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