Viele der Besucher im ehemaligen Pfeiffer-Komplex fürchten um die Sicherheit im Stadtteil. Fotos: Wolfgang Teipel

Plettenberg. Bis zu 320 Flüchtlinge könnten im Laufe dieses Jahres die Pfeiffer’schen Fabrikhallen Am Friedhahn beziehen. Dazu könnten zwölf bis 15 sogenannte unbegleitete Kinder und Jugendliche kommen, die ihre Heimatländer ohne Angehörige verlassen haben. Sie sollen zusammen mit einer Hauswart-Familie im ehemaligen Bürogebäude untergebracht werden. Bürgermeister Ulrich Schulte hofft, dass die Hallen am Friedhahn spätestens nach drei Jahren wieder freigezogen werden können. „Das ist keine Lösung auf Jahrzehnte“, sagte er am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung auf dem Fabrikgelände. Das hoffen wohl auch die meisten der Ohler, die am Mittwoch mehr über die Planungen der Stadt Plettenberg erfahren wollten.

Karge Zelle als Anschauungsmaterial

Auf dem Weg zu ihren Plätzen konnten sie einen Blick in eine winzige Zelle werfen. Zwei Doppelstockbetten, zwei Schränke ein Tisch und vier Stühle, umrandet von Bauzaun-Elementen, die mit Planen abgehängt sind – kein schöner Platz zum Schlafen und Leben. Insgesamt 80 Stück soll es davon geben.

Eine karge Zelle: Sie bietet Platz für vier Personen. 80 Stück soll es davon geben.
Eine karge Zelle: Sie bietet Platz für vier Personen. 80 Stück soll es davon geben.

Sie sollen den Flüchtlingen ein Minimum an Privatleben bieten und zwar solange, bis sie dezentral in Wohnungen untergebracht werden können. In einer zweiten, kleineren, Halle wird ein Gemeinschaftsraum eingerichtet. Hier sollen auch die Mahlzeiten ausgegeben und eingenommen werden. Dazu kommt ein Komplex mit Sanitäreinrichtungen. Außerdem sollen Büros für die städtischen Sozialarbeiter eingerichtet werden. Sie müssten sich künftig mehr am Friedhahn als im Rathaus aufhalten, erläuterte der Bürgermeister.

“Stehen als Kommune mit dem Rücken zur Wand”

„Wir stehen als Kommune mit dem Rücken zur Wand“, bekannte Ulrich Schulte. Die Stadt habe den Pfeiffer’schen Komplex keinesfalls ausgewählt, um hier Flüchtlinge zu konzentrieren. „Wir mussten ihn nehmen, weil er uns angeboten wurde.“ Alternativ hätte die Stadt zwei Turnhallen zur Belegung vorbereiten müssen. Das sei durch die Lösung am Friedhahn verhindert worden.

Für die Betreuung und Kontrolle der unbegleiteten Kinder und Jugendliche werde ein Verband der freien Jugendpflege verantwortlich sein. Damit habe die Stadt Plettenberg nichts zu tun. Für die Sicherheit der Flüchtlinge und der Anlieger soll ein Security-Dienst zuständig sein. Dass dieser Dienst zunächst von einer Person pro Schicht übernommen wird, sorgte im Publikum für ungläubiges Gelächter.

Ohler fürchten um ihre Sicherheit

Zahlreiche Besucher fürchten um die Sicherheit im Stadtteil Ohle. Sie glauben, dass die Kriminalitätsrate mit der Zeit ansteigen wird. Sie sind auch davon überzeugt, dass die Zahl der Delikte in Plettenberg, das zurzeit 569 Flüchtlinge beherbergt, bereits zugenommen hat. Bürgermeister Ulrich Schulte wies diese Vermutungen zurück. Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs sei das nicht der Fall.

Bürgermeister Ulrich Schulte: "Wir stehen als Kommune mit dem Rücken zur Wand."
Bürgermeister Ulrich Schulte: “Wir stehen als Kommune mit dem Rücken zur Wand.”

Schulte appellierte an die Besucher, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Die Leute müssen beschäftigt werden“, sagte er. Das nehme „den Druck aus dem Kessel.“ Im Übrigen seien ihm zwei Ohler lieber, die mit einer Gruppe Asylsuchender den Stadtteil sauber hielten, als „eine Bürgerwehr mit 20 Mann.“

Schon heute Pöbeleien

„Alles schön und gut“, sagte ein Sprecher aus dem Publikum. „Aber wir wollen wissen, wann endlich mal Schluss ist.“ Er warf der Politik „Totalversagen“ vor. „Die Mehrheit sieht schwarz“, schallte es dem Bürgermeister aus der Halle entgegen. Schon heute würden Mädchen und junge Frauen angepöbelt. Andere sehen die Entwicklung in Ohle pragmatisch. „Lasst uns die Dinge einfach anpacken. Wir sollten nicht die ganze Angst aufnehmen“, sagte eine weitere Sprecherin.

Runder Tisch am 17. Februar

„Die Menschen brauchen keine Drohungen, sondern Hilfe“, richtete eine Frau, der vor 30 Jahren das Bleiberecht in Deutschland zugesprochen worden ist, einen emotionalen Appell an die Besucher. „Das sind keine Menschen, die Ärger verbreiten wollen. Sie sollten ihnen die Hand geben und sie kennenlernen.“

Wie interessierte Ohler das machen können, soll bei einem runden Tisch am 17. Februar besprochen werden.

 

 

 

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