Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Kürzlich hat ihr jemand mit einem breiten Grinsen zugerufen „Ruhestand“. Das war ein Tag, nachdem Petra Crone bekannt gegeben hatte, dass sie im September 2017 nicht wieder für den Deutschen Bundestag kandidieren werde. Auf den Ruhestand muss die Kiersper SPD-Bundestagsabgeordnete noch gut 19 Monate warten. Und auch danach wird sie die Hände nicht in den Schoß legen. „Ich habe immer ehrenamtlich etwas gemacht“, sagt sie. So soll es auch bleiben. Zurzeit lautet die Parole: „Durchstarten und das mit voller Kraft.“

Der Terminkalender ist gut gefüllt. Am Sonntag die „Gelsenkirchener Gespräche“, am Montag zu Fachgesprächen nach Meinerzhagen. Hier ging es um die Zukunft der Pflegeberufe. Dann die Besuche bei den Jahreshauptversammlungen im Petra Crones riesigem Wahlkreis, der den Kreis Olpe und den südlichen Märkischen Kreis umfasst.

“Die Tage sind manchmal schon sehr lang”

Die kleinen Themen vor Ort und die großen Themen wie die Entgeltgleichheit von Frau und Mann, das Bundesjagd- und Waldgesetz oder die Reform der Pflegeberufe – das alles erforderte große Aufmerksamkeit und viel Kraft. „Die Tage sind manchmal schon sehr lang. Das wird sich bis zur Wahl nicht ändern“, versichert Petra Crone, auch wenn sie es manchmal gern ein wenig leichter hätte. Politikerschicksal eben.

Petra Crone und Frauenministerin Manuela Schwesig
Petra Crone und Frauenministerin Manuela Schwesig

Petra Crone hat es angenommen, auch wenn sie manchmal mit der allgemeinen Stimmung im Lande hadert. Frust habe bei ihrer Entscheidung keine Rolle gespielt. „Ich bin stolz darauf, dass die große Koalition vieles umgesetzt hat, das vielen zugute kommt“, sagt sie.

Weiter dicke Bretter bohren

Der Kita-Ausbau, der Mindestlohn, das Kindergeld plus, die Rente mit 63 ohne Abschlag bei 45 Beitragsjahren – das und mehr werde oft von anderen Themen überlagert. Vieles werde schon nach kurzer Zeit als selbstverständlich betrachtet. Aber auch damit kann die Politikerin leben. Also heißt es weiter dicke Bretter bohren, in Olpe, Lüdenscheid, Berlin und anderswo.

Ihren späten Einstieg in die Bundespolitik hat sie nie bereut. Beim ersten Einzug in den Bundestag 2009 war Petra Crone bereits 59 Jahre alt. „Das war kein Nachteil“, sagt sie rückblickend. Jede Menge Lebenserfahrung, gut vernetzt in Gesellschaft und Partei, das war ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte. „Dazu kommt die Arbeit mit meinem jungen Team in Berlin – inspirierend und bereichernd.“ Das gelte selbstverständlich auch für die Mitarbeiter vor Ort.

Petra Crone: “Man muss auch loslassen können”

Dennoch: „Man muss auch loslassen können.“ Die Entscheidung habe sie nach reiflicher Überlegung getroffen. Gespräche mit ihrem Mann Michael und der gesamten Familie sowie ihrem Kollegen Willi Brase, der ebenfalls 2017 nicht mehr zur Verfügung steht, seien vorausgegangen. Außerdem findet sie es nur fair, den Ortsvereinen ausreichend Zeit zu geben, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Ob es wieder eine Frau wird? „Das ist schwer zu sagen.“

Für eine abschließende Bilanz der Zeit im Bundestag sei es noch zu früh, wehrt Petra Crone ab. „Außerdem will ich und wollen wir bis zum September 2017 noch so einiges schaffen.“

Großes Vorbild Willy Brandt

Für die Zeit danach ist auf jeden Fall eins klar: „Den Arbeitskreis ‚Demografie – lebenslanges Lernen‘ wird es auf jeden Fall weiter geben“, kündigt Petra Crone an. Arbeiten mit Herz und Verstand, den gesellschaftlichen Wandel mitgestalten, so wie ihr großes Vorbild Willy Brandt, das wird Petra Crone wohl niemals aufgeben.

Zur Person: Petra Crone absolvierte die Mittlere Reife am Lüdenscheider geschwister-Scholl-Gymnasium, machte eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin in Coburg und holte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach. An der Uni Wuppertal studierte sie Sozialwissenschaften. 1972 zog sie mit ihrem Mann Michael nach Kierspe. 1988 trat sie in die SPD ein und wurde sofort politisch aktiv. Unter anderem war sie einige Jahre Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Halver/Kierspe und Vorsitzende des Ortsvereins Kierspe. Zwanzig Jahre, von 1994 bis 2014 war sie Mitglied im Rat der Stadt Kierspe, in der Zeit von 1999 bis 2007 als Vorsitzende der SPD- Fraktion.

2005 scheiterte sie bei ihrem ersten Versuch für den Bundestag zu kandidieren parteiintern an ihrem Gegenkandidaten Uwe Beul aus dem Kreis Olpe. Vier Jahre später wurde sie im zweiten Anlauf von 91 Prozent der sozialdemokratischen Delegierten gewählt.

 

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