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Wieghardt
Galerieliterin Dr. Susanne Conzen zeigt auf eine Aktmalerei Wieghardts. Sie entstand während seiner Zeit an der Kunstakademie Dresden. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Figur im Raum – sie war das lebenslange Thema des Lüdenscheider Malers Paul Wieghardt. Er zählt zu den bedeutendsten Malern, die die Stadt hervorgebracht hat. „Ein faszinierendes Werk“, sagt Dr. Susanne Conzen, Leiterin der städtischen Galerie.

Sie hat sich lange mit Paul Wieghardt beschäftigt. In den vergangenen Monaten ganz besonders. Das Ergebnis ist ab Freitag, 8. November, zu sehen. Um 19 Uhr wird  die große Ausstellung, die sich über drei Etagen erstreckt, eröffnet. Mit „Coming and Going“ trägt die  Ausstellung den Titel eines der bekanntesten Werke Wieghardts. Anlass für die umfassende Werkschau ist der Todestag von Paul Wieghardt, der sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt.

Großformatige Werke im Forum der Galerie. Foto: Wolfgang Teipel

Mehr und mehr wird das Museum zum hochkompeten Nachlassverwalter des Mannes, der mit seiner Frau Nelli Bar, einer Bildhauerin, vor den Nazis nach Norwegen flüchtete und von dort auf abenteuerlichen Wegen in die USA gelangte. Nach drei Schenkungen  (1980, 2003 und 2020) verfügt das Museum über zahlreiche Werke und biografisches Material.



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Skizzen im Notebook

Stolz ist Dr. Susanne Conzen auf ein Notebook des Malers. Es zählt zu den wenigen Dokumenten, die Paul Wieghardt selbst verfasst hat. Es quillt über von Notizen und schnell hingeworfener Skizzen.

Die Galerie der Stadt Lüdenscheid nimmt das Erinnerungsjahr zum Anlass, die Entwicklung seines Kunstschaffens in einer umfangreichen Ausstellung zu präsentieren. Die Orte Köln, Weimar, Dresden, Paris und Chicago, die Wieghardts Biografie bestimmen sollten, deuten bereits die nachhaltigen künstlerischen Entwicklungslinien an.

Zum Leitmotiv seines malerischen und zeichnerischen Werkes wurde die Erkundung der bildlichen Konstellation von Figur, Farbe und Raum – jene Elemente, welche die Malerei der Moderne auf deren Realitätsbezug hin neu befragt. Mit der großen Auswahl der gezeigten Arbeiten wird Wieghardts Ansatz nachvollziehbar, die menschliche Figur in einem zunehmend autonom werdenden Farbraum auf ganz individuelle Weise zu interpretieren: ein außergewöhnliches künstlerisches Werk, das eine differenzierte und ausführliche Würdigung verdient.

Auch Werke von Wegbegleitern

Wieghardt
Ein Porträtfoto des Malers im Treppenhaus der Galerie. Foto: Wolfgang Teipel

Zu den Exponaten zählen auch Werke seiner Wegbegleiter Kurt Gröger und Robert Liebknecht sowie seines Lehrers an der Kunstakademie Dresden, Professor Robert Sterl.

Die Galerie der Stadt Lüdenscheid bringt zur Ausstellung einen wissenschaftlichen Katalog heraus, der das Werk des Künstlers in seinen unterschiedlichen Entwicklungsphasen vorstellt. Die einzelnen Beiträge lassen einerseits die Vielfalt, andererseits die Konsequenz seiner Bildentwicklungen im Zusammenhang mit seiner Biografie erkennen. Der Katalog ist ab 5. Dezember während der Laufzeit der Ausstellung über die Museen der Stadt Lüdenscheid zum Preis von 19,80 € erhältlich.

Zahlreiche Förderer

Die Ausstellung wird in erheblichem Umfang von der LWL-Kulturstiftung und der Kunststiftung NRW gefördert. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des LWL, wird Gast der Ausstellungseröffnung sein und ein Grußwort sprechen. Dr. Eckhard Trox und die Galerieleiterin erwarten auch eine Vertreterin der Kunststiftung Düsseldorf.

„Ich bin froh, dass die Galerieleiterin diese Sponsoren mit ihrem wissenschaftlichen Konzept zur Ausstellung überzeugen konnte“, betont der Museumsleiter. Ohne solche Drittmittel sei eine derartige Ausstellung nicht umzusetzen. Zu den Förderern zählen außerdem die Sparkasse Lüdenscheid, die Kunstfreunde Lüdenscheid e.V. (KFL) sowie zahlreiche private Unterstützer.

Die ehemalige Villa Hueck (heute Humboldts), gesehen mit den Augen des Malers. Während seines Studiums kam Paul Wieghardt immer wieder in seine Heimatstadt und malte Lüdenscheider Ansichten. Foto: Wolfgang Teipel

Das besondere an der Werkschau: Sie ist nicht chronologisch geordnet. Das Team der Galerie hat großen Wert darauf gelegt, die Malerei Wieghardt und ihre Entwicklung über viele Jahrzehnte aufzuzeigen. „Es wäre Unsinn zu sagen, dass Paul Wieghardt in der Region nicht bekannt sei“, sagt Dr. Eckhard Trox. Die Ausstellung könne aber eine Art Wiederentdeckung vermitteln.

Ausstellung läuft bis 29. März 2020

Die Vernissage zur Ausstellung beginnt am 8. November um 19 Uhr. Anschließend ist Ausstellung bis zum 29. März 2020 zu sehen. Ergänzt wird sie durch eine Videoinstallation des Lüdenscheider Lichtkünstlers Tom Groll. Sie wird in einer Dauerschleife im Eingangsbereich gegenüber der Eisenbahn gezeigt. Tom Groll hat eigene Aufnahmen von Bahnhöfen und das schemenhafte das Kommen und Gehen von Menschen zusammengestellt. Er nennt diese Installation „Transit“.

Mehr über Paul Wieghardt unter http://www.ottoewieghardt.de/pw/pw.htm

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