Blick in die Ausstellung: Der Schweizer Architekt Max Bill war ein Wegbegleiter Aichers. Rechts ist ein Foto der Hochschule für Gestaltung Ulm zu sehen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Wo ist die Damentoilette? Schilder, die eine Strichfigur mit Dreiecksbauch zeigen, weisen den Weg – überall auf der Welt. Piktogramme sind zur Weltsprache der Globalisierung geworden. Zu ihrem Siegeszug hat ihnen der Ulmer Gestalter Otl Aicher verholfen, geboren vor 100 Jahren am 13. Mai 1922. Zeichen statt Worte – das war das Credo des Mannes, der auch ein politischer Denker war. Aicher prägte das Erscheinungsbild von Weltunternehmen. Zu Lüdenscheid pflegte er eine besondere Verbindung.

Verfechter der Kleinschreibung

Das alles zeigt die Ausstellung „otl aicher – ökonomie der gestaltung“, die am Freitag, 28. Oktober, um 19 Uhr in der Städtischen Galerie am Sauerfeld eröffnet wird. Die Kleinschreibung im Ausstellungstitel ist übrigens kein Fehler. Der Gestalter, Typograph und Denker aus Ulm war ein massiver Verfechter der Kleinschreibung.

Zusammenarbeit mit ERCO

Ist das Kunst? „Auch die Dinge, die sich am Rand der freien Kunst entfalten haben Platz in einer Galerie“, sagt Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen. Die Typographie sowie das gesamte Schaffen Otl Aicher zählt sie dazu. Die besondere Verbindung zu Lüdenscheid über die 17 Jahre währende Zusammenarbeit mit Klaus Jürgen Maack, dem ehemaligen Geschäftsführer der ERCO Leuchten GmbH, stachelten Dr. Conzens Ehrgeiz an, eine umfassende Werkschau zu konzipieren.

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In Kooperation mit dem Archiv der von Aicher initiierten Hochschule für Gestaltung Ulm und in intensiver Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing Henk Kosche (ERCO Leuchten GmbH) ist so ein umfassender Überblick über das Schaffen Aicher entstanden.

Striche und Kreise

Selbstverständlich ist auch der Dackel „Waldi“, das Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München, zu sehen. Auch Waldi ist ein Werk Otto Aichers, den alle immer nur „Otl“ nannten. Aicher war Gestaltungsbeauftragter der Spiele und entwickelte das Design. Damals  erschien es wie aus einem Guss – heiter, freundlich, klar und modern. Ein einheitliches Farbleitsystem mit den markanten Regenbogenfarben Himmelblau, Frühlingsgrün, Sonnengelb und Orange, dazu die allgegenwärtigen Piktogramme: Strichfigur in dynamischer Schräglage mit Kreis am Bein = Fußball, Strichfigur mit Kreis an der Hand = Handball – und so weiter. So verhalf der Gestalter den Piktogrammen schließlich zu jener ikonischen Gestalt, die in Erinnerung geblieben ist.

Diese Kombination aus Plattenspieler uind Radio gestaltete Aicher für für Braun. Sie trug den Spitznamen Schneewittchensarg. Foto: Wolfgang Teipel

Auch das 1974 entstandene Corporate Design für die ERCO Leuchten GmbH ist in seinen Grundzügen bis heute erhalten geblieben. Insbesondere Aicher im Jahr 1988 veröffentlichte Schrift „Rotis“ (benannt nach seinem Wohnort Rotis, einem Vorort von Leutkirch) ist seit 1990 Hausschrift des Lüdenscheider Unternehmens.

Vom Masterplan blieb nichts übrig

Zusammen mit dem Architekten Normann Foster legte Otl Aicher den Masterplan Lüdenscheid vor, dessen architektonischer Ansatz mit einem innovativen Marketing verknüpft werden sollte. Aber weder Logo, Schrift noch die Foster-Schirme wurden umgesetzt. Allein die Sparkasse realisierte im Jahr 2000 vor dem neuen Gebäudeteil am Sauerfeld eine abgewandelte Version der fosterschen Idee.

Die Ausstellung „otl aicher – ökonomie der Gestaltung“ ist bis 12. März 2023 zu sehen. Öffnungszeiten mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.