Das wohl wertvollste Stück der Ausstellung ist eine Gedenktafel aus dem Jahr 1681 (Epitaph). Verena Burhenne, Dr. Eckhard Trox und Ursula Delhougne stellten die Ausstellung in einem Pressegespräch vor. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Nichts ist so sicher wie der Tod. Insofern betrifft das Thema „Abschied nehmen – Sterben, Tod und Trauer“ alle von uns einmal ganz persönlich. Eine Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit diesem Titel blickt auf historische und aktuelle Aspekte des Umgangs mit dem Lebensende. Sie ist ab dem 18. September in den Museen der Stadt Lüdenscheid zu sehen und wandert anschließend durch sieben weitere Museen in Westfalen. Sie wird am Sonntag, 18. September, um 11.30 Uhr unter Mitwirkung des Lüdenscheider Männerchors eröffnet.

Eine Fotografie aus dem Jahr 1974: Trauergäste in schwarzer Kleidung mit Hüten und Zylinder in Münster-Nienberge. Foto: LWL-Archiv/Adolf Risse

„Ausstellung lädt zum Innehalten und Reflektieren ein“

„Es ist eine stille Ausstellung, die zum Innenhalten und Reflektieren einlädt“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox. Er wird die Begrüßung der Gäste übernehmen. Gertrud Welper, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, spr5icht ein Grußwort. Verena Burhenn, wissenschaftliche Referentin beim LWL-Museumsamt Westfalen und Kuratorin der Ausstellung, übernimmt die Einführung.

Skurril odr praktisch? Ein Dual-Use-Sarg, der zu Lebzeiten aus Wandregal genutzt werden kann. Foto: Wolfgang Teipel

Für die Volkskundlerin schließt sich damit ein Kreis.Die erste Asstellung, die sie für den LWL vor und 30 Jahren kuratierte hieß „Kein Kinderspiel – das erste Lebensjahr“. „Abschied nehmen – Sterben und Trauer“ ist ihre letzte Ausstellung. Verena Burhenne geht bald in den Ruhestand.

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Dr. Eckhard Trox betonte im Pressegespräch die Bedeutung des Themas und wies auf die besondere Qualität dieser Wanderausstellung hin. Dass sie in Lüdenscheid starte und danach in weiteren sieben Städte zu sehen sei, wertet er als „eine Ehre“.

Viele reagieren mit Abwehr

„Schon der Ausstellungstitel löst viele persönliche Assoziationen aus. Wir denken an persönliche Verluste, lange Trauerphasen oder an liebe Menschen, deren Sterben bevorsteht“, so Ausstellungskuratorin Verena Burhenne. „Viele Menschen reagieren mit Abwehr auf das Thema. Tod und Sterben gehören aber zum Leben dazu und sind Teil unserer Kultur. Vielfältige Rituale können uns in solchen schweren Phasen Halt und Trost geben.“ Doch die Sterbekultur mit Totenglocke und Sterberitualen wie vor 200 Jahren gebe es schon lange nicht mehr, so Burhenne weiter.

Traditionen des Abschiednehmens

Die Ausstellung widmet sich den Fragen: Wie gingen die Menschen früher mit dem Sterben um? Welchen Stellenwert hat es heute in einer säkularisierten und weltanschaulich differenzierten Gesellschaft? In acht Kapiteln behandelt die Schau unterschiedliche Aspekte der Trauerkultur wie die Jenseitsvorstellungen, die Vorsorge und die Verfügungen für den Todesfall. Darüber hinaus beschäftigt sich die Ausstellung mit der Totenfürsorge, der Hospizbewegung und der Sterbehilfe. Gezeigt werden Versehgarnituren und Salbgefäße, die bei der Krankenölung durch den Priester eingesetzt werden. Beim letzten Abschiednehmen geht es unter anderem um den Beerdigungskaffee und die Trauerkleidung. Totenzettel und Kondolenzpost aus unterschiedlichen Jahrhunderten dokumentieren die Tradition des Abschiednehmens. Zwei Kapitel beschreiben den Wandel der Friedhöfe vom Gottesacker zur Parkanlage sowie zu den alternativen Bestattungsformen beispielsweise in den Friedwäldern.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Erinnerung an die Toten anhand von Gedenktagen, Post-mortem-Fotografien und dem Gedenken an gefallenen Soldaten. Zu sehen sind Haarbilder, die als sogenannte Zimmerdenkmale ein wichtiges Zeugnis des Gedenkens an liebe verstorbene Angehörige waren. Dabei wurden aus den Haaren der Verstorbenen oft Blumenmotive geformt. Im letzten Kapitel geht es sowohl um die Bestattungsinstitute als auch um andere Berufe, die rund um den Tod angesiedelt sind. Isabelle Christiani vom LWL-Museumsamt führte ein Interview mit einer Sterbeamme aus Arnsberg, das in einer Videostation zu sehen ist.

Die Sterbekultur hat sich gewandelt. Foto: Wolfgang Teipel

Der Rundgang beginnt mit einem Gemälde. Es trägt den Titel „Der Tod als Freund“ und endet mit einer Soundstation, an der Lieder zu hören sich, die gern bei Trauerfeiern gespielt werden.

Ein mit 240 Seiten ausgesprochen umfangreicher Katalog, der für 14 Euro erhältlich ist, vertieft und erweitert die Themenbereiche und beschreibt die Ausstellungsobjekte. Darüber hinaus hat die LWL-Museumspädagogin Sophie Reinlaßöder ein Begleitprogramm für Erwachsene und Schulklassen sowie für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt.