Treffen vor Ort mit Bürgermeister Sebastian Wagemeyer, Matthias Wagner, den Lehrern Andreas Dietrich und Thorsten Kohlen, Dieter Hohaus und Bernd Benscheidt sowie den FCSL-Schülersprechern Silas Knopf und Noah Reinsch. Foto: privat

Lüdenscheid. Lüdenscheid soll ein neues Denkmal erhalten. Eine Metallplastik auf dem Gelände der Freien Christlichen Schule Lüdenscheid (FCSL) am Schäferland soll an die 240 russischen Kriegsgefangenen erinnern, die im ehemaligen Lazarett am Baukloh verstorben sind.

Initiatoren sind der Ge-Denk-Zellen-Verein, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Friedensgruppe Lüdenscheid. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.



Der Standort knüpft an ein Stück Lüdenscheider Geschichte an. Das einstige Lazarett, in dem die 240 Kriegsgefangenen zumeist an Tuberkulose verstarben, befand sich in der Nähe der heutigen Christlichen Schule. Ein Teil des Schulgebäudes diente früher militärischen Zwecken. Schule und auch der Trägerverein haben sich mit dem Standort auf Höhe der FCSL-Turnhalle einverstanden erklärt.

Menschen in den Tod getrieben

Der Ge-Denk-Zellen-Verein ruft jetzt zu Spenden auf. Sie sollen zum Gelingen des Denkmals beitragen. In dem Spendenaufruf heißt es: “Erst durch die Arbeit des Ge-Denk-Zellen-Vereins wird schrittweise klar, wie groß die Zerstörungen der Nationalsozialisten auch in Lüdenscheid waren. 1940 errichtete der Höhere Polizei- und SS- Führer Friedrich Jeckeln in Hunswinkel das erste Arbeitserziehungslager, in dem während des Krieges mehr als 200 zivile Zwangsarbeiter – meistens aus der Sowjetunion – durch Schwerstarbeit, Hunger und Erschießen ums Leben kamen. Am Ende des Krieges  trieb die Gestapo (Geheime Staatspolizei) viele hundert Gefangene aus dem Rheinland in das Lager Hunswinkel, wo mehr als 300 starben. Die Mehrheit waren russische Zwangsarbeiter, die in der Nähe des Friedhofs Hühnersiepen  erschossen wurden.

Die meisten starben an Tuberkulose

Aber auch die ca. 2.900 russischen Zwangsarbeiter in den Fabriken Lüdenscheids litten an den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Ca. 180 Ostarbeiter*innen fielen ihnen in den Fabriken und an den Arbeitsstellen zum Opfer.

Hinzu kamen vom April bis November 1945 noch viele schwerkranke russische Soldaten, die von den US-Truppen im Kriegsgefangenenlager Hemer befreit und zur Genesung in das Lazarett Baukloh gebracht wurden. Leider waren die russischen Kriegsgefangenen von ihrer Arbeit im Bergbau und in der Schwerindustrie des Ruhrgebiets bei mangelhafter Ernährung und schwersten Arbeitsbedingungen so geschwächt, dass 240 starben, die Mehrheit an TBC.

Bis Juni 1945 wurden 120 von den Siegermächten zum Nationalfriedhof in den Niederlanden gebracht und in Einzelgräbern beigesetzt. Danach kamen 81 auf das Soldatenfeld des neuen evangelischen Friedhofs namenlos in ein Massengrab und 41 auf das Soldatenfeld des katholischen Friedhofs. Die Friedhofsverwaltungen lehnten die Anlage von Einzelgräbern mit Namen gegenüber dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der britischen Besatzungsmacht ab. Die Namen der russischen Bauklohtoten wurden erst in den 1960er Jahren in die Sterbebücher des Amtes Lüdenscheid eingetragen.

Beitrag zur Völkerverständigung

Damit es 80 Jahre nach dem Beginn des Russlandfeldzugs Wirklichkeit werden kann, werden die Schüler und Lehrer*innen ein Denkmal entwerfen, dass einige Tausend Euro kosten wird. Zur Verwirklichung sind Spenden notwendig.” 

Konto des Ge-Denk-Zellen-Verein mit dem Stichwort „Denkmal Baukloh“ bei der Sparkasse Lüdenscheid

IBAN  DE 28 4585 0005 0000 3627 56,

Alle Beteiligten hoffen, dass das Denkmal im November – vielleicht auch mit einem Nachfahren aus Russland – eingeweiht werden kann und zur Völkerverständigung beiträgt.

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