Zeitreise in die 1960er Jahren mit Oldtimern aus der Epoche. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Das gute alte Röhrenradio – es hätte der Star der Ausstellung „Pop und Pille – Lüdenscheids Jugendbewegung ‘68“ werden können. Gäbe es nicht so viel mehr. Was sich in der Zeit des Aufbruchs während der 1960er Jahre in Lüdenscheid und in der Republik abgespielt hat, das dokumentiert die neue Ausstellung in den Städtischen Museen. Sie wurde am Sonntag eröffnet und ist noch bis zum 27. Januar 2019 zu sehen.

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Die Musik als Zeichen für Protest und eine neue Jugendkultur, der Klub aktuell als Impulsgeber für politische Demonstrationen und die Pille, die auch in Lüdenscheid das Zeitalter sexueller Freizügigkeit einleitete. „Sie bot die Gelegenheit, auch außerhalb der Tanzstunden die Kontakte zwischen den Geschlechtern zu vertiefen“, schmunzelte Bürgermeister Dieter Dzewas in seiner Begrüßungsrede. Über den Nebeneffekt freute er sich besonders. „Damals entstanden viele Lüdenscheider Bürgerinnen und Bürger.“

Bracht-Zwillinge machen Musik

Gerd und Richard Bracht, ehemals “Hi You There”, ließen Songs aus den 1960er Jahren wieder aufleben. Foto: Wolfgang Teipel

Viele der zahlreichen Besucher erinnerten sich am Sonntag an persönliche Storys aus der Zeit, in der die Band „Hi You There“ und viele andere die Musikszene in Lüdenscheid prägten. Der Bergstadt wurde zum Zentrum der Beatmusik im Sauerland. Mit Gerd und Richard Bracht sind zwei ehemalige Mitglieder von „Hi You There“ der Musik treu geblieben. Sie griffen während der Ausstellung zu ihren Instrumenten und ließen mit Stücken der Beatles und Bob Dylan den Sound der 1960er Jahre wieder lebendig werden.

’68 mehr als reine Studentenbewegung

Prof. Dr. Detelf Siegfried: “Die Landeier wollten nicht in der Provinz versauern.” Foto: Wolfgang Teipel

Prof. Dr. Detlef Siegfried, Zeithistoriker von der Universität Kopenhagen, legte in seinem Vortrag dar, warum der Umbruch in den 1960er Jahren mehr war, als die so genannte Studentenbewegung. Die Jugendkultur regte sich in den Städten und auch auf dem Land und zwar parallel. Besserer Zugang zur Bildung, erhöhte Mobilität und Medien, die die Jugend als Zielgruppe entdeckten, trugen dazu bei, dass die „Landeier“ nicht in der Provinz versauerten. Auch sie begehrten gegen die etablierten Kreise auf. Das alles, so der Wissenschaftler, spiegele auch die „großartige Ausstellung“.

Ursula Delhougne: “Eine Ausstellung von den Bürgern dieser Stadt für die Bürger dieser Stadt.” Foto: Wolfgang Teipel

Kuratorin Ursula Delhougne dankte den Sponsoren und den vielen privaten Leihgebern, die „Pop und Pille“ erst möglich machten. „Es ist eine Ausstellung von den Bürgern dieser Stadt für die Bürger dieser Stadt“, betonte sie und kam auch auf das gute alte Röhrenradio zurück. Es sei „der Gegenstand der Ausstellung“, befand sie. Sie hätte ohne Probleme das Geschäft Radio Lüling an der Werdohler Straße in der Veresion von 1968 eins zu eins abbilden können, sagte sie.

Authentischer Rückblick auf eine bewegte Epoche

Museumsleiter Dr. Eckhard Trox: “Authentischer Rückblick auf eine bewegte Epoche.” Foto: Wolfgang Teipel

Die Kuratorin dankte den zahlreichen Leihgebern und insbesondere Dr. Dietmar Simon und dem verstorbenen Journalisten Michael Nürenberg. Sie hätten mit ihrem Buch „Die besten Tage unseres Lebens“ wichtige Orientierungspunkte für die Konzeption der Ausstellung geliefert. Das Buch ist 2013 erschienen und dokumentiert die Lüdenscheider Zeitgeschichte von Anfang der 1960er bis in die 1970er Jahre.

Museumsleiter Dr. Eckhard Trox beglückwünschte Kuratorin Ursula Delhougne zu dem authentischen Rückblick auf eine bewegte Epoche. Bei „Pop und Pille“ gehe es nicht darum Position zu beziehen, sondern darzustellen. Das bedeute allerdings nicht, dass sich das Museum aufkommenden Diskussionen nicht stellen wolle.

 

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