Frank Breitenbach. Er trainiert für den guten Zweck und läuft am 11. Mai einen Halbmarathon. Nicht irgendwo in Deutschland sondern auf dem Mount Kenya. Foto: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Manchmal , wenn man einen ernsthaften Blick auf diese Welt wirft, denkt man bei all den schlechten Nachrichten, es gäbe sie nicht mehr. Die Guten, die Menschen, die etwas tun, ganz altruistisch, ohne dabei in erster Linie an sich zu denken. Menschen, die Strapazen auf sich nehmen, über ihre eigenen Grenzen hinweggehen und ganz außergewöhnliche Dinge tun, um anderen zu helfen.

Ein ganz normaler Familienvater

Frank Breitenbach und sein Freund Matthias Kleine kamen zum gemeinsamen Interview in die Kreuzkirche Lüdenscheid. Foto: Iris Kannenberg

Aber es gibt sie. Viele von ihnen. Oft ganz im Verborgenen. Sie machen kein großes Aufhebens um sich selbst. Stellen sich nicht in den Mittelpunkt. Sie tun einfach etwas.

Und manchmal auch etwas sehr Ungewöhnliches.

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Einer davon ist Frank Breitenbach. Wenn man ihn kennenlernt, trifft man erst einmal auf einen scheinbar ganz normalen Familienvater. Er arbeitet bei den Stadtwerken Lüdenscheid (Enervie), ist verheiratet und gehört mit 50 Jahren nicht unbedingt zu denjenigen, denen man einen Halbmarathon in einem afrikanischen Land so ohne weiteres zutrauen würde.

Der vierte Musketier

Er strahlt jedoch viel Ruhe aus, Gelassenheit, Sicherheit und etwas, das man durchaus als inneres Leuchten beschreiben kann. Man fühlt sich wohl in seiner Nähe und hört ihm gerne zu, wenn er von seinem Projekt erzählt. Und er ist offensichtlich gut durchtrainiert.

Gemeinsam mit seinem Freund Matthias Kleine, der für die Kreuzkirche arbeitet, nahm Frank 2018 an etwas teil, was man „Der 4. Musketier“ (https://der4temusketier.de/) nennt.

Dabei handelt es sich um eine christliche Initiative, die sich an gläubige Männer richtet und sogenannte „Charakterwochenden“ anbietet, in denen Männer einfach mal ganz unter sich sind und ihre eigene Grenzen erweitern und neu definieren können.

Verändere die Welt und Dich selbst. So kann’s gehen. Foto: Matthias Kleine

Orientierung fürs Leben

Der Titel „Der 4te Musketier“ basiert auf einer Erzählung von Alexandre Dumas.

Der junge Hitzkopf D´Artangnan wurde im Laufe dieser Erzählung zum vierten Musketier. Der „Jungspunt“ sucht Abenteuer und Orientierung für sein Leben und trifft dabei zunächst einmal auf die drei Musketiere, die seine Lehrmeister werden. Diese drei sind ganz ausgerichtet auf Gott und den Dienst für den König und seine Königin.

Verantwortung übernehmen

D´Artangnan wächst durch die Bekanntschaft mit den drei anderen Musketieren und ihrer inneren Haltung, die von echter Freundschaft, Ehre, Würde und gegenseitigem Respekt geprägt ist, weit über sich hinaus. Er reift zum wirklichen Mann heran, der für sich und andere Verantwortung übernimmt, selbst dann, wenn es vielleicht das eigene Leben kostet. Am Ende ist der 4. Musketier, jemand, der begriffen hat, wer er ist und wo sein ganz persönlicher Platz ist im Leben. Er rettet die Königin und deckt eine Intrige auf, die ein ganzes Königreich zu Fall bringen soll. Und legt sich dabei mit einem der mächtigsten Männer der damaligen Gesellschaft an.

Ab in die Highlands

Ab in die Highlands. Foto: Iris Kannenberg

Frank ging es natürlich nicht in erster Linie darum, die ganze Welt zu retten, als er 2018 an dem sogenannten „Charakterwochenende“ des „4. Musketiers“ teilnahm.

Aber er wollte sich wie D´Artangan neu orientieren. Und als bekennender Christ Gott einmal ohne die Ablenkung der Welt erleben. Ohne Musik, Fernsehen, Handy und Computer. Dabei zur Ruhe kommen, in sich hören und sich neu ausrichten. Und so flogen er und Freund Matthias Kleine nach Schottland. Drei Tage lang ging es mit vielen Gleichgesinnten ab in die Highlands. In Gruppen zu zwölf Männern wanderten sie durch die wilde Landschaft Schottlands.

Abends trafen sich die Gruppen wieder in einem Basislager. Man zeltete und saß gemeinsam am Lagerfeuer. Viel Zeit, um sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben. In Andachten und gemeinsamen Gebeten versuchte jeder einzelne Teilnehmer herauszufinden, wo er persönlich gerade steht und was der nächste Schritt in seinem Leben sein könnte.

Hilfsprojekt „Muskathlon“

In diesen drei Tagen in den Highlands lernte er nicht nur sich selbst viel besser kennen, sondern erfuhr auch von dem Hilfsprojekt „Muskathlon“, das Geld für die Hilfsorganisationen Compassion, Open Doors und A21 sammelt.

Beim „Muskathlon“ geht es – wie bei dem Wandern in Schottland – darum, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen. Und dabei auch noch etwas Gutes für andere zu tun. Frank Breitenbach, der schon seit vielen Jahren als aktiver Sportler unterwegs ist, fühlte sich sofort angesprochen. Und herausgefordert. Denn der diesjährige „Muskathlon“ findet in Kenia statt. In einem Land, das trotz seiner großen touristischen Beliebtheit immer noch unter ebenso großen Problemen von Armut, mangelndem sauberen Trinkwasser und einer hohen Kindersterblichkeit leidet.

Mount Kenya

Oft erdrückend arm ist die Lebenssituation von Kinder in afrikanischen Ländern.
Selbst in Kenia, das zumindest durch seinen Tourismus viel Zulauf hat. Foto: Pixabay

Beim diesjährigen „Muskathlon“ sind die Teilnehmer gefordert, auf dem Mount Kenia in 2000 Meter Höhe einen Halbmarathon zu laufen.

Jeder Teilnehmer trägt dafür die Kosten für Hotel, Flug etc. selbst und sammelt zudem 10.000 Euro Spendengelder, um am Marathon teilnehmen zu können. Dieses Geld geht 1:1 an bedürftige Kinder in Afrika. Das Kinderhilfswerk Compassion sammelt auf diesem Weg Geld z.B. für Wasseraufbereitungsanlagen, sanitäre Einrichtungen und Wasserfilter, die gerade in den afrikanischen Ländern dringend benötigt werden.

Die Teilnehmer des „Muskathlons“ haben zudem die Möglichkeit, fünf Tage lang mit der Organisation Compassion selbst und ganz direkt zu schauen, wohin die Spenden gehen. Sie besuchen zusammen bedürftige Menschen und Orte in Kenia und werden sich ein eigenes Bild von der erdrückenden Lebensitutation der dortigen Bevölkerung machen.

Laufen auf 2000 Meter Höhe

Frank Breitenbach nimmt vieles auf sich, um an diesem Hilfsprojekt teilzunehmen. Er trainiert seit Monaten für den Halbmarathon, sammelt die Spendengelder, stellt sich den vielen Fragen nach dem warum und wofür, lässt unangenehme Impfungen über sich ergehen und ist mit Ärzten in Kontakt, um sich auf einen Lauf in 2000 Metern Höhe vorzubereiten.

„Es wird so sein, als würdest Du einen Zehnkilo-Sack zusätzlich mit Dir herumschleppen. Die Luft dort oben ist einfach viel dünner. Dazu kommen Hitze und ein Gelände, das man sich durchaus als unwegsam vorzustellen hat.“ erzählt Frank in dem Interview. Auf die Frage, ob er keine Angst hat, z.B. überfallen zu werden oder vor einem Terrorangriff in Nairobi, wo die „Base“ des „Muskathlons“ sein wird, zuckt er nur mit den Achseln. „Ich habe einfach das Gefühl, dass das genau das ist, was ich jetzt gerade tun soll. Nein, ich habe keine Angst. Klar, manchmal ein mulmiges Gefühl. Aber alles in allem freue ich mich auf diese Zeit. Und hoffe, dass ich die 21 Kilometer schaffe. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Die Sache an sich zählt. Neue Erfahrungen zu sammeln, meine eigenen Grenzen zu erweitern und ja, als erstes und unbedingt, die Lebenssituation von Kindern zu verbessern.“

Unterstützer gesucht

Frank Breitenbach konnte bisher knapp 7.500 Euro an Spenden sammeln. Dazu kommen Flug, Unterkunft und Verpflegung vor Ort. Natürlich wird er auch an dem Marathon teilnehmen, wenn die 10.000 Euro nicht komplett zusammenkommen. Aber es ist ihm ein echter Herzenswunsch. Er sammelt ja nicht für sich, sondern für „seine“ Kinder.

Überhaupt möchte er durch diese Aktion den „Muskathlon“ noch mehr bekannt machen und auch andere Männer dazu ermutigen, Gutes zu tun. Neue Wege zu beschreiten, über sich selbst hinauszuwachsen und aktiv etwas gegen Hunger, Terror und Kriege zu tun.

Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind

Nicht nur der Hunger ist in Afrika ein Problem, sondern auch der Mangel an sauberem Trinkwasser. Viele Menschen müssen täglich kilometerweit dafür gehen. Oft eine Aufgabe der Kinder. Da bleibt für die Schule keine Zeit. Foto: Pixabay

Nach Auskunft der Welthungerhilfe sterben auch heute noch weltweit Kinder jedes Jahr 6,3 Millionen Kinder (6,9 Mio. laut Lancet, 2013) unter fünf Jahren an Hunger.

Fast die Hälfte dieser Todesfälle ist auf die Folgen von Mangel-und Unterernährung zurückzuführen (und auf konterminiertes oder mangelndes Wasser).

Das sind etwa 3,1 Millionen Kinder jährlich oder rund 8.500 Kinder unter fünf Jahren täglich oder etwa alle zehn Sekunden ein Kind. (Quelle: https://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/pictures/publications/de/fact_sheets/topics/2016_factsheet_hunger)

Sich der Verantwortung stellen

Unter dem Linkhttps://www.muskathlon.com/de-de/teilnehmer/2310/frank-breitenbach-.html findet man auf der Muskathlon Webseite Franks Profil und kann ihn dort aktiv unterstützen. Zudem informiert die Organisation Compassion dort umfassend über das Projekt.

Wer sich als Mann jetzt überlegt, vielleicht auch an so einem Halbmarathon teilzunehmen, sollte einfach mal auf der Webseite http://www.muskathlon.com recherchieren.

Die Erde braucht offensichtlich Männer, die sich ihrer Verantwortung stellen. Und die spüren, dass sie dazu aufgerufen sind, Not und Mißstände nicht einfach hinzunehmen, sondern etwas dagegen zu tun. Dazu muss man kein Held sein, nicht reich, nicht zwei Meter groß. Sondern einfach nur auf sein Herz hören. Und vorwärtsgehen. Dann werden sich Türen auftun. So wie bei Frank Breitenbach. Am 11. Mai 2019 geht´s los. Dann wartet Kenia auf ihn. Und eine der größten Herausforderungen seines Lebens. Der TACH wird darüber berichten!

Hier noch einmal der Link für Franks Spendensammlung: https://www.muskathlon.com/de-de/teilnehmer/2310/frank-breitenbach-.html

Eine Lehrerin mit ihrer Klasse in Kenia. Diese Kinder müssen kein Wasser mehr schleppen. Durch einen sauberen Brunnen in ihrem Dorf haben sie nun die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Und Bildung ist nach wie vor der beste und friedlichste Weg, um die Lebenssituation in den afrikainschen Ländern nachhaltig zu verbessern. Foto: Pixabay

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