Von rechts: Kai Hagen, Jana Aßhoff und Hartmut Tetling stellen die Ergebnisse der Diagnose Mittelstand 2020 vor und brechen die Daten auf das Geschäftsgebiet der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis herunter. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg/Lennetal. Die Krise hat den deutschen Mittelstand stark getroffen. Der zeigte sich allerdings recht gut vorbereitet und stemmt sich dank überwiegend guter Eigenkapitalausstattung gegen die Auswirkungen der Krise. Das zeigt die „Diagnose Mittelstand 2020“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, und Hartmut Tetling, Leiter Firmenkunden, stellten im Pressegespräch die Diagnose vor und brachen die bundesweit erhobenen Daten auf den heimischen Bereich herunter.

Die Diagnose Mittelstand

Die „Diagnose Mittelstand“ legt der DSGV inzwischen zum 20. Mal vor. Grundlage dafür ist die größte systematisch auswertbare Sammlung von Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen mit etwa 300.000 Bilanzen, ergänzt um eine Sparkassen-Expertenumfrage.

Eigenkapital schützt

Bereits 2019 glänzte der Mittelstand mit einer Eigenkapitalausstattung von fast 40 %. Durch ein vorbildliches Wirtschaften wurde neben der gestiegenen Eigenkapitalquote auch der Liquiditätspuffer angehoben. Kontinuierlich wurden Teile des Gewinns nicht ausgeschüttet, sondern in das eigene Unternehmen investiert. „Gute Eigenkapitalausstattung schützt vor Insolvenz“, stellt Kai Hagen fest. So habe es bisher keine Welle von Insolvenzen gegeben „und ich erwarte auch bis zum Herbst 2021 keine“, so Kai Hagen. Schon wegen der Bundestagswahl im September würde die Politik mit allen Mitteln gegensteuern, glaubt er.

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Viele Unternehmen meistern die Krise aus eigener Kraft, aber nicht wenige sind auf finanzielle Hilfen angewiesen. „Bund und Länder haben mit ihren Corona-Soforthilfen eine richtige Antwort auf die Krise gegeben. Noch vor Aktivierung dieser Unterstützung hatten wir einen eigenen Sonderfonds für unsere Kunden aufgelegt. Damit wurden auf unbürokratische Weise die akuten finanziellen Engpässe beseitigt. Solch eine schnelle Hilfe war in unserer Bankenlandschaft vor Ort einzigartig“, betont Kai Hagen.

65 Mio. Euro Corona-Kredite

Als Mittlerin reichte die Sparkasse ihren Kunden Kredite aus den Corona-Programmen der KfW-Bank weiter. „Wir haben rund 160 Anträge bearbeitet und etwa 65 Millionen Euro an Corona-Krediten vergeben“, berichtet Hartmut Tetling. Die Sparkasse fungiert hier als Kreditgeberin, während Bund und Länder durch die KfW-Bank die Haftung übernehmen, falls Kredite nicht zurückgezahlt werden.

Die stärksten coronabedingten Einbrüche hatten und haben die Sparten Tourismus, Eventgeschäft, Gastgewerbe, Kreativwirtschaft und Automotive zu verzeichnen. Aber nicht alle Branchen brachen ein. Vor allem Bau, Gesundheit und Sozialwesen punkteten mit Wachstumsraten. Durch ein flexibles Kostenmanagement schafften es viele Unternehmen, in der Gewinnzone zu bleiben. Mit ihrer finanziellen Stabilität konnten somit die meisten Untemehmen temporäre Verluste aus eigener Kraft über ihr Eigenkapital, respektive ihre vorhandene Liquidität, kompensieren.

Großer Investitionsbedarf

„Der Schlüssel zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen dieser Krise liegt in der Investitionsbereitschaft und Investitionsfähigkeit der Unternehmen“, schreibt der DSGV in seiner „Diagnose Mittelstand“. Denn nur durch Investitionen in neue Produkte, Prozesse und Vertriebswege könne der strukturelle Wandel, der bereits vor Corona eingesetzt hatte und durch die Entwicklungen der letzten Monate massiv verstärkt wurde, gemeistert werden. Gegenwärtig hätten aber fast 90 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre langfristigen Investitionspläne auf Eis gelegt. Gerade die am stärksten von der Krise betroffenen Unternehmen, deren Geschäftsmodelle zum Teil komplett in Frage gestellt wurden, haben jetzt den größten Investitionsbedarf.

Boom im Immobilienmarkt

In Zeiten von historisch niedrigen Bauzinsen erlebten die Baubranche und der Immobilienmarkt einen wahren Boom. „In Corona-Zeiten setzten und setzen viele auf das Betongold. Es werden zahlreiche Eigentumswohnungen und Häuser gekauft und gebaut“, so Kai Hagen. Davon profitieren wiederum die Bauunternehmer und die Bauwirtschaft im Allgemeinen. ,,Wir messen diesem starken Trend eine große Bedeutung zu. Deswegen haben wir uns in Plettenberg und Werdohl speziell für diesen Bereich personell verstärkt. Unsere Immobilienmaklerin Jana Aßhoff betreut sowohl Objekte und Flächen von Privat- als auch von Gewerbekunden.“

Jana Aßhoff betreut als Immobilienmaklerin der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis Objekte und Flächen von Kunden in Plettenberg und Werdohl. Sie ist Nachfolgerin von Rolf Weispfennig, der in den Ruhestand gegangen ist. Foto: Bernhard Schlütter

Lichtblick für Frühjahr

Zusammenfassend kommentiert Kai Hagen die Ergebnisse der „Diagnose Mittelstand“: „Die Lage ist ernst, denn die Corona-Krise ist trotz anlaufender Impfmaßnahmen alles andere als überwunden.“ Aktuelle Verschärfungen der bisherigen Einschränkungen bestätigten dies. Ein Lichtblick sei die Einschätzung der Wirtschaftsweisen für einen Aufschwung im Frühjahr 2021.
„Wie in der Vergangenheit stehen wir auch künftig verlässlich an der Seite unserer Kunden, um aufkommende Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Denn jeder Mittelständler, der coronabedingt den Betrieb einstellen müsste, würde schmerzlich fehlen, wenn die Konjunktur wieder anspringt.“

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