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Bernd Gieseking hat über seine zwei Finnland-Trips Bücher geschrieben und daraus ein Kabarett-Programm entwickelt. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Rund 300.000 Finnen haben ein Abo auf Donald-Duck-Comics. Zur besserwisserischen Mickey Mouse hat das Volk im hohen Norden ein eher gespanntes Verhältnis. Sie lieben den Looser. Das und mehr erfuhr das Publikum beim dritten Abend der Lüdenscheider Kleinkunsttage vom Kabarettisten, Buch- und Kinderhörspielautor Bernd Gieseking.

Der Mann aus Minden nach die rund 160 Kleinkunstfreunde unter dem Motto „Finne Dich selbst“ mit auf zwei Roadtrips nach Nordeuropa und plauderte unterhaltsam über die Eigenarten des als etwas verschroben geltenden Völkchens.

Mehr als Saune, Seen, und Rentiersteaks

Finnland hat mehr zu bieten als Sauna, Seen, Rentiersteaks und Mücken. Das freut schließlich auch Giesekings Eltern Ilse und Hermann, die, schon etwas betagt, wild entschlossen sind, ihren Sohn Axel in Lahti zu besuchen.

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Bernd Gieseking übernimmt die Rolle des Chauffeurs und, oh Wunder, die eher wortkarge und von ostwestfälischer Distanz geprägte Familie kommt sich auf der Tour näher. Zum Finale umarmen sich Hermann und Sohn Bernd unbeobachtet von der Mutter. Als der Vater im Haus verschwunden ist, nimmt Mutter Ilse ihren Sprössling in den Arm und sagt: „Danke Großer.“

Das ist nicht nur rührend, sondern lässt auch tief in die Seele einer Generation blicken, die es nicht gelernt hat, Gefühle zu zeigen.

Ein alter Bühnenhase

Gieseking ist ein alter Bühnenhase. In diesem Jahr feiert er das 25-jährige Jubiläum seine satirischen Jahresrückblicks „Ich bin dann man weg“. Trotz aller Erfahrung muss er sich selbst ermahnen. „Ich muss jetzt aufpassen, dass ich beim Programm bleibe. Ich habe zu viel unnützes Wissen im Kopf.“ Dazu zählt beispielsweise die Tatsache, dass ein finnischer Sänger Elvis-Songs auf Lateinisch darbietet und dafür vom Papst eine Anerkennung erhalten hat. Bemerkenswert sei auch der finnische Reisepass. Neben allerlei Besonderheiten weist das Dokument jeweils auf den linken Seiten ein Tier auf, das für eine Region in Finnland stehe. Auf den rechten Seiten prangt unten ein Elch – auf jeder Seite in einer anderen Fußstellung. „So machen die Finnen aus ihrem Reisepass ein Daumenkino“, schmunzelt Gieseking. Wir Deutschen seien dagegen von Terrorismus-Angst so paralysiert, dass wir nicht einmal mit Mineralwasser reisen dürften.

Wohlwollende Distanz

Gieseking betrachtet Finnland und die Finnen aus einer wohlwollenden Distanz. Sie ermöglicht es ihm, Besonderheiten zu entdecken, ohne überheblich zu werden. Kein Wunder, seien die Finnen und Ostwestfalen Brüder im Geiste. Für beide Menschenschläge gelte eben: „Sie können Nähe finden, wenn der Abstand stimmt.“

Bernd Gieseking war der dritte Bewerber um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“, den von der Sparkasse gestifteten Kleinkunstpreis.  Am heutigen Donnerstag stellt Stefan Danzinger sein Programm vor. Den Schlusspunkt setzt am Freitag, 1. März, Lisa Catena. Der Gewinner wird am Montag bekanntgegeben.

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