Die Meinerzhagener Grünen bereiten die Anlage eines Blühstreifens an der Streuobstwiese (Handweiser) vor. Mit der Einsaat von Wildblumen wollen sie ein Zeichen gegen das Insektensterben setzen. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen. „Ach ja.“ „Stimmt“ – Gängige Kommentare, wenn jemand darauf hinweist, dass man früher im Sommer bei jedem Tank-Stopp auch die Scheiben reinigen musste. Inzwischen sind von Insekten verklebte Frontscheiben kein Thema mehr. Der Grund: das Insektensterben. Den Zustand beklagen ist das Eine. Etwas dagegen tun, haben sich die Meinerzhagener Grünen vorgenommen. An der Südumgehung entsteht eine Insekten-Autobahn.

100 Meter langer Streifen

Versuchsweise wird die Streuobstwiese am Handweiser mit Wildblumen eingesät. Der Rat hatte einem entsprechenden Antrag der Grünen im Herbst 2017 zugestimmt. In Zusammenarbeit mit dem Bauhof, der den Boden entsprechend aufgebrochen und vorbereitet hat, soll der Sommer an der Marienheider Straße richtig bunt werden. Auf dem etwa 100 Meter langen Streifen an der Streuobstwiese werden mehrjährige Mischungen von Wildblumen-Saaten ausprobiert.



Wildblumen ideale Nahrungsquelle für Insekten

Start der Aktion ist am 28. April. Mit der Einsaat wollen die Grünen auf das Insektensterben aufmerksam machen und zeigen, wie die Artenvielfalt erhalten werden kann. Wildblumen sind eine ideale Nahrungsquelle für Insekten. Sie bilden einen Gegenpol zu landwirtschaftlichen Monokulturen und setzen farbliche Akzente, sind also ein Hingucker. Meinerzhagen wird damit am Ortseingang deutlich bunter und freundlicher.

Wildblumenwiesen bieten ideale Nahrungsquellen für Insekten und sehen außerdem auch schön aus. Foto: pixabay.com

Hoffen auf Insekten-Eldorado

Schon die Anlage der Streuobstwiese vor sechs Jahren hatte zum Ziel, die Artenvielfalt zu erhalten, Die Wiese, die auf Initiative der Grünen mit alten heimischen Obstbäumen bepflanzt worden ist, gilt nach Angaben des Naturschutz-Verbandes BUND als größte innerstädtische Streuobstwiese in Südwestfalen. Sie wird jetzt durch den Blühstreifen aufgewertet – eine Insekten-Eldorado, so hoffen die Initiatoren.

Insektensterben zunehmend ein Problem

Aus der Sorge von Naturschützern vor dem Verlust der Artenvielfalt ist ein gesellschaftliches Thema geworden. Das Insektenserben, vielfach als Bienensterben verkürzt dargestellt, wird zunehmend zum Problem. Befeuert wurde das Thema im Herbst 2017 durch eine Studie. Forscher aus Krefeld haben durch Zählungen in verschiedenen Schutzgebieten an über 60 Standorten festgestellt, dass die Zahl der Fluginsekten seit knapp drei Jahrzehnten um 75 Prozent zurückgegangen ist. Grund sind vor allem chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft, aber auch Monokulturen, die weniger Nahrungs- und Lebensraum bieten. Insekten wiederum sind wichtig für die Bestäubung der Pflanzen und damit für Ernteerträge. Mit den Insekten verschwindet aber auch die Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Ein Teufelskreis, der das Öko-System aus dem Gleichgewicht bringt. Für den Nobelpreisträger Albert Einstein war der Zusammenhang schon vor Jahrzehnten klar:

„Erst stirbt die Biene, dann der Mensch“.

Grünen-Sprecher Karl Hardenacke. „Mit etwas gutem Willen lassen sich für die Insekten bessere Lebensgrundlagen schaffen. Die geplanten Blühstreifen nützen nicht nur dem Öko-System. Sie sind auch eine Bereicherung der Landschaft und eine Augenweide für Menschen, die sich noch etwas Sinn für die Natur bewahrt haben. Wir freuen uns, dass der Rat und die Verwaltung das Anliegen unterstützen.“ Die Grünen hoffen, dass es nicht bei dem einen Streifen am Handweiser bleibt. Hardenacke: „Jeder kann selbst auf seinem Grundstück oder auf dem Balkon einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.“

Helfer sind willkommen

Interessierte können sich kostenlos mit Saatgut eindecken. Aber auch Helfer sind bei der Saat-Aktion am Samstag, 28. April, ab 14:00 Uhr, willkommen. Die Waldjugend will die Aktion unterstützen und im Sommer auch Insektenhotels aufhängen. Auch das ist eine Erkenntnis der Studie zum Insektensterben: Nistmöglichkeiten helfen die Arten zu erhalten.

INFO: Wildblumen-Samen gibt es in verschiedenen Mischungen für unterschiedliche Standorte. Tipps zur Anlage von Wildblumen-Streifen: www.rieger-hofmann.de

Zudem weisen die Grünen darauf, dass Interessenten Patenschaften für kleine Grünflächen (z.B.Verkehrsinseln) übernehmen können. Die Flächen werden von der Verwaltung angeboten. Leider hätten sich bis jetzt nur zwei Interessenten, unter anderem eine Schulklasse, gemeldet.

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