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Thinius
Max Thinius: "Alles was digitalisiert werden kann, kann menschlicher werden." Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Mit Max Thinius kann man wunderbar in die Zukunft reisen. Das Schönste dabei ist: Wir müssen keine Angst haben. Wir müssen nur gestalten und dürfen uns nicht einfach treiben lassen. Wer sich dem digitalen Wandel nicht stellt, der hat verloren. Das sind die Kernthesen von Deutschlands führendem Futurologen Max Thinius. In der „Wunderkammer der Zukunft“ im Lüdenscheider Museum wagte der Mann aus Berlin zunächst bei einem Workshop mit Teilnehmern aus Industrie, Verwaltung, Politik und Wissenschaft einen Blick weit voraus. Anschließend ließ er bei einem Vortrag interessierte Besucher an seinen Visionen teilhaben.

Wir haben bereits alle Werkzeuge

Der Begriff Visionen scheint dabei allerdings übertrieben. „Sämtliche Werkzeuge, die wir benötigen, um unsere Zukunft zu gestalten, besitzen wir bereits“, sagt Max Thinius. Der Digitalisierung und der Blockchain-Technologie fallen dabei die Schlüsselrollen zu. Allerdings gilt es zunächst, das Denken, das immer noch vom Industriezeitalter geprägt ist, zu überwinden. Deshalb fordert Thinius: „Rein in den Kampfmodus. Raus aus dem Relaxmodus. Wir müssen den Wandel gestalten und uns nicht gestalten lassen.“ Seine Überzeugung lautet: „Alles was digitalisiert werden kann, kann menschlicher werden.“

Thinius: Erfolgsrezept polyzentrale Strukturen

Deshalb also: Keine Angst vor der Zukunft. Ein Beispiel: Thinius hat an einem Projekt in Indien mitgewirkt. In einem verarmten Vorort einer Metropole wurde eine Stromversorgung aufgebaut. „Auf jeder Hütte ein halber Quadratmeter Solarzellen. Sie wurden digital vernetzt. Jetzt hat jeder Strom. Wer gerade keinen braucht, kann ihn über das Netzwerk abgeben.“ Polyzentrale Strukturen, so Max Thinius, seien das Erfolgsrezept.

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Menschen kehren den Metropolen den Rücken

Davon könne auch Lüdenscheid profitieren. Ab 2025 werde ein neuer Megatrend einsetzen. Die Menschen, sagt er voraus, kehren den Metropolen, die nicht mehr lebenswert seien, den Rücken. Sie suchten eine neue Heimat in kleineren Zentren, die den digitalen Wandel aktiv gestalteten. Das können in vielen Bereichen passieren. Als Stichworte nannte er Mobilität, Digitalisierung der Verwaltung, der Stadtentwicklung und der Gesundheitsvorsorge. Ideal wäre eine Art digitale Hanse, die Lüdenscheid zusammen mit anderen mittelgroßen Städten bilden könne. Mitte des 12. bis Mitte des 17. Jahrhunderts schlossen sich Städte zur Hanse zusammen, um die Interessen ihrer Kaufleute zu schützen. Die digitale Hanse, so Max Thinius, können ebenfalls zu einem kraftvollen Bund zusammenwachsen, der die Regionen stärke.

Auch die Einwohnerentwicklung Lüdenscheids könne davon profitieren. „Mit ausgeprägten digitalen Strukturen besitzt die Stadt ein Wachstumspotenzial von bis zu 150.000 Einwohnern im Jahr 2030“, behauptet der Futurologe.

Mit Bedenken befasse er sich wenig, räumte Thinius in der anschließenden Gesprächsrunde ein. “Die werden tagtäglich von den Medien zelebriert. Ich kümmere mich um die gute Zukunft.”

 

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