Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski präsentiert die 762-seitige Bibel von 1567. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Altena. (pmk) Die Adventszeit bereitet uns auf das kommende Weihnachtsfest vor. Inwiefern sich die Bräuche verändert haben, zeigt ein Blick in die Landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises.

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Eine seltene Ausgabe des Märkischen Gesangbuchs “Kern und Marck” findet sich in der Landeskundlichen Bibliothek des Kreises. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Vor 300 Jahren kam die Familie noch an den Adventssonntagen zusammen und begann sich besinnlich auf Weihnachten vorzubereiten. Es wurde gesungen und gemeinsam gebastelt – zum Beispiel Strohsterne. Adventslieder, wie “Macht hoch die Tür” sangen die protestantischen Märker im 18. Jahrhundert aus dem offiziellen Gesangbuch der Grafschaft Mark – dem “Kern und Marck geistlicher Lieder”. Das Gesangbuch gehörte in jedem protestantischen Haushalt zum Inventar. Um den damaligen Stellenwert zu verdeutlichen, zeigt Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski ein Exemplar des Werks aus der Landeskundlichen Bibliothek von 1724.

Märkisches Gesangbuch

“Um in den Kirchen ein einheitliches Liedgut zu schaffen, wurde 1717 ein für alle lutherischen Gemeinden geltendes Gesangbuch eingeführt”, berichtet die Kreisarchivarin von der Geschichte des Märkischen Gesangbuchs. Mit über 500 Seiten waren Lieder für alle Anlässe des Kirchenjahres vertreten. Im Jahr 1785 wollte der preußische König, dem die Grafschaft Mark unterstand, ein neues Liederbuch einführen, “was sich die Märker nicht gefallen ließen”. Es wurde ein Flop, denn am 1. Adventssonntag kam es zum Eklat: In der lutherischen Kirche in Altena sangen die Besucher des Gottesdienstes demonstrativ aus dem alten Gesangbuch. Der Protest zog weite Kreise, bis aus Berlin die Anordnung kam, dass die Märker ihr geliebtes “Kern und Marck” behalten durften. Dennoch löste das überregionale “Evangelische Gesangbuch” im 19. Jahrhundert das Märkische ab.
Die reformierten Gemeinden hatten ihre eigene Ausgabe: Das allgemeine Kirchengesangbuch von Lobwasser. Auch hier befindet sich in der Landeskundlichen Bibliothek ein Exemplar von 1738. Solche Gesangbücher genossen hohe Wertschätzung und wurden über Generationen weitergegeben.

Die ledergebundene Bibel ist mit kunstvollen Holzschnitten illustriert. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Passend zur weihnachtlichen Tradition zeigt die Archivarin auch ein besonders wertvolles Stück der Bibliothek: eine ledergebundene Altarbibel aus Altena, die 1567 gedruckt wurde. Auffallend: “Die Weihnachtsgeschichte ist ohne kunstvolle Holzschnitte dargestellt, wie sie vergleichsweise im Alten Testament zur Illustration benutzt worden sind”, so Todrowski. Die Kreuzigung Jesu hatte in früheren Zeiten einen höheren Stellenwert, als die Weihnachtsgeschichte. Dennoch wurde früher wie vor Ostern auch in der Adventszeit gefastet.

Wissen wird bewahrt

Viele Weihnachtsbräuche, wie das adventliche Singen im Familienkreis, entwickelten sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Die Trennung von Advent und Weihnachten war allerdings klar erkennbar, denn beispielsweise “Stollen oder Marzipan gab es damals – als etwas sehr Besonderes – erst an den Feiertagen selbst”, hebt Todrowski die Unterschiede hervor. Heutzutage scheint das undenkbar, wo schon ab September allerhand Weihnachts-Leckereien erhältlich sind.

Die Landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises in Altena gibt es seit 1875. Um die 80.000 Bücher gehören zum Katalog. Davon sind 5000 sogenannte Rara-Exemplare (von lat. rarus = selten), was einen Druck vor 1850 bedeutet. Durch die Bibliothek wird das gedruckte Wissen über die Kultur und Geschichte der Region bewahrt und vermittelt.

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